Hat die pen and paper Szene ein Problem?

Ich habe es getan: Ich habe einen Aufruf auf Twitter gestartet. Ich dachte nicht, dass ich überhaupt groß Reaktion bekommen werde – aber das Gegenteil ist passiert. Mein Postfach quillt über. Zuerst habe ich mich immens gefreut, dann kam nach und nach die Ernüchterung. Und nach und nach, sind mir viele Dinge aufgefallen, über die ich nun schreiben will.

(Lesezeit: ca. 10 Minuten, ein langer Artikel, eigentlich schon ein Essay. Über das Thema kann man sehr viel und lange schreiben und selbst jetzt ist es nicht ausführlich genug – aber ein Versuch. Holt euch einen Keks und macht es euch gemütlich – ihr werdet es brauchen ;) )


Hinweis (leider notwendig durch die riesige Diskussion): Man darf gerne gleich in die Kommentare springen, um dieses Thema unabhängig von mir und meinen Beobachtungen zu sehen und andere Erfahrungsberichte zu lesen und somit ein größeres Spektrum von Beobachtungen zu bekommen :) Es geht nicht nur um mich, es geht um uns alle. Ich freue mich natürlich, wenn ihr dabei bleibt :)!


Ich startete also eine Suche, um Spieler/innen zu finden für ein pen and paper, also ein Spiel bei dem kreativ ist, würfelt und seinen Charakter durch eine Welt steuert, in denen z.B. Monster und weitere Gefahren auf einen warten. Denkt einfach an stranger things und deren Runde, die spielen das auch bzw. was ähnliches ;)

Grund für meine Suche? Meine eigene Spielrunde mit Freunden hat begrenzt Zeit und ich würde gerne noch viel mehr Erfahrung sammeln….. Also: Such ich eben online. Ich dachte, vielleicht melden sich 1-2 Leute. Vielleicht. Man denkt sich so: „Das Internet machts möglich – wieso eigentlich nicht?“ Manche suchen online nach z.B. Sportpartner, Tandem-Sprach-Partner oder sogar der großen Liebe. Nun gut, ich nicht, ich suchte jemanden, der/die mein Hobby teilt, da eben ein Nischenhobby und in meinem Umkreis nicht soooo häufig vorkommend. Es gibt zwar auch Apps hierfür, aber ich dachte, auf Twitter sind einfach viele, viele Nutzer, mal sehen, was passiert.

Und tadaaa – online trudelten die Nachrichten ein.

Ich wusste nicht, dass so viele Menschen dann doch Lust darauf hatten  – ist ja was schönes. Es waren viele Leute dabei, ganz unterschiedlichen Alters.

Von den vielen Anfragen, ratet mal, wieviel Frauen dabei waren?

Eine.

Eine einzige.

Hat mich das überrascht? Nicht wirklich, denn dieser Querschnitt bildete eigentlich nur das ab, was ich bisher oft in der Szene erlebt hatte. Was ich aus vielen anderen Hobbies leider kannte.

Ich wäre gerne positiv überrascht worden – vielleicht ist auf Twitter ja alles anders, vielleicht lernt man Spielerinnen kennen, wenn man noch tiefer drin ist in der Szene? – aber früher oder später, stösst wohl jeder auf diesen Fakt in der Szene:

  • Wieso muss man nach Spielerinnen suchen wie nach seltenen Pokemon?
  • Wieso sind Spielerunden mit z.B. 2 Frauen oder sogar 3 selten anzutreffen?
  • Wieso gibt es so gut wie keine weiblichen Spieleleiterinnen?

Die einfachste Antwort, die sich die Szene geben kann ist:

„Doch doch, ich kenne da eine….die EINE da….“ – im Vergleich zu wieviel männlichen Spielern?

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Eine, vielleicht ein paar Spieleleiterinnen im Vergleich zu wieviel Spielern/Spieleleitern/pnp Streamern/pnp Redakteuren/pnp Bloggern die ihr Hobby dann auch öffentlich teilen und evtl sogar Geld damit verdienen? (Spoiler: „Sie wollen einfach für sich bleiben“ ist so eine ganz schwierige Annahme, man hat es viele Jahrhunderte über Frauen gesagt und ihnen somit gleichzeitig den Mut genommen) 2. Wieviel Leitung führen sie dann tatsächlich aus? Sind sie da, um als eine Art Androiden KI das Spiel so zu gestalten, dass die männlichen Spieler auf ihre Kosten kommen? (mehr dazu weiter unten)? 3. Wie oft werden sie unterbrochen & unnötig verbessert von einem Spieler, der ein System entweder nicht besser kennt und sich nur profilieren will, der Spieleleiterin nichts zutraut? Oder von einem Spieler, der in jeder Runde lieber Spieleleiter wäre, es aber nicht zugibt weil „sie ja auch Erfahrungen sammeln soll“, aber nicht fähig ist, sie ihre eigenen Erfahrungen dann machen zu lassen? Wer glaubt, das sind Einzelfälle, kann weiterhin die Augen vor solchen Problemen verschließen – oder sie öffnen, sein Privileg nutzen und aktiv an einer Lösung versuchen mitzuarbeiten.

Die Szene gibt sich auch oft die Antworten:

„Interessieren sich einfach nicht dafür.“ Man kann sich diese Antwort immer und immer wieder sagen, bis man sie so fest glaubt, dass man darüber nicht mehr nachdenken muss.

Man kann sagen „Also ICH würde mich freuen, wenn es mehr Spielerinnen geben würde, MEINE Spielrunde steht offen.“ – aber wieso klopft niemand an eurer Tür? Wieso melden sich so wenige?

Ich kann keine allumfassenden Antworten liefern.

Ich kann  nur Beobachtungen teilen, die ich gemacht habe.

Eine Beobachtung unter vielen, hat mit meinem Twitter Aufruf zu tun.

Ich ging die Nachrichten durch, klickte auf die Profile der User, scrollte ein bisschen durch ihren Feed. Ein Online-Profil repräsentiert einen Menschen zwar sicher nicht vollständig, aber die Basics scheinen ja doch durch – wie das eben so ist mit sozialen Medien.

Eines wurde schnell klar: Mein Hobby teilten viele. Aber es gab da etwas, was echt auffiel: Was ca. 95 (!) % der User gemeinsam hatten:

Sexismus.

Ich hatte nicht damit gerechnet, dachte beim Scrollen:

„Passt…passt…passt…..“ und dann plötzlich: „Oh!“

Entweder selbst geschriebene Tweets oder Retweets: Die Herablassung von Frauen fand kein Ende. Ich fand die übelsten Geschichten – ohne danach zu suchen. Ich wollte einfach nur kurz abchecken, ob das ein „normaler“ Mensch ist oder ein Bot – aber eindeutige Tweets kannst du halt nicht überlesen.

Nun könnte man sagen: „Naja, was hat die Szene damit zu tun? Das war ein User…vielleicht ein paar….es gibt auch andere.“

Ich stimme dem zu.

Frage mich aber trotzdem, warum viele pen and paper Spieler in ihren veröffentlichen Tweets/Videos/Blogeinträgen sich wundern, warum es so wenige weibliche Spielerinnen gibt, aber im Endeffekt genau dafür sorgen oder nichts dagegen machen (mehr dazu später).

Herablassung von Frauen, ob durch Sprache/Bilder usw., viele Tweets mit ganz offenem Sexismus. Ob das im Alltag war oder bezogen auf ein pen and paper, die Resultate waren erschreckend. Bestes Beispiel eines User, der mich angeschrieben hatte, war folgendes Alltagsbeispiel:

Er berichtete von einer Frau, die nach dem Weg gefragt hatte. Er wusste den Weg nicht. Weil sie sich nicht beim ihm bedankt hatte (vllt hat sie das, vllt war es nicht überschwänglich genug? – wir kennen nur seine Version…), beschimpfte er sie im öffentlichen Tweet als „so eine dre**** F****!“ (Ich möchte das hier nicht ausschreiben).

Solch eine niedere Hemmschwelle der Aggression ist in keinem Hobby gut, ob Sportverein oder irgendwo, wo man zusammen an etwas arbeitet oder sich Problemen stellen muss. Dazu kommt die Beschimpfung an sich (wer nicht weiß, warum das problematisch ist – bei google gibt es viele Artikel dazu).

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Ist es da nicht vorprogrammiert, als nächstes zur Zielscheibe zur werden?

Wie würde er wohl reagieren, wenn ich ihm sagen würde, das es nichts wird? Sicher erwachsen und professionell. Sicher würde er das…

  • Andere User die mir geschrieben hatten, bezeichneten in ihren Tweets Frauen als „Schla****“ und viele weiteren Dinge. Sie schrieben Tweets darüber, an was andere „dumme“ Frauen schuld seien (victim blaming etc.). Alles mit lachendem Smiley, alle so tief im Sexismus drin, dass es mir ganz anders wurde. Und: Solche Tweets sah ich auch bei Frauen. (Warum? Auch dafür gibt es viele Artikel: Why women sl** shame each other etc.)
  • Ich sah auch oft: „Frauen können einfach nicht XY.“ Mit solch einer Verallgemeinerung macht man sicher gaaaanz vielen Frauen Mut, selbst z.B. Spieleleiterin zu werden.

Von den Usern mit rassistischen oder homophonen Tweets will ich gar nicht erst anfangen. Auch sie hatten mir geschrieben, ganz nett von wegen „Hätte Lust pen an paper zu spielen“, während sie sich auf ihrem Feed über Homosexualität oder andere Orientierungen lustig machten. Frauen wie Männer.

Für mich sind solche Aussagen leider nichts Neues – neu ist nur, dass ich mir folgende Frage stellen muss:

Würde man gerne mit solchen Menschen seine Freizeit verbringen wollen?

Denn diese Menschen hatten mich gerade angeschrieben.

Ein pnp geht schonmal 5-6h. Und: Ein pnp ist kein „ich werfe jemanden den Ball zu und er wirft zurück und das machen wir 2h lang ohne ein Wort zu reden“. Ein pnp ist kein Uno oder Monopoly, was man einfach so vor sich hinspielt. Ein pnp lebt davon, Welten zu erschaffen und den Spielern Freiheit zu gewähren in ihren Aktionen. Ich muss wohl nicht erwähnen, dass ich auf eine sexistische, fiktive Welt keine Lust habe – das reicht mir im realen Leben.

Sicher, in einer Spielwelt gibt es das Böse, Krieg, Gewalt usw, es gibt sogar „böse Gesinnungen“ von Charakteren – all das soll nicht ausgeklammert werden. Es gibt in so einer Welt Kriminalität, Diskriminierung – die Frage ist nur, ob du als Spieler ein pen and paper ausnutzt um deine sexistischen, sadistischen und rechts eingestellten Ansichten zu propagieren und auszuleben, in Anwesenheit von weiteren Mitspieler/innen.

Meine Welt soll kein Spielplatz von sexistischer/rassistischer usw. Fantasie sein, ich möchte dafür nicht den Raum stellen und somit solche Einstellungen noch fördern.

Wer sich das nicht vorstellen kann, wer glaubt, dass das nur ein minimalier % Satz ist: Man muss nur die Kommentare unter Beiträgen lesen oder Foreneinträge: Viele Spieler machen kein Geheimnis daraus, dass pnp für sie ein Ort sind, ohne Hemmungen zu spielen und „brandschatzen zu gehen aber auch Frauen brandzuschatzen“ Wie gestaltet sich das dann eigentlich? Beschreibt der SL dann mit einem Lachen im Gesicht einen Missbrauch oder erzählt der Spieler selbst detailliert davon?

Benutzen Spieler pen and paper, um die moralischen Grenzen, die z.B. ein Computer/Playstation etc. Spiel vorgibt, aufzulösen?

Stellt euch mal eine Spielrunde vor:

  • 1 Spieler berichtet davon, wie er sich, Ramsay-Bolton-mäßig , alles nimmt, was er will
  • 1 Spieler denkt, er müsse sozusagen Fassbender in 12 years a slave verkörpern, „Mein Charakter ist eben gewalttätig, ich kann da nichts dafür….“
  • und der Spielleiter beschreibt dann ausführlich diese Taten oder lässt nebenbei noch den weiblichen Charakter der einzigen Spielerin entführen (sie muss würfeln, ob sie dem Missbrauch entgeht)

Unrealistisch? Keineswegs, wie gesagt in Foren findet man stolze Einträge solcher Runden.

Es finden sich auch Beiträge zu dieser Diskussion:

  • „Sollen Frauen rpg spielen oder nicht?“ als ob es einen Männerrat geben würde, der darüber bestimmen und entscheiden kann…..
  • „Stören euch Frauen in einem pen and paper?“ geführt von: Männern. Darunter wird leidenschaftlich diskutiert, welche Vor/Nachteile es gibt, Frauen auch mitspielen zu lassen. Häufig liest man: „Deren Charaktere können nun mal viele NPCs überzeugen, ihr wisst schon, die Waffen einer Frau…“

Da freut man sich doch immens, wenn man das als Spielerin liest. Man ist also qualitativ wertvoll für ein pen an paper, weil man mit dem Körper punkten kann. Ein richtiger Spaß also….nicht.

Auch die vermeintlichen Gegenstimmen, sind oft vom Sexismus geprägt, ohne es zu wissen:

Frauen in pen and paper? Das ist doch klasse! Gibt es schon mehr Liebesbeziehungen, Dreieckskonstellationen, usw!“

Ich habe mehrfach gelesen, dass der weibliche Charakter eines pnp dazu beiträgt, als love interest zu fungieren. Mit solch einer Einstellung wird man als Spielerin von Beginn an zu etwas degradiert, was man vielleicht gar nicht will.

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Ich spiele kein pen and paper, um die Fantasien von anderen Mitspielern/SL zu erfüllen und als eine Art Barbie Prinzessinnen Puppe im Waldläufer Krieger Kostüm schüchtern und doch kokett (je nach Vorliebe des männlichen Spielleiters) rein gar nichts zu machen, außer mich vielleicht retten zu lassen und dann wieder 3h in den Hintergrund zu treten, blass, still wartend, bis meine Hülle wieder gebraucht wird.

Das alles passiert aber, wenn man mit sexistischen Spielern spielt, die das offen ausleben oder denen das nicht bewusst ist:

„Die Szene hat kein Problem und wenn, dann bin es nicht ich!“

„Ich als Frau muss sagen, ich lese das zum 1x., habe bisher noch nichts dergleichen erlebt.“ (Gut. Erfahrungsberichte über das Gegenteil, gibt es leider trotzdem und das nicht wenig. Wer über den Tellerrand schaut, wird das schnell bemerken.)

„In meiner Runde sind die Frauen am schlimmsten!“ (Das Kollektiv „die Frauen“ ist problematisch, weil sie nicht für alle stehen können. Umgekehrt genauso. Außerdem kannst du dich fragen, warum sie so sehr versuchen, die sexistische/homophobe etc. Sprache der Runde zu imitieren und mit euch mitzulachen….)

„Mir ist es egal, mit wem ich spiele, ob Mann oder Frau (…solange die Frau mir nicht die Show stiehlt / solange die SL mir alle Aktionen gewährt und über meine homophonen und frauenfeindlichen Witze mitlacht, solange sie ein BrO ist und keine eigene Meinung vertritt!)“.

Mit wem sitze ich also dann nachher an einem Tisch – egal ob vor Ort oder online und spaziere durch die fiktive Welt? Was sind das für Leute? 

Es mag Spieler geben, denen das nicht wichtig ist. Die sagen: „Ach, ist doch nur ein Spiel….“ Man nennt es: Privileg.

Auch das Umfeld, mit dem man sich umgibt kann Antworten liefern.

Dazu kurz zu Twitter.

  • Fast alle User, die mich angeschrieben hatten, folgten tatsächlich 99% von ihren ca. 300 follows ausschließlich Männern. Die 1% waren dann die Freundin von den diesen Männern (meist Gaming Branche) die deswegen dann wohl interessant waren? Ich meine, gibt es wirklich nicht mehr Frauen die irgendwas wichtiges/witziges/unterhaltendes/nachdenkliches deiner Meinung nach zu sagen haben?

Kein Wunder bestanden viele Tweets der User aus einer Art Luftblase, in der Frauen die anders aussahen als japanische Anime Schulmädchen oder WoW Cosplayerinnen, sowieso nichts zu melden hatten. (Die Cosplayerinnen, die tatsächlich super Arbeit leisten und kreativ und talentiert sind wurden nicht dafür wertgeschätzt sondern schlichtweg auf ihren Körper reduziert, wie ich in den Tweets merkte).

Kein Wunder waren das die User, die sich über freizügige Twitch Streamerinnen entrüsteten – aber gleichzeitig nur Abziehbilder von Frauen folgten und Spielefirmen tweeteten, warum Lara Croft denn nun angezogener sei?

Kein Wunder folgten sie nur pnp runden, in denen Frauen Charaktere wählten, die den männlichen Helden nie in den Weg kamen.

Ihr denkt das seien nur die 14jährigen? Weit gefehlt. Ich rede von Erwachsenen.

Ist eine Online Spieler Suche also zwecklos? Oder habe ich nur am falschen Ort gesucht?

Mit jeder neuen Nachricht hoffte ich, dass das Klischee widerlegt werden würde. Dass ich einfach nur ganz normale, aufgeklärte Mitspieler/innen finden würde. Die Szene kann doch nicht komplett so sein, oder?

Nein. Ich kenne Spieler, die das Gegenteil von dem hier beschrieben sind.

Plus: 5% der User meiner Suche wirkten nicht sexistisch/homophob/rassistisch. Glaube ich? Ein soziales Profil ist ja nur ein Anhaltspunkt. Es gibt offenen und versteckten Sexismus und jeder der 13 reasons why gesehen hat, weiß das spätestens dann.

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Muss ich tatsächlich den „Außenstehenden“ recht geben? Stimmt das Klischee, wenn auch etwas anders als gedacht?

Denn: Es finden sich wirklich äußerst selten bis komplett gar nicht weibliche Spieleleiterinnen. Ich dachte, wenn ich mehr in der Szene drin bin, wird das besser. (Vielleicht kommt das noch – im Moment ist es nicht so.)

Es gibt vereinzelt eben Spielerinnen, manchmal eigenständig, manchmal aber komplett in die „Freundin vom Leitern-Rolle“ von außen gedrängt. Ich habe mir ein paar Streams angesehen, da ich dachte „Vielleicht fragst du mal, ob du mitmachen darfst?“ aber den Gedanken habe ich schnell verworfen.

Spielerinnen sind oft nur „Deko“ (gesehen bei YT usw.) oder eben gerade so legitimiert weil sie die Freundin sind. In Foren beklagen sich oft Spieler oft über diese Freundinnen (statt froh zu sein, dass ihre Runde diverser wird?). Die Anklage lautet: Sie würden die Runde zu „verweiblichen“, dafür sorgen, dass es weniger Gemetzel gibt. Was mich wieder zur Frage bringt: Wieso spielen manche eigentlich pnp? Wollen sie ihren eigenen SAW Spielplatz errichten?

Oder haben sie so Angst vor ihrer „unmännlichen“ Seite, dass sie sich selbst und anderen andauernd zeigen müssen:“ICH BIN EIN MANN, ICH BIN SO MÄNNLICH, SCHAUT HER, ICH HABE EINE WAFFE, ICH WILL KRIEG, ICH BIN SO STARK, ICH WEINE NIE!“ usw. (fragile masculinity).

Ob Freundin des Spielleiters oder Spielerin von außerhalb: Wenn Frauen mitspielen, heißt das noch lange nicht, dass sie als gleichwertige, kompetente Spieler anerkannt werden. Oft haben ihre Aussagen kein Gewicht in der Runde, man nimmt sie nur am Rand wahr. Sprechzeit? Und um was geht es, wenn sie sprechen (dürfen)?

Typische Rollen: Heilerin, Sängerin.

Typische, „weibliche“ Rollen die niemand was böses tun aka nicht dem männlichen Helden den Spotlight nehmen im Kampf.

Dazu soll gesagt sein: Eine Heilerin ist nicht weniger wert wie eine Kämpferin und jeder Charakter ist legitim. Manchen macht diese Rolle einfach Spaß, sie sind gerne Heilerin und führen dies selbstbestimmt aus. Aber niemand kann mir erzählen, dass er gerne pnp spielt, um die komplette Spielzeit, egal mit welchem Charakter, im Hintergrund zu bleiben.

Das ist ein Märchen was sich anscheinend durch die Szene getragen hat und so weit betrieben wurde, dass viele Spielerinnen wohl am Ende tatsächlich dachten, sie LIEBEN es, in der Tischrunde nicht mehr wert als ein NPC zu sein. Auch als Heilerin muss man die Möglichkeit vom SL bekommen, gleichwertig im Team seinen Spotlight zu bekommen. Ich spiele kein pnp um die Rolle einer Fee, ähnlich wie in ZELDA, zu übernehmen: Man geht hin, wenn man verletzt ist und das wars. Ein bloßes „Herzchenauffüllen“ –  dafür sitze ich nicht am Tisch. Auch nicht, um als eine Art Packesel von allen anderen benutzt zu werden (Bandagen, Heiltränke) – für mehr Traglast gibt es z.B. NPCs oder Magiesprüche – heilen, schleppen und dabei gut aussehen sollten nicht meine einzige Rolle in einem pnp sein!

Man könnte nun auch sagen, diese Rollen haben die Frauen selbst gewählt – sie hätten ja die Wahl gehabt, auch eine Kämpferin zu sein. Wäre nicht ich selbst z.B. auch eine Sängerin/Bardin (da das mein Hobby ist und ich mich identifizieren kann)?

Eine Erklärung hierfür sprengt sicher den Rahmen des Beitrags aber Fakt ist, wenn du dein Leben lang Filme/Serien/Games siehst, in denen Frauen diese Rollen verkörpert haben (Spieleleiter = männl. Drehbuchautor usw.) , ist es gar nicht so einfach, inne zu halten und sich zu fragen: „Warum eigentlich nicht mal was ganz anderes?“ Warum nicht mal heute Sängerin sein, aber bei der nächsten Charaktererschaffung dann mal eine Barbarin?

Dazu kommt, dass in Spielerunden tatsächlich manche Männer reinrufen „ICH BIN DEr KÄMPFEr das ist klar, das passt voll zu mir!!“, oder es stillschweigend in der Luft liegt, dass die Männer ganz sicher nicht die Charaktere spielen werden, die weniger Schaden machen (oft eben Heiler usw) durch Aussagen vor dem Spiel. Manche Spieler lassen der Frau den Vortritt aber suggerieren gleichzeitig, dass sie doch super zur Heilerin etc. passen würde.

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Als 3. Punkt kommen noch die Erwartungen dazu, die andere an einen haben: Man möchte z.B. in eine fremde Gruppe reinpassen, keine Diskussionen starten schon zu Beginn des Spieles. Niemanden den „Helden“ wegnehmen – „bescheiden und zurückhaltend“ ist eben noch ein gefestigtes weibliches Ideal in der Gesellschaft. Wenn die Spieler um dich rum und auch der Spielleiter dieses Ideal immer wieder auf ein Podest stellen (man kennt das ja aus den 30er Jahren….) – nur bei dir als Frau – wie sehr unbeeinflusst kann man dann so ein Spiel spielen?

Man wäre schon gerne mutig, aber nachher kann man nicht mit dem Schwert umgehen, oder weiß nicht genau wie das alles funktioniert mit dem Magie Spruch Level 5 wenn es brenzlig wird (dem Spielzug) und dann ist man an allem schuld und die anderen sagen „Ohje, nimmst mal lieber nächste Runde doch nen anderen Charakter.“ Das ist ja alles Fiktion – man muss nicht mit dem Schwert umgehen aber wie gesagt – diese Gedanken entstehen eindeutig durch Reaktionen des Umfelds, was einen nicht bestärkt sondern einen an den Rand drängt.

Als 4. Punkt denke ich, dass die Beigeisterung und Interesse allgemein fürs pen and paper Spielen geschlechterunspezifisch ist, kann aber eben erstmal bei Frauen verhalten wirken, weil:

  • Schon alleine die Aufmachung von solchen Spielen ist 0 interessant für eine Frau. Schaut euch mal die Cover an. Männer die gegen Drachen usw. kämpfen. Wow, schön. Aussicht auf ein Spiel, indem es wieder nur um männliche Helden geht.
  • Auch wenn der Gegenüber einem sagt „Das ist so ein Spiel, da kannst du auch eine KämpferIN sein!“ – wir haben keine Lust darauf, in einem Spiel das zu erleben, was wir auch im echten Leben erleben: Sexualisierung auf Schritt und Tritt, womöglich ständige Anmachen von NPCs oder sogar Mitspielern unter dem Deckmantel „Ist doch nur fiktiv“ und dazu das Gefühl, eigentlich nur irgendein Nebencharakter zu sein. Man ist zwar KämpferIN aber nur in der Welt, um anderen Spielern den Spotlight zu geben (Monster entführen mich dank SL, Spieler retten mich) Ist es dann noch irgendwie notwendig, dass ich vor Ort bin oder soll ich nur eine lebende Schablone sein?

Trauriges Fazit: Frauen werden oft nur dann akzeptiert, wenn sie sich wie bereits erwähnt im Hintergrund halten, als love interest zur Verfügung stehen oder Bro Qualitäten an den Tag legen (ebenfalls sexistisch sein oder mit der Kettensäge/Berserkerschwert durchs pnp rennen und alles niedermetzeln….“total krank ey“ sein aber plot twist: gleichzeitig „total hot“).

Es gibt zum Glück Ausnahmen und die Ausnahmen wissen hoffentlich, dass sie nicht gemeint sind. Wegen diesen Ausnahmen bin ich zum rpg Spielen ermutigt worden. (Bevor du aber denkst „Ja, sie meint mich!“ …bist du dir da sicher? Die Personen, die mich dazu motiviert haben, wissen das genau und von mir.)

Haben mich einfach nur viele der „falschen“ Leute angeschrieben?  

Wenn man so eine Erfahrung macht wie ich, wie sehr will man da noch dabei bleiben? Zum Glück liebe ich pnp ziemlich und weiß, dass es schon auch andere Menschen gibt in dieser Szene, dass ein Hobby per se nichts für den Ausführenden kann.

Mit meiner Suche hatte ich aber leider das gesehen, was mir langsam aber stetig immer mehr aufgefallen war, nicht nur auf Twitter, auch auf Facebook, YouTube usw. ja auch in Communities – obwohl ich die Szene gerne verteidigt hätte, gerne erzählt hätte „Du, das ist ganz anders.“: Es ist mindestens genauso schwierig irgendwie in diesem Hobby Fuß zu fassen und Ernst genommen zu werden, als in der männerdominierten Musik.

Man kann nun die Frage stellen, warum mich überhaupt dann so viele angeschrieben haben, wenn ich ja dann am Ende sogar Spieleleiterin bin. Zeigen die Spieler nicht damit, dass sie mich in meiner Funktion akzeptieren und schätzen? Zeigen sie damit nicht, dass es ihnen schlichtweg egal ist, ob da eine Frau oder ein Mann das Spiel leitet. Ja, richtig dem stimme ich zu. Das Problem liegt aber wo anders:

Ich bin Spieleleiterin und soll z.B. laut Dungeon World „Fan der Charaktere“ sein. Das ist nicht schwer eigentlich, wird aber dann problematisch, wenn Spieler Aktionen durchführen, die sexistisch/rassistisch usw. sind, aber die sie nie so nennen würden. „Ich? Ein Sexist? Niemals!“ und von mir erwarten, dass ich das nicht hinterfrage. Man kann sich nur mal kurz vorstellen, wie es wohl sein muss, wenn man in einer Online Runde mit fremden Personen so ein Spiel spielt, einen netten Abend hat, alles super läuft und dann die Spieler anfangen, Sprüche rauszuhauen oder solche Aktionen durchzuführen. Man kann sich mal vorstellen, wie entrüstet sicher einige wären, wenn man sie darauf hinweist. Und wie man am Ende dann dasteht: Als Spielverderberin.

Sowas werden alle kennen, die jemanden schonmal auf sein Diskriminierungsverhalten angesprochen haben (wer das nicht kennt: lest Erfahrungsberichte, glaubt Menschen und nehmt sie ernst).  Ich spiele auch kein pnp um eine Schulstunde abzuhalten – trotzdem musste ich explizit unter meinen Twitter Aufruf nochmals schreiben, was ich nicht möchte – dabei sollte das doch eigentlich klar sein. Warum muss ich extra dazu schreiben, dass ich keinen Sexismus will – warum ist das nicht die Regel? Warum bekam ich nach diesem Tweet keine einzige Anfrage mehr? – Spielverderberin.

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Ist meine Erfahrung also etwas, was nur einmalig und zufällig vorkommt – oder ist das vielleicht ein Grund, warum es so wenig weibliche Spielerinnen gibt? Ich kenne das Phänomen ja zu gut von der Musikbranche („alles technische sollen lieber Männer ausführen“) und ja…auch noch in so vielen anderen Bereichen.

Ist es im Moment überhaupt möglich für mich, das Hobby tatsächlich auszuführen mit neuen Leuten, ohne sowas wie die eigene Würde und Einstellungen komplett über Bord zu werfen?

Ist ein pen and paper vielleicht doch nur und ausschließlich was für Freunde, deren Einstellung man kennt und die mit den eigenen übereinstimmen?

Wie machen das andere weibliche SL oder Spielerinnen?

Wie fühlen sich Betroffene, wenn sie dann vor Ort oder auf einer Con mit einem sexistischen/homophoben/rassistischen SL oder Spieler in einer Runde sitzen?

Hat die pen and paper Szene ein Problem, das niemand anspricht? Sieht sie das Problem?

Oder sind das alles Einzelpersonen die zufällig alle dasselbe Hobby haben?

Die Antwort kann ich nicht geben, ich kann nur Erfahrungen teilen.

Ich stehe im Moment sozusagen mit einem Fuß draußen und mit einem drinnen, kann nur Beobachtungen beschreiben.

Es wäre eine Chance, diese Beobachtungen ernst zu nehmen.

Ich glaube, es wäre eine Chance innen zu halten und sich selbst ein paar Fragen zu stellen.

Vielleicht tun die Antworten weh, vielleicht bist du selbst einer dieser Spieler. Wenn ja, brauchst du dich nach diesem Artikel nicht mehr zu wundern, warum es so wenigen Spielerinnen gibt.

Man könnte nun sagen….“War nur 1 Beispiel…sieht ganz anders aus in echt.“

Dieser Beitrag kann gar nicht repräsentativ für alle stehen. Weder für die eine noch die andere Seite. Das will und soll er auch nicht.

Meine Intention ist nicht, alle und alles über einen Kamm zu scheren. Wer aufmerksam liest, hat das sicher schon begriffen.

Ich stelle einfach nur Fragen und spreche sie mit diesem Beitrag laut aus. Ich bleibe nicht stehen bei der Antwort „Ist halt so.“ Stillstand und Schweigen bringen dieser Szene nicht weiter meiner Meinung nach. Ich liebe pnp und ich liebe es zu spielen, wie ihr. Ich würde mir wünschen, dass sie Szene einfach kritischer mit sich selbst umgeht.

Manchmal braucht es eine neutrale, „neue“ Person die das Spielfeld betritt und der einfach Dinge sofort auffallen. Man muss für diesen Beitrag nicht lange recherchieren, sondern sich einfach etwas in dieser Szene aufhalten und selbst Erfahrungen sammeln.

Die können nicht für ALLE stehen und sollen sie auch nicht.

Passiert sind sie trotzdem.

Dieser Beitrag kann also nicht:

  • für alle stehen
  • alles beantworten
  • 08/15 Lösungen bieten
  • Absolution erteilen (ihr müsst schon selbst euren Privilegien abchecken)
  • alle Themen die damit verbunden sind, aufgreifen

Dieser Beitrag will:

  • meine Erfahrung zeigen
  • Themen laut ansprechen, die mir schon gleich als Neuling begegnet sind
  • Fragen aufwerfen
  • mögliche Erklärungen/Ursachen in den Raum stellen, denen jede/r selbst nachgehen kann und soll
  • Spieler/innen und Spielleiter/innen ermutigen, sich selbst und das Handeln kritisch zu hinterfragen, sodass die Szene vielfältiger wird.

Ich freue mich über Austausch – bitte seht aber von Rechtfertigungsversuchen „Ich bin nicht so, weil…“ ab. Das wichtigste ist, dass ihr euch, im Stillen fragt: Was trifft davon zu? Kenne ich das aus anderen sessions? Wo drücke ich ein Auge zu, wo ich es nicht sollte? Was könnte jemanden davon abhalten, in unsere Runde miteinzusteigen? Was kann ich dafür tun, dass die Szene offener wird?

Auch: Lade ich nur Leute in meine Spielrunde/meinen Podcast/als Gastautor ein, die nicht betroffen sind/nicht über den Tellerrand schauen/keine neue Perspektive bieten? Wie divers sind die Themen, über die ich selbst berichte und wann muss ich mich zurücknehmen und besser jm. Betroffenen, noch besser viele Betroffene, sprechen lassen? Es reicht nicht, die Plattform zu bieten, besser ist es, sich folgendes zusätzlich zu fragen: Wird das ein Gastbeitrag wie jeder andere oder lerne ich was aus den Worten des Anderen, nehme ich was für mich selbst mit und setze ich es um?

Denn das schwierigste aber effektivste ist, sich selbst zu reflektieren, ohne zu sagen „Ich bin doch nicht so!“ 

Wenn ich auch nur erreicht habe, dass sich eine einzige Person fragt, was sie tun kann um die pen and paper Szene diverser zu machen  – dann war es dieser Beitrag schon wert.

Egal wie lange du schon pen and paper spielst – du kannst etwas Positives bewirken, indem du Beiträge wie diesen ernst nimmst – nutze die Chance!

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Durch mein neues Hobby wird mir mal wieder eines klar: Ich muss mir mein eigenes Ding erschaffen – um mich entfalten und verwirklichen zu können. Vorgegebene Wege kann und will ich nicht mehr gehen.

Vielleicht ist dieser Beitrag der Beginn davon.

 


Update 23.07.2017, 12:52

BITTE LEST das hier bevor ihr diesen Beitrag schließt. Meine Reaktion auf all das, was in den letzten Stunden abging. Danke euch! :)


 

Hinweis: Für diesen Artikel gilt, wie bei allen anderen Beiträgen auf meinem Blog, das Urheberrecht (z.B. § 12-17 UrhG, sowie § 63-63 UrhG).

Wenn du Gedanken und Zitate übernehmen willst, bitte erwähne diesen Blog bzw. Beitrag + stelle klar, von wem welche Aussage stammt. Dieser Essay hat viele Stunden Bearbeitung in Anspruch genommen, bitte bleib fair und gebe nicht meine Gedanken, Ideen und Antwortversuche zu diesem Thema als deine aus :) Danke!

Foto: eigen


 

 

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62 Gedanken zu „Hat die pen and paper Szene ein Problem?

  1. Wirklich ein sehr interessanter (und an manchen Stellen auch erschreckender) Beitrag, denn du hier veröffentlicht hast. Ich selber habe bereits 3 kleine P&P-Runden als Spielleiterin geleitet, aber nur im trauten Heim und mit Freunden/Freundinnen, die ich selber dazu angehauen hatte.
    Deine Erfahrung über den Twitteraufruf zu lesen war deshalb ziemlich überraschend für mich. Ich war immer davon ausgegangen, dass Pen und Paper-Runden super dazu sind um Leute toleranter und Weltoffener zu machen, gerade weil man theoretisch jede Rolle spielen kann und sich so in andere Menschen hinein denken muss, aber anscheinend kommt es dabei stark auf den/die Spielleiter/in an.
    Zum Twitteraufruf: Ich hatte tatsächlich länger überlegt ob ich mich nicht melden sollte, gerade weil ich es so ‚erfrischend‘ fand mal online eine andere Spielleiterin zu finden.
    Schlussendlich finde ich das online spielen bisher nur zu unpersönlich. Wie du in deinem Post auch geschrieben hast, kann man sich nie sicher sein, mit wem man die nächsten 4 Stunden verbringen wird und zudem gibt es zu Hause, am Küchentisch mit Freunden, nochmal eine völlig andere Atmosphäre. Vielleicht sehen dass ja anderen Frauen auch wie ich, wobei ich hier natürlich nur spekulieren kann.
    Auf jeden Fall bin ich froh über den Aufruf deinen Block gefunden zu haben.

    LG
    Aurora

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Aurora, erstmal freue ich mich total, dass du auf meinem Blog gelandet bist und dir den Artikel durchgelesen hast, denn: dein Beitrag ist immens wichtig in dieser Diskussion!

      Ich finde es sehr spannend zu lesen, wie du als Spieleleiterin mit diesen Themen umgehst und dass es uns beiden da ähnlich geht: Interesse würde bestehen an so einer online session, aber der Preis an solche Mitspieler zu geraten ist dann vielleicht doch zu hoch (es reicht ja schon 1…). Dazu kommt natürlich, dass die Atmosphäre ala Küche mit Freunden daheim schwer zu imitieren ist, wie du schon erwähnt hast – es ist einfach nicht dasselbe oder eben eine riesige Herausforderung.

      Ich glaube auch, dass es Spieler/innen gibt, die wie du schreibst, ein pnp super dafür nutzen können, Kompetenzen auszubauen und eine offenere Weltanschauung präsentieren oder diese zu bekommen. Letztendlich muss die ganze Runde ähnliche Einstellungen haben zu genannten Themen, damit nicht die Mitspieler den SL/die SL ausnutzen und umgekehrt. Man müsste ja meinen, zumindest die Grundeinstellungen wie „Gegen Diskriminierung“ finden sich bei allen wieder – dem ist leider nicht so.

      Ich kenne aber nun schonmal eine Spieleleiterin mehr in dieser Szene, die meine Einstellung teilt und das ist eine hohe Motivation für mich!

      Vielleicht schaffen wir es in der fernen Zukunft doch mal, so eine Runde zu starten, als Experiment. Das würde mich doch ziemlich interessieren. Eine aufgeklärte Runde mit gleichen Erwartungen und Vorstellungen, in der man sich wohl fühlt und keine Angst vor sowas haben muss :) .

      Vielen lieben Dank erstmal für das Teilen deiner Erfahrung, deine Stimme findet Raum, du wirst hier gehört und gibst der Szene ein weiteres Gesicht, Danke!

      LG Anna

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  2. Vielen vielen Dank für diesen Beitrag.

    Ich bin Spielerin seit 15 Jahren mit meinen engsten Freunden. Es ist eine sehr geschützte Runde und ich würde niemals einen von ihnen tauschen wollen, und trotzdem, und trotz dass wir die besten Freunde sind, ist Sexismus ein Thema bei uns. Nicht in dieser extremen Form die du beschreibst, natürlich nicht, denn wir sind Freunde, aber eben in vielen subtilen Teilen.
    Danke für diesen wertvollen Beitrag.

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    1. Vielen Dank für das Teilen deiner Erfahrung. Es ist wie du schreibst: Sexismus kann auch sehr subtil passieren. Gerade in einer Runde mit Freunden ist es manchmal vielleicht sogar noch schwieriger: Man denkt sich „Ach, ich weiß, dass XY es nicht so meint.“ Trotzdem bleibt da dieses ungute Gefühl und die innere Gewissheit, dass es doch gar nicht sein muss. Ich hoffe, dass du den Mut findest, diese Themen offen anzusprechen und dir zugehört wird. Es sollte im Interesse aller sein, dass auch du dich komplett wohl fühlst. Gerne kannst du dich wieder melden und über deine weiteren Erfahrungen damit berichten. Ganz viel Grüße, Anna <3

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      1. Grade bei und mit Freunden ist es schwierig.

        Grundsätzlich geht es immer darum, dass einem Kompetenzen aberkannt werden, oder garnicht zugestanden werden. Ich habe laaaaaange darüber nachgedacht woher das kommt, oder andersherum „womit lade ich Menschen dazu ein, mir diese Kompetenzen (Regelwissen, Hintergrundinformationen usw) abzuerkennen?“ und die letzte Antwort blieb: weil ich eine Frau bin.

        Wir haben viele Systeme gespielt und ich würde keinen meiner Mitspieler tauschen wollen… obwohl 🤔 nein, quatsch.

        Ein bestes Beispiel, wie subtil das schon von statten gehen kann:

        Wir haben das Star Wars RPG gespielt, und Raumschiffe usw sind jetzt nicht so ganz mein Thema, Star Wars auch nicht. Aber wir haben schon so abgefahrene Sachen gespielt, dass man sich ja grundsätzlich auf neue Runden vorbereiten muss, und meiner Meinung nach auch sollte. Ich hab eine Twilek gespielt und mich intensiv im Vorfeld mit Kultur, Rasse und Welt auseinander gesetzt, gerade weil ich mich da sonst so nicht für interessiert habe. Im Spiel kam es dann zu einer Situation, in der ich (laut Kulturregeln) völlig „richtig“ reagiert und gehandelt habe, und währenddessen von meinen Mitspielern belächelt wurde und nach der Situation sogar belehrt (!!!)

        Und meiner Meinung nach, fängt an dieser Stelle Sexismus schon an. Ich war für jede Runde immer top vorbereitet und kannte die Regeln, meinen Char usw. weil Rollenspiel eben mein Hobby ist, was ich genauso ernsthaft betreibe wie man Hobbys eben betreibt und trotzdem wird mir nach 15 Jahren gemeinsamen Spielens noch die Kompetenz abgesprochen, es gibt für mich keine andere Erklärung als die, dass ich eine Frau bin.

        Würde man das thematisieren, dann würde das jeder abstreiten.

        Meine Meinung gilt einfach weniger. Wenn ich sage, dass mir ein System keinen Spaß macht, oder ich etwas anderes spielen möchte, heißt es:

        Du wieder mit deinem Temperament?!

        Oder, auch ganz beliebt:

        Man muss sich auch mal zu was zwingen!

        Sagt ein anderer Spieler die gleichen Worte, hat die Meinung viel mehr Gewicht.

        Sexismus muss nicht immer im Großen stattfinden, es findet sogar noch fieser im Subtilen statt.

        Ich habe deinen Beitrag bei uns in der Gruppe geteilt, ich bin gespannt ob man es dadurch thematisieren kann, aber ich bin mir leider fast sicher, dass kaum einer ihn gelesen hat. In diesem Rahmen ist es sogar beinahe ok, wir sind Freunde und es ist genau so: die meinen es nicht so, es ist ihnen nicht einmal klar, und ich mag sie eben trotzdem ;)

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      2. Hallo liebe Schreiberin, ich danke dir erstmal von Herzen für das Teilen deiner Erfahrung. Genau so ein Bericht trägt dazu bei, dass Menschen um uns herum hoffentlich aufmerksam werden, was sie da eigentlich tun.

        Es muss sehr ärgerlich und verletzend sein, wenn man sogar von seinen Freunden nicht als gleichwertiges Mitglied anerkannt und einem die Kompetenz abgesprochen wird.

        So ging es mir auch in dieser Szene, als ich den Beitrag teilte und bis jetzt lese ich noch Beiträge auf FB, die mir meine Kompetenz aberkennen wollen, überhaupt über dieses Thema berichten zu können. Gründe um jemanden „in seine Ecke“ zu verweisen finden sich ja immer.

        Aber da hilft nur immer und immer wieder seine Erfahrungen zu teilen und darüber zu berichten. So finden Betroffene zusammen, wie in unserem Fall :).

        Mein Artikel kann ignoriert werden, aber seitdem haben so viele Menschen ihre Erfahrungen geteilt, es kommt ein Punkt, an dem man die Masse dieser Erfahrungen nicht mehr ignorieren kann.

        Du leistet einen großen Beitrag dazu und ich kann einfach nur Danke sagen. Danke, dass du dich entschieden hast, das alles hier zu veröffentlichen. Vielleicht wurde dir bisher nie zugehört, vielleicht wurdest du nie ernst genommen. Hier wirst du es immer werden. Mit den besten Grüßen, Anna :)

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  3. Ich wollte im ersten Moment genau den Satz schreiben, den Du hier nicht haben wolltest: „Ich bin aber nicht so“. Zum Glück habe ich weitergelesen und habe mich an einer Stelle dann doch ertappt gefühlt.

    In einer meiner pnp-Runden (Pathfinder) habe ich zwei Spielerinnen – eine ist eine Bardin, die andere die Priesterin/Heilerin. Gut, die Bardin sagt von sich selber, dass sie gerne das Gesicht der Gruppe spielt, weil ihr Kommunikation liegt. Die Priesterin hat sich einen Glauben gesucht, der deutlich sexuell konnotiert ist (das war ihre eigene Wahl, aber trotzdem. Wenn es Dich interessiert, hier die Beschreibung: https://pathfinderwiki.com/wiki/Calistria). Ich dachte, ich hätte der Gruppe die freie Wahl gelassen, was sie spielen wollen, aber vielleicht sind wir alle dabei unseren eigenen Stereotypen in der Rollenwahl, wie Du sie beschreibst, erlegen. Vielleicht sind diese Stereotypen so tief verankert, dass wir sie nicht mal mehr bemerken. Der Rest der Runde sind Männer, die Kämpfer bzw. Zauberer, also offensive Charaktere, spielen. (Paizo, die Pathfinder machen, haben das Problem auch erkannt und versuchen mit ihren „iconics“ zumindest teilweise gegenzusteuern. Die ersten dieser typischen Charaktere sind noch voll das Klischee, aber später haben sie das abgewandelt. Der Paladin ist ja der Stereotyp eines „edlen Ritters“ in dem System. Der iconic Paladin ist eine Frau mit dunkler Hautfarbe. Und paizo als Unternehmen ist da, denke ich, anders, da sie ganz offensiv nicht-binäre Personen in ihrem Personal supporten. Aber das wäre ja alles nicht nötig, wenn es das Problem nicht gäbe.)

    Ich weiß es ehrlich gesagt nicht, aber wenn ich so drüber nachdenke, kommt es relativ oft vor, dass bei der Rollenwahl die von Dir beschriebenen Geschlechterklischees eingehalten werden. Ich bin in der privilegierten Situation, dass ich fast immer Frauen in meinen Runden habe, was auch daran liegt, dass meine Frau auch spielt (sie ist z.B. die o.g. Bardin). In der Rollenwahl scheint es dann allerdings oft so zu sein, dass die Männer die „Helden“ geben und die Frauen den „supporting cast“, unabhängig vom System. (Diese Klischees und Stereotypen werden ja auch tagtäglich allenthalben reproduziert und damit immer wieder bestärkt.)

    Frauen sind generell in der Unterzahl, und vom Verhalten der Männer sicher oft abgestoßen (ich will mich da gar nicht ausnehmen, auch wenn ich hoffe, nicht so schlimm zu sein). Das ganze geht noch extremer:
    https://aspiringhalfling.com/2018/02/20/honey-let-the-real-gamers-play/ Bei dem Erfahrungsbericht habe ich ungläubig mit dem Kopf geschüttelt und gedacht, das kann doch nicht wahr sein. Doch, kann es offensichtlich. Ich dachte immer, die Szene in Deutschland sei weniger schlimm, aber nach Deinem Erfahrungsbericht bin ich mir da nicht mehr so sicher.

    Ja, die Szene hat ein Problem. Ob ich Teil des Problems bin, kann ich im Moment nicht sagen, auch ich habe natürlich Stereotypen im Kopf, die mich beeinflussen. Dein Blogbeitrag bringt mich dazu, darüber nachzudenken. Danke dafür.

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    1. Stefan, es war sehr spannend deine Gedanken zu lesen und wie das in deiner Runde läuft. Man merkt, dass du dir selbst nun viele Fragen stellst und das finde ich so unglaublich wichtig. Ich habe auch deinen geteilten Erfahrungsbericht der Spielerin gelesen (Danke dafür!), ganz schlimm, erschreckend und ehrlich gesagt genau das, wovor ich selbst bei einer Con Angst hätte. Nicht nur, dass man auf solche SL trifft, sondern was das alles schlimmer macht: Die Akzeptanz der ganzen Runde von diesem Verhalten, alleine dazustehen. Niemand, der sagt „Hey, wieso übergehst du sie so?“ usw. Auch deine Überlegungen zu „supporting cast“ fand ich super und zeigt, dass man tatsächlich vieles optimieren kann für die Zukunft. Dass du über all das nachdenkst und motiviert bist – das kann der Szene nur gut tun. Mit diesem Bewusstsein hast du nun vllt die Chance, auch andere auf ihr Fehlverhalten aufmerksam zu machen, ich danke dir, dass du dieses Thema ernst nimmst. Die besten Grüße, Anna :)

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      1. Hab hier gerade noch einen Artikel gefunden, den ich interessant fand.
        https://www.themarysue.com/dnd-toxicity-for-women-online/

        Mir fällt spontan ein, dass Frauenfußball ja bis heute ein Akzeptanzproblem hat (und zeitweilig sogar verboten war), aber die Damen sind drangeblieben und es bessert sich allmählich. Ähnlich kann das auch im Hobbybereich funktionieren, und wird in dem Artikel auch vergleichbar beschrieben. Das ist extrem mühsam und führt sicherlich dazu, dass einige aufgeben, weil sie es nicht mehr aushalten. Aber ich fürchte, einen anderen Weg, als hartnäckig dranzubleiben und immer wieder gegenzuhalten, wird es nicht geben.

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  4. Ein toller Artikel, der mich aber leider extrem traurig stimmt. Der leider auch meinen persönlichen Eindruck verstärkt, dass es eben nicht nur Ausnahmen sind, sondern eigentlich die breite Masse ausmacht. Und er bekräftigt mich, jede Gruppensuche online (ob als Spieler oder SL) mit einem Code of Conduct zu beginnen. Schade, auch ich hätte mir von dieser Community mehr erhofft, als die stereotypische Realisierung von Boris Vallejo-Illustrationen.

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    1. Lieber Oliver, vielen Dank! Ich musste gerade erstmal googeln, was das für Illustrationen sind und obwohl dieses Thema furchtbar und schlimm ist – musste ich erstmal Schmunzeln. Dem war mir heute ja nicht so zu mute, deshalb: Danke :)! Das Wort, welches es wohl am besten trifft für die Zeichnungen ist: Gründgütiger??? Leider habe ich heute gesehen, dass viele noch genau da hängen geblieben sind bzw. sich diese Zeit wieder herbeisehnen.
      Das mit dem Code of Conduct habe ich mir auch überlegt, finde es ebenso traurig wie du, dass das überhaupt nötig ist. Trotzdem wenigstens eine kleine Form von Kontrolle zu Beginn, um zu sehen, ob jeder die gleiche Einstellung hat. Herausforderung, wie man darin jede Situation abhandeln kann und jede Form von Sexismus/Homophobie usw. denn die subtilen Formen sind wahrscheinlich weit verbreitet. Werde mir aber so einen Code zusammenschreiben, wenn ich tatsächlich online nochmal suche, durch den Beitrag habe ich aber zum Glück schon Spieler/innen getroffen, bei denen man sowas gar nicht mehr bräuchte, das macht Mut :) Liebe Grüße, Anna

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  5. Liebe Anna,

    sehr bedauerlich, dass du derartige Erfahrungen gemacht hast und nun eine solche Sicht auf die Szene entwickelt hast.
    Ich kann natürlich auch nur für mich sprechen, aber weibliche Mitspieler sind in meinem Freundeskreis und meinen Runden keine Seltenheit.
    Insgesamt spielen 11 Mädels aus meinem Umfeld aktiv Rollenspiel, 6 davon regelmäßig in meinen Runden. Nur eine ist dabei in jeder der 3 Runden dabei (meine Frau), sie leitet auch eine der 3 Runden.
    Insgesamt sind bei uns 2/5, 3/6 und 2/6 Spieler weiblich.
    Sie spielen dabei stets kompetente Charakter (Magier, Hexe, Scions von Bastet und, Artemis, Pilotin, vulkanischer Sicherheitschef, klingonischer Krieger) und tragen mindestens genauso viel zum Abenteuer bei , wie die männlichen Mitspieler (meist eher mehr – sorry Jungs).
    Klar, dass sind nur meine Erfahrungen, aber ich will damit verdeutlichen, dass es eben auch anders laufen kann.
    Auf unserer Rollenspiel Convention, die übrigens dieses Wochenende stattfindet sind meist auch ca. 30-50% weibliche Gäste.
    Man darf sich von den Idioten eben nicht abschrecken lassen. Nur weil sie am lautesten und auffälligsten sein mögen, stellen sie nicht zwangsläufig die Mehrheit der Szene dar, auch wenn es so wirken mag.

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    1. Hallo Markus, ich freue mich, dass es bei euch ganz anders abläuft. Manchmal geht es dann nur noch ums Optimieren, sozusagen darum sicherzustellen, dass wirklich alle sich 100%ig wohl fühlen. Ich glaube, dass es nur positiv sein kann, wenn man einfach mal zuhört, vielleicht ist alles okay, vielleicht gibt es aber tatsächlich ein paar Punkte, die bisher nie angesprochen wurden. So oder so eine Chance, sich ab und an mal Feedback von den Mitspieler/innen abzuholen, vor allem was diese Thematik angeht. Und ich bin froh, dass es diese reflektierenden Leute in der Szene gibt, bzw. manche nun damit anfangen :)

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    1. Ja, das stimmt. Was ich denke ist, dass man auch nicht an allen Fronten dabei sein kann (metaphorisch gemeint, nicht rpg ;) ) aber zumindest bei seinem eigenen Hobby anfangen kann. Fragen stellen, zuhören, Dinge ggf. ändern. So kann man auch als kleine Gruppe viel bewirken. Wie Dominosteine :)

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  6. Ob die Pen&Paper-Szene ein Problem hat, kann ich nicht sagen. Es klingt so, aber ich bin eben nicht wirklich in der (Online-)Szene, sondern nur in meiner eigenen Gruppe drin und die besteht aus denselben Personen, mit denen ich z.B. auch in Urlaub fahre.

    Ich würde also – wenig hilfreich, ich weiß – sagen, dass bei uns alles in Ordnung ist. Fast jeder von uns spielt nicht nur, sondern meistert auch (wenigstens mal für ein Abenteuer). Und unser Regel-Nazi nervt jeden beim Spielleiten, egal ob männlich oder weiblich.

    Was ich allerdings auch kenne, ist das „Freundin von…“-Problem, denn die meisten Mitspielerinnen sind als Teil eines Pärchens dabei und ich frage mich manchmal, ob sie noch kommen würden, wenn ihr Partner plötzlich die Lust am Hobby verlieren würde.

    Auch das mit dem Heilen kommt mir irgendwie bekannt vor – eine Mitspielerin hat sich vor einer Weile beschwert, dass sie immer ihre Astralkraft zum Heilen sparen muss, obwohl sie eigentlich eine Kampfmagierin spielt. Aber wir haben darüber geredet und seitdem wird mehr Geld in Heiltränke investiert, damit die Kampfmagierin auch wirklich badass sein kann.

    Lösungsansätze für eine ganze Community habe ich nicht, aber ich denke, es wird immer Leute geben, mit denen man definitiv nicht spielen will und die wird man auch nicht ändern können. Man sollte mit den Leuten spielen, mit denen man auch sonst gern seine Zeit verbringen würde, aber die muss man leider erstmal finden und das ist nicht so einfach.

    Viel Glück bei der Suche!

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    1. Hallo Chembael, Danke für deinen Bericht, ich finde es sehr gut, dass ihr eurer Mitspielerin zugehört habt und auf ihre Bedürfnisse, die sie schon vorher klar formuliert hat, eingegangen seid. Genau so muss man es machen :)! Ansonsten könntest du z.B. einfach mal nachfragen, wie sich die Spielerinnen fühlen bisher und ob es Verbesserungsvorschläge gibt. Schaden kann das ja nicht! Im besten Fall wird dein Gefühl bestätigt werden. Sicher hast du recht, dass man nicht alle Leute ändern kann, es reicht aber schon, wenn Leute am Tisch füreinander einstehen, wenn so etwas vorkommt und der Spieler/Spielleiter, der so etwas macht, keine Chance mehr hat, weiterhin so zu agieren. Die besten Grüße, Anna :)

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  7. Ich denke nicht, dass die Szene ein „Problem“ hat. Es gibt wenig Spielerinnen, das stimmt, aber das ist wohl eher das Resultat des freien willens.
    Niemand hält Frauen davon ab, die Regelbücher zu kaufen und loszulegen. Ich selbst spiele erst seit kurzem, habe aber das Glück mehr als genug willige Spieler und Spielerinnen in meinem direkten Umfeld gefunden zu haben.

    Warum ich nicht denke, dass die Szene an und für sich ein Problem hat, ist folgender:
    Ich spiele in 3 Runden. Damit habe ich keine Zeit mehr für andere. Wenn jemand das Hobby ausübt, und noch Zeit für mehr Gruppen hat, aber auf Anzeigen im Internet zurückgreifen muss, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass der oder die jenige, einen Charakterzug hat, den manch andere nicht am Tisch haben wollen.

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    1. Hallo Egon, du hast recht, niemand verweigert uns den Kauf eines Buches. Sieh es aber mal so: Man muss ja erstmal erfahren, dass es das Hobby gibt. Passiert das nicht Online, dann vor Ort. Erfährt man als Neuling das, was nicht nur ich, sondern viele andere beschreiben, dann bleibt man eventuell diesem Hobby fern, bevor man überhaupt richtig eingestiegen ist. Wieso soll ich mir ein Buch kaufen, wenn die Aussicht auf Spaß sowie Identifikation, Diversität und Repräsentation gleich 0 ist?
      Trotzdem haben es Spielerinnen gemacht und haben nun ihre eigene Runde. Aber man muss das Hobby schon von Beginn an extremst lieben, um da überhaupt noch dabei bleiben zu wollen. Zum Glück war das bei mir so, das Buch und die Regeln waren dann nicht das Problem, sondern dass ich ein pnp ja nicht mit mir selbst spielen kann. Es ging mir eher um die Spielersuche. Wir haben sicher einen ganz unterschiedlichen background zu pnp, ich habe z.B. kein Umfeld hier, was das spielt, außer meine Freunde, denen ich davon erzählt habe. Aber wir spielen nicht jedesmal pnp, deshalb Online Suche, um noch mehr zu lernen und das Hobby ausüben zu können. Vielleicht gibt es nun mehr Spieler/innen, die auch online auf der Suche sind und durch diesen Artikel reflektierter an die Sache gehen, Liebe Grüße von hier, Anna

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  8. Hi Anna,

    habe eine konkrete Frage zum Sachverhalt, dass Du aus gutem Grund keinen Sexismus, egal welcher Form, in deinem PnP zulassen willst.

    Ist es für Dich komplett undenkbar, dass das Thema Sexismus durch Charaktere, Gesellschaften, NPCs etc mit sexistischen Ansichten als diskutables Element einer ganzheitlichen Spielewelt dienen könnte? Ich finde es nämlich eher bereichernd, entsprechende Probleme, seien es Sexismus, Rassismus, Homophobie oder andere Formen der Diskriminierung auch als Probleme von Gesellschaften in Spielewelten zu etablieren mit der ganz klaren Intention, ein „Störelement“ einzufügen, das kontroverse Standpunkte aufwirft. Da Pen&Paper nachweislich Empathie und Perspektivübernahme fördert, halte ich vor allem die Darstellung der Betroffenen für ein bildendes Element.

    Worin ich Dir allerdings in jedem Fall zustimmen kann, ist, dass eine Spielewelt als reines sexistisches Forum zum Ausleben impliziter Tendenzen nicht der Plan sein kann. Musste das zum Glück noch nie erleben, spiele aber auch seit jeher in Gruppen mit sehr gemischten Geschlechterkonstellationen und aufgeklärten Personen.

    Ich denke, was die Inhalte von Spielewelten angeht, muss in jedem Punkt klar sein: es darf für keinen Mitspielenden persönlich unangenehm werden. Das heißt auch, dass ich solche Themen bei Bedarf ausklammern kann und muss, wenn sich jemand damit nicht wohlfühlt. Allerdings ist rollenspielhafte Auseinandersetzung mit Problemsituationen seit jeher Element von Bildung und Lernprozessen, weshalb ich absolute Tabus in dieser Hinsicht für gewöhnlich weder als Spieler noch als Leiter gerne sehe. Unter aufgeklärten und vernünftigen Mitspielenden nimmt man sich meines Erachtens dadurch eine Möglichkeit der bereichernden Diskussion und Charakterbildung. Dennoch steht das angenehme Spiel und die wertschätzende Interaktion unter Freund*innen natürlich im Vordergrund und muss auch vor diesem Hintergrund weiter bestehen können.

    Ich freue mich auf ein Statement von Dir diesbezüglich!

    LG Niko

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    1. Hallo Niko, wir sind uns einig: es darf für niemanden unangenehm sein. Wie bereits geschrieben kann meiner Meinung nach Diskriminierung in einer solchen Welt vorkommen, Kriege oder vorangegangene Gewalt herrschen in vielen Systemen. Es geht nicht darum, die Mitspieler/innen nun durchs Einhornwolkenland hüpfen zu lassen, in dem sich alle lieb haben. Sie dürfen und sollen Probleme, Störelemente vorgesetzt bekommen, das macht schließlich ein Abenteuer aus.
      Die Frage ist aber z.B., warum man nun einen sexistischen NPC auftreten lässt und die Gruppe keine Chance hat, zumindest ein bisschen diese Situation zu verändern.

      Vielleicht können sie auch nicht das gesamte Zwergenvolk davon überzeugen, dass die gehasste Rasse der Elfen auch nicht anders ist wie sie, dass es „gute“ und „schlechte“ gibt, dass sie gleiche Wünsche und Hoffnungen haben können – aber sie sollten zumindest die Chance haben, irgendetwas im Kleinen zu bewirken. Was dann vielleicht Auswirkungen auf das ganze Große hat.

      Es gibt sicher auch Spieler-Charaktere, die z.B. böse ausgelegt sind. Das ist dann wahrscheinlich etwas, für einen neuen Beitrag, da reicht die Kommentar Funktion nicht aus ;)

      Zum Thema Tabu, Extrembeispiel: mein Charakter muss sicher nicht missbraucht werden um die Schrecken der Welt zu erfahren oder irgendeinen Lernprozess zu durchleben. Das wäre eine sehr problematische Einstellung als SL, denn mal abgesehen von der Fiktion: Ich habe mal gelesen, dass statistisch gesehen, in jeder Schulklasse ein Opfer von Missbrauch sitzt. Diese Kinder werden älter und vielleicht sitzt dann eines davon bei dir am Tisch. Wer weiß? Genauso kann man am Tisch Frauen sitzen haben, die belästigt werden/wurden und sich ständig sexistische Sachen anhören müssen. Frage deshalb einfach mal deine Mitspielerinnen, ob sie auch noch in ihrem Hobby dem konfrontiert sehen möchten. Ebenso Fälle von Homophobie, vielleicht ist dein bester Freund tatsächlich homosexuell, nur weiß es niemand. Wie muss es sich dann wohl anhören, wenn er immer wieder von Mitspielern „Boah der Heiler ist voll die Schwuchtel“ hört? „IIiiiiih voll gay!“ usw.
      Ich vermute, dass es wahrscheinlich nur priviligierten Menschen, die nicht mit sowas im echten Leben konfrontiert werden, total Spaß macht, ein tabuloses pnp zu spielen. Natürlich ist das nur eine Vermutung aber ich kenne ein paar Leute, die aufgrund angesprochener Probleme niemals mit mir zu einer Con gehen und sich in eine fremde Runde setzen würden. Genau aus dem Grund.

      Ich freue mich, dass du so sachlich geschrieben hast und offen bist, ich denke, es gibt in dieser Hinsicht noch viel zu sagen und bestimmt werde ich das im nächsten Post aufgreifen, vielen Dank!

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  9. Hallo :)

    Ich muss gestehen, dass mich der Sexismus und die Homophobie sehr abgeschreckt hat ins Pen&Paper einzusteigen, obwohl ich bereits eine erwachsene Frau Ende 20 bin. Auch wenn ich neu im P&P war, bin ich schon seit ich lesen kann Geek/Nerd und kenne dieses Problem aus anderen Bereichen sehr gut. Ich war also zu Beginn meiner Suche nach P&P Gruppen auf ein wenig Sexismus/Homophobie eingestellt (ich identifiziere mich als queer). Jedoch hatte ich das Gefühl ich renne gegen eine Wand. Das tatsächliche Ausmaß erschreckte mich. Die Situationen von denen ich online las und erfahren durfte, stellten meine anderen Erfahrungen aus der Geekszene in den Schatten. (Ich bin Teil der independent Comic/Manga Szene. Schaut man sich Artist Alleys auf Conventions an, so sitzen da vermehrt weibliche Zeichnerinnen und viele Queers. Ich war also, wie mir bewusst wurde, bereits offensichtlich in einem Bereich in dem solche Probleme kaum mehr Thema sind).

    Ich war also kurz davor zu sagen „ach, scheiß drauf!“, hatte dann aber Glück eine rein LGBT+ P&P Gruppe zu finden :D Wir schlossen uns zusammen und schufen unseren eigenen kleinen Raum zum spielen. Und ernteten unglaublich viel Hass in der Szene dafür, als wir in anderen Facebookgruppen Werbung für unsere Runde machten und fragten, ob jmd beitreten möchte. So wäre Inklusion ja gar nicht möglich, wenn wir uns bewusst absondern täten. Jedoch: niemand respektierte unsere Begründungen, als wir erklärten dass wir uns nur deswegen absonderten, weil uns nirgendwo anders Zutritt gewährt wurde.

    Heute besteht unsere Gruppe aus 12 Mitgliedern und wir spielen aufgeteilt in kleinere Runden diverse Kampagnen. Von Shadowrun bis D&D.

    Leider ernte ich noch immer oft Kritik, schräge Blicke und komische Witze in Bezug auf unsere Gruppe, wenn ich sie Fremden gegenüber erwähne.

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    1. Bali, dein Beitrag ist so unglaublich interessant zu lesen. Ich hatte in meinem Beitrag mehr als einmal an die LGBT Szene gedacht und welche Erfahrungen man da wohl machen würde, wenn nur ein paar Spieler so ein Verhalten z.B. bei einer Con und offenen Runde an den Tag legen würden. Ich finde es wirklich beachtlich, dass du trotz der vielen Vorurteile und Ignoranz des Problems dabei geblieben bist und sogar ihr nun so eine große Gruppe habt. Es muss wohl auch krass sein, wenn eurer Gruppe vorgeworfen wird, keine Inklusion zu machen, wenn ihr genau von diesen Leuten nie welche erfahren habt. Sicher wäre es für viele Leute spannend, bei euch „mal reinzuschauen“ aber ihr seid kein Experiment oder Versuchskaninchen und werdet eure legitimen Gründe haben, cis Menschen in dieser Szene nun vllt. vorsichtiger zu begegnen.

      Ich hoffe und wünsche mir, dass die Szene alles dafür tut, damit ihr euch willkommener und verstanden fühlt.

      Vielleicht hättest du Lust sowas ähnliches wie ein Interview/Gedankenaustausch zu machen und mehr von deinen Erfahrungen zu erzählen, da ich denke, dass es immer besser ist, so etwas von der betroffenen Person direkt zu hören und ihrer Stimme Platz zu geben. Ich habe selbst ein paar offene Fragen bei denen ich mir unsicher bin was LGBT und pen and paper angeht. Du kannst dich gerne bei mir melden, falls du Lust hättest :)

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  10. Wenn du mal einen Kurzurlaub von diesen Schemata willst, dann probiere mal einen Wohlfühl CON aus (Wolke, Wölkchen, Sommerregen und einige mehr). Dort findet man dieses Handlungsmuster deutlich seltener (aber als Mann sehe und erfahre ich sie auch nicht so deutlich).
    Man findet dort generell einen höheren Frauenanteil (30-50%), ein älteres Publikum und viele seltenere Systeme (FATE, Idee!, Coriolis und oft keine D&D Runden).
    Kann ich nur wärmstens empfehlen!

    Tom

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    1. Hallo Tom, Danke für diese Idee! Ich bin ja noch komplett neu in der Szene und wusste nicht, was es sonst noch gibt, da sind solche Tipps immer hilfreich :)! Ich habe kurz in einen Bericht reingelugt, bei dem der Spieler seinen Charakter mit einem ganz anderen getauscht hat, das klingt echt toll! Ich glaube, dass ich das evtl. mal in meine eigene Runde übernehmen würde (z.B. durch einen schief gegangenen Zauberspruch). Danke für die Inspiration :)

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  11. Liebe Anna.
    Ich habe deinen Artikel sehr aufmerksam gelesen und bin tatsächlich negativ überrascht über deine Erfahrungen.
    In den 90er Jahren habe ich angefangen eine DSA-Tischrunde mit meinen Freundinnen zu meistern, eine reine Frauenrunde. Gegenteilig zu deinen sexistischen Beispielen habe ich meinen damaligen Partner mitspielen lassen 😅
    Aber ich hoffe wir haben ihn nicht diskriminiert, zumindest hat er weiter freudig mitgespielt.
    Nach langer Pause habe ich zunächst in einer netten Männerrunde mit gespielt, war tatsächlich problematisch wurde, war dass die meiste früher oder später eine Beziehung mit mir eingehen wollten. Jeder hat unterschiedlich aus absagen meinerseits reagiert, das ich aber glaube ich auch den krassen Frauenmangel geschuldet. Es kam zu der Zeit tatsächlich zu schlimmen Spannungen, weil einer nicht verkraften konnte, dass ich lediglich eine, und nicht SEINE Freundin sein wollte.
    Auf kurz oder lang habe ich die Runde verlassen 😪
    Vor ein paar Jahren habe ich wieder mit dem Hobby begonnen, bin nach wie vor Spielleiterin und habe auch immer mindestens eine weibliche Mitspielerin in der Runde, aktuell eine geldgeile Söldnerin. 👍
    Ich kann natürlich bestätigen, dass sich auf meine Gesuche hauptsächlich Männer gemeldet haben, aber bisher habe ich die Erfahrung gemacht, dass ich in diesem Hobby am ehesten weltoffene, tolerante Männer antreffe. Wenn ich nach neuen Spielern Suche, dann schreibe ich in speziellen Facebook-Gruppen.
    Da meine Live-Runde leider sehr selten zusammen kommt, wäre ich auch offen für eine nette Onlinerunde, hatte mich aber bisher noch nicht dazu durch ringen können.
    Wohl auch, weil ich keine Lust habe mit Leuten zu spielen, die nicht mit mir auf einer Wellenlänge sind.
    Ich hoffe ich konnte ein paar interessante Randinformationen beisteuern.
    LG Marlis.

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    1. Hallo,

      ich kann deine Erfahrungen vollkommen nachvollziehen, wenn du spontan auf diversen Seiten für einen One-Shot Leute suchst. Ich sag mal: Auf jeder Seite sind die einschlägigen notorischen Rundensucher bekannt. Es hat auch einen Grund, warum sie nie lange in einer Runde sind.
      Meiner Erfahrung nach sind Frauen in geschlossenen Runden zu finden. Ich teile hier deine Ansicht, dass man „die Freundin von…“ schon recht oft findet allerdings auch viele Individualistinnen.
      Meine Beobachtung ist auch die, dass Männer rollenSPIELEN und Frauen ROLLENspielen. Männer haben einen Charakter, um bestimmte Dinge zu tun, Frauen schmücken ihren Charakter aus und tun noch nebenher Dinge. Vielleicht sind Frauen von daher eher im LARP und Cosplay als im PnP aufgehoben. Ich weiß es nicht.

      Aber um einmal provokante Gegenfragen zu stellen:
      Ist Dir die Fantasy-Reihe „Xena“ zu sexistisch oder zu bro-mäßig?
      Ist das Thema Gewalt vielleicht einfach ein „Männerthema“?

      Aber egal ob Mann oder Frau: Die Themen Folter, Sex und Missbrauch sind immer heikle Themen im Rollenspiel. Zudem gibt es auch immer wieder persönliche Tabus, auf die man selbstverständlich eingehen muss.

      Zuletzt: Auch „unter Männern“ empfand ich es schon immer schwierig, eine Gruppe zu finden, die einfach passt. Es gibt wohl kein individuelleres Hobby und gleichzeitig brauchst du dennoch Mitspieler, deren Chars deinen Char zu dem machen, was er ist. (Eine Heldin ist nur eine, wenn sie von ihrem Umfeld so behandelt wird)

      Und zu allerletzt: Wenn es das ist, was du im Rollenspiel möchtest, dann sei brutal, sei sexistisch. Aber suche dir einfach die passende Gruppe dazu. (Das zweite ist das Schwierige ;) )

      LG

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      1. Hallo Andreas, schön, dass du hierhergefunden hast und deine Gedanken geteilt hast zu diesem Thema.

        Ich stimme dir zu, man muss da ganz persönlich auf die Einstellungen und Tabus eingehen.

        Schade fände ich, wenn tabuloses Spielen die Norm ist/wäre, was ich bei manchen beobachtet habe. Ich vermute mal auch, dass das nicht gerade zu Diversität der Szene beiträgt, auch nicht im echten Leben….und Klischees und Stereotypen sowie Verhaltensmuster noch mehr festigt.

        Damit das nicht passiert, braucht man z.B. wie du sagst auch ein Umfeld, die die Heldin als Heldin akzeptiert, auch einen SL, der ihr die Möglichkeit gibt, gleich wie allen anderen behandelt zu werden.

        Ich hoffe, dass viele Menschen nun das positive aus diesem Beitrag mitnehmen, dass jeder, für sich und für Andere, etwas für die Szene tun kann :)

        Zu Xena kann ich nicht viel sagen, ich habe das nie wirklich geschaut ;). Ich glaube aber, dass es zu Xena bestimmt sehr gute Artikel bereits gibt (evtl. Englisch) in denen Autorinnen die Serie geschaut haben und ihre interessanten Analysen und Beobachtungen teilen.

        Zum Thema „Bro“, das Wort an sich ist doch vollkommen ok :), nur nicht, wenn es ein Umfeld beschreibt, was folgendes in sich hat: Als Beispiel, sagen wir mal ein SL belästigt ingame/outgame eine Mitspielerin, drängt sich ihr auf. Die ansonsten männlichen Mitspieler, verharmlosen das oder sind still, lassen es geschehen, obwohl sie merken, wissen und sehen, dass sich die Mitspielerin unwohl fühlt. Grund: Der SL ist ihr Bro, ihr Freund seit langen Jahren, jemanden zu dem sie evlt. sogar aufsehen, jm. der evtl älter ist und bis dato Vorbild. Weil die Mitspieler diese Freundschaft, Akzeptanz und Gruppe nicht verlieren wollen, stellen sie sich auf die Seite des SL. Auch wegschauen gehört dazu. Das war jetzt nur ein Bsp. Ich hoffe, ich konnte das Problem gut erklären. Als Tipp: Ich empfehle dir zu dieser Thematik tatsächlich die Serie 13 reasons why, die man sicher für ein paar Dinge kritisieren kann, aber die speziell dieses Problem meiner Meinung nach in der 2. Staffeln am allerbesten erklärt, von allen Filmen/Serien, die ich in meinem Leben gesehen habe. Das aber nur als Beispiel :)

        Deine 2. Frage: Wie ich bereits geschrieben habe, muss das pnp keine Welt voller bunter Einhörner sein (Gott bewahre :D!), sondern es muss ja irgendwelche Probleme in dieser Welt geben. Vielleicht suchen manche Spieler/innen sogar genau das Böse, wollen es verkörpern (ich denke ich werde dazu bestimmt bald noch einen neuen Artikel schreiben, da ich das oft gefragt werde).

        Vielleicht ist es einfach wichtig, den moralischen Kompass der Spieler/innen zu kennen und was man in diesen 3-10h erleben will. Und was die SL/der SL will. Und wie das Umfeld der Spielwelt dann auf diese Taten der Gewalt reagiert. Egal ob Fantasy oder Sci-Fi, manche Taten verbreiten sich wie ein Lauffeuer und man hat mit Konsequenzen zu rechnen….zumindest bei mir ;)

        Beste Grüße von Anna

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    2. Liebe Marlis, vielen Dank für das Teilen deiner Erfahrung, du spielst ja schon ganz schön lange, das finde ich super :)!

      Es muss schwierig gewesen sein, dein Hobby für eine zeitlang brach zu legen (habe ich so verstanden?) da es zu vielen Spannungen gab und du nicht als einfache Mitspielerin akzeptiert werden konntest. Die Reaktionen der Anderen dann sind hierfür sind meines Erachtens aber nicht auf Frauenmangel zurückzuführen, sondern dem Nicht-Verstehen-wollen, dass du einfach kein Interesse hattest. Plus: Es gibt ja auch Menschen, die z.B. weltoffen sind aber trotzdem ein NEIN nur schwer akzeptieren wollen. Wie du schon geschrieben hast, waren die Reaktionen auf deine Absage unterschiedlich und es führte zu schlimmen Spannungen sodass du sogar gehen musstest.

      Ich glaube, dass man sich als Frau oft den Schuh anzieht, an etwas schuld zu sein (wie evtl. Zerbrechen der Runde?) nur weil man Gefühle nicht erwidert. Letztendlich kann ich nur vermuten, wie du dich damals gefühlt haben musst und warum du wahrscheinlich erst viel später wieder angefangen hast zu spielen. Man will sich einfach wohl fühlen.

      Zur Ergänzung: Mir ist etwas ähnliches passiert (falls es dich interessiert: „Es gibt keine Friendzone“ auf meinem Blog).

      Ich bin froh, dass du trotz deiner negativen Erfahrung nun eine Spielrunde wieder hast und aktiv leitest :) ! Ganz liebe Grüße, Anna

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      1. Liebe Anna,
        Vielen Dank für die Antwort.
        In der Runde trugen vielen Faktoren dazu bei, dass sie sich langsam auflöste. Ein Teil zog in absehbarer Zeit weg, zudem diese Spannungen und zusätzlich wurde mein Studium sehr praktisch und Zeit raubend.
        Ich habe eigene Kurzfilme realisiert und dort meine gesamte Freizeit für aufgebracht.
        Die Lage Pause entstand eher, weil ich mit anderen Dingen beschäftigt war.
        Ich habe auf keinen Fall das Gefühl, Schuld daran zu sein, ich fühle mich eher als das Opfer der Umstände.
        So negativ war meine Erfahrung dadurch nicht.
        Die schlimmsten Erfahrungen habe ich tatsächlich beim suchen von neuen Mitspielern im Internet in den letzten Jahren gemacht 🙈.
        Ich liebe Rollenspiele habe bereits Kriegerinnen, Druidinnen und alles mögliche gespielt und habe mich nie dabei beeinflusst oder unterdrückt gefühlt. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich in meiner ersten Runde überhaupt direkt Meister war und immer alles erklärt und bestimmt habe, deshalb habe ich mir auch später nie die Butter vom Brot nehmen lassen.

        Deinen Blogartikel werde ich mit direkt Mal durchlesen.

        Beste Grüße, Marlis.

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      2. Hey Marlis, erstmal Glückwunsch zu deinen Kurzfilmen! Mich freut immer, wenn ich höre, dass Menschen in der Kunst wie Musik und Film ihre Ideen umsetzen :)

        Ich hoffe, dass wir bald eine Szene erleben, in der auch die Online Suche nach Spieler/innen ganz viele positive Erfahrungen mit sich bringt :)!

        Natürlich auch, dass solche Spannungen, egal ob vor Ort oder Online gar nicht erst auftreten müssen und Spieler/innen akzeptieren, wenn das Gegenüber einfach nur Mitspieler/in bleiben will :) Liebe sonnige Grüße, Anna

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  12. Hallo Anna,

    erst einmal vielen Dank für diesen Beitrag. Perspektive ist wichtig, und ich als männlicher weißer Spieler in einer Szene, in der weiße Männer die deutliche Mehrzahl der Teilnehmer stellen, befinde mich da sicherlich in einer Lage, in der ich einige dieser Dinge nicht mitbekomme. Andere bekomme ich mit, und verziehe das Gesicht und denke: Heute sagst du nichts, das ist dir heute zu anstrengend. Und wieder andere übersehe ich sicherlich auch, so traurig mich dieser Gedanke macht. „So bin ich nicht“ ist ein Satz, den ich mir in erster Linie gerne selbst sagen würde, aber der meiner Meinung nach hin und wieder zumindest gefolgt sein sollte von der Frage „Bin ich so nicht“?
    Bisher lässt mich das Feedback der Spielerinnen vermuten, dass es so ist.

    Ich denke, Sexismus ist ein Problem der Gesamtgesellschaft, aber damit natürlich auch des Rollenspiels, und ich finde es traurig, dass mancher das Rollenspiel benutzt, um seine Männlichkeitsphantasien (und manchmal schlimmeres) auszuleben. Und das unkritisch. Gerade unser Hobby ist doch quasi auch der ideale Schutzraum um sich mit unangenehmen, unheimlichen, verängstigenden und schrecklichen Themen kritisch auseinanderzusetzen. (In wohlkontrollierten Dosen selbstverständlich, und immer mit dem Gruppenvertrag im Auge)
    Der Grenzgang ist hier möglich, ohne dass das große Konsequenzen in unserer realen Welt hat. Aber unreflektiert und unkritisch darf das eben auch nicht geschehen.
    Gleichzeitig kann man im Rollenspiel ohne Probleme utopische Szenarien entwerfen (auch das ist Zweck und Chance des Ganzen), in denen alle Gleichberechtigt sind. Und schließlich kann man das Ganze dann auch noch gegenüberstellen. Man kann Entwürfe testen und seine Fantasie laufen lassen (nicht nur seine Fantasien).
    Unser Hobby kann mehr sein, als nur reine Unterhaltung (auch wenn unterhaltung sicherlich sein Hauptzweck ist).

    Rollenspiel ist Kreativspiel. Besonders traurig ist es daher, dass es Einigen nicht möglich ist, über ihre toxischen Männlichkeitsfantasien hinauszuwachsen.
    Gerade einem Kreativspiel, gerade kreativen Personen, sollte es doch möglich sein, da besser zu sein.

    Ich hoffe, es wird besser. Ich hofffe, unser Hobby schafft es, diverser zu werden, denn es lebt doch von verschiedenen Ansichten, Ansätzen und Temperamenten.
    Oder bin ich da idealistisch?

    Viele Grüße,
    Tobi

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    1. Lieber Tobi, ich finde es gut, dass du selbstkritisch ansetzt und dir auch Feedback von deinen Spieler/innen einholst, das ist sicher ein ganz wichtiger Schritt, denn es geht vor allem darum dass jeder sich wohlfühlt.

      Ich weiß nicht ganz, ob ich dich wegen dem Schutzraum richtig verstanden habe. Wenn du meinst, dass man evlt. seine Ängste gegen Homophobie abbaut durch geschicktes Leiten der SL/des SL, bin ich ganz bei dir. Auch z.B. Angst vor Leuten zu sprechen oder einfach über sich hinauszuwachsen. Falls du es so gemeint hast, ist der nächste Absatz nicht für dich, ich schreibe ihn aber trotzdem, falls doch oder falls andere Leute dies nun denken könnten.

      Sobald ein Schutzraum als eine Art Hobby Therapie verstanden wird bzw. Konfrontation mit schlimmen Erfahrungen in der Realwelt, wäre ich sehr vorsichtig.
      Ob jede(r) in jedem Alter mit fragwürdigen Spielern und SL bei einem Gruppenvertrag aufsteht und sagt „Bitte nicht die geringste sexuelle Belästigung“ ist fraglich, dazu kommt, dass viele Mitspieler dann noch immer nicht wissen (wollen), was das eigentlich ist (Hier wurde ein super englischer Erfahrungsbericht von einer Con in den Kommentaren geteilt, einfach nach dem link suchen). Gerade wenn du mit Spielerinnen spielst, kannst du gar nicht wissen und abschätzen, ob ein Grenzgang keine Folgen in der Realwelt hätte. Auch wenn das deine Freundinnen sind, die du vllt schon jahrelang kennst – es ist immer noch ein großes Tabuthema.
      Was sie vorher im realen Alltag erlebt haben (Belästigung und Gewalt) kann dann im pnp, wenn es dort ebenfalls auftritt, ggf. Erinnerungen/Schlüsselreiz auslösen was zu Wiedererleben führen kann. Dasselbe gilt natürlich, was Gewalt angeht, für männliche Mitspieler – auch immer noch ein Tabuthema. Als SL mag es also spannend und kreativ klingen und man mag eine gute Intention haben, Spieler/innen irgendwann mit solchen Situationen zu konfrontieren, aber für Betroffene ist es genau das Gegenteil.

      Ich stimme dir in allen anderen Punkten zu und sehe, dass du da über sehr viele Sachen schon selbst nachgedacht hast und sie nun versuchst zu ändern. Genau damit kannst du deinen Teil dazu beitragen, diese Szene so positiv wie nur möglich zu gestalten – für uns alle.

      Ich würde mir tatsächlich mehr solcher aufgeklärter Spieler wie du wünschen, die sich ständig weiter entwickeln wollen und deshalb zuhören :)

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      1. Ich stimme zu, dass Rollenspiel (so wie wir es betreiben, als Hobby) keine Therapie ist. Es soll auch keine sein, sondern es dient ja in erster Linie der Unterhaltung. Aber es kann eben auch mal Themen wie Geschlecht, Herkunft u.ä. anschneiden um der Gruppe ein weiteres Spannungsfeld zu präsentieren. Dafür braucht man natürlich die richtigen Leute, und eine entsprechende Reflexion. Aber es sollte meiner Meinung nach vor jeder Rollenspielrunde sowieso erst einmal darum gehen: „Was wollen wir eigentlich?“ – und im zusammenhang damit auch „Was wollen wir nicht?“. So stellt sich ja der Gruppenvertrag zusammen.
        Mit den Leuten, die ich gut kenne, muss ich das oft nicht explizit besprechen, weil ich die Leute gut kenne. Aber mit Leuten, die ich nicht so gut kenne, würde ich das vorher durchaus absprechen, und vor allem vorsicht walten lassen.

        In einer solchen mit Leuten die ich gut kennne, sehe ich zum Beispiel wenig Problem damit, die Gruppe einmal auch mit „echten“ Problemen zu konfrontieren, wie zum Beispiel der Herablassung Privilegierter (Das ist ja durchaus auch ein Teilbereich des Sexismus, bzw. da gibt es eine Schnittmenge) und anderem.

        Das „Powered by the Apocalypse“-Setting Urban Shadows bietet das sogar recht explizit an, sich eben auch mit den mundanen Problemen urbaner Gesellschaft auseinanderzusetzen. Dazu gehören eben auch Rassismus und Sexismus. Wie stark so etwas vorkommt ist aber wieder eine Frage dessen, wie sehr man welche elemente in seiner Fiktion haben möchte. Diese beiden Elemente würden zum Beispiel bei mir als Spielleiter immer in antagonistischer Art auftauchen…

        Also: Kein Therapieersatz, keine Therapie, aber ein Schutzraum und Fantasie zu machen und auch mal neu oder anders zu denken. Und vor allem interessante, spannnende Geschichten zu erleben, mit Konflikten, die sich „echt“ anfühlen, und wo alle nachher mit guten Erinnerungen rausgehen. Das ist mein Ideal vom Rollenspiel.

        P.S:: Das sind aber leider manchmal auch einfach Sachen, die ich noch nicht zuende gedacht habe, oder die ich immer mal neu denken muss.

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      2. Hey Tobi, Ich stimme dir zu und glaube auch, dass in einem pnp die Folgen von Diskriminierung usw. schön dargestellt werden können. Man kann als Gruppe dann zusammen dagegen ankämpfen und für Verbesserung in der Gesellschaft sorgen. Es ist immer die Frage, inwieweit man das darstellt, ob es für alle okay ist und was am Ende damit erreicht werden soll. Ich möchte trotz allem nochmal darauf hinweisen, dass man nicht zu 100% wissen kann, ob das was man da tut bei allen okay ist, selbst wenn man diese Menschen sein Leben lang kennt. Also wenn man Freundschaft quasi als Absicherung sieht. Wichtiger sind da z.B. auch nonverbale Signale und einfach eine hohe Empathie und Aufmerksamkeit des SL/der SL, falls man solche Themen anschneiden möchte :) Also aufeinander achten, so als Fazit :)

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  13. Hallo Anna,

    ersteinmal Danke für den langen Artikel, man sieht, dass eine Menge Arbeit darin steckt. Was den Inhalt angeht, so muss ich dir in Teilen zustimmen, in anderen aber auch nicht. Ich denke, was das Rollenspiel angeht, ist es ein wichtiger Faktor, in welchem Teil der Szene man sich bewegt.
    Ein Erklärungsversuch auf anekdotischer Ebene, zunächst auf der Seite, die das nicht widerspiegelt, was du erlebt hast:
    Ich habe mit 14 Jahren angefangen zu spielen, das war so 1995 (also als alles noch aus Holz war) und zunächst fanden sich keine Frauen in unseren Rollenspielrunden. Das Ganze änderte sich deutlich, als ich mit 16 damals anfing Vampire-Live-Rollenspiel zu betreiben, in dem sich über die Jahre ein deutlicher Satz Frauen fand, die eben auch immer mehr Tischrollenspiel spielten; auch wenn das zunächst zaghafter war, wurde die PnP-Szene immer zugänglicher für Frauen.

    Inzwischen gibt es in meiner Heimatstadt Braunschweig eine sehr stabile Rollenspiel Szene in der ein guter Teil Frauen spielt und auch leitet (ich würde so von ca. 1/3 Frauen ausgehen, was sich so als Schnitt beobachten lässt bei monatlichen Rollenspiel-Mini-Conventions), der Chef unseres Games Workshop (der ja eine gewisse Schnittmenge mit der Rollenspielszene hat) ist eine Chefin und ich habe HIER zumindest über die Jahre nich außerordentlich mehr Sexismus (direkt oder aus zweiter Hand/Erzählung) erlebt, bzw. nicht mehr als man ihn (leider) im Alltag erlebt.

    Auch waren und sind meine Runden meist mit zumindest einem Teil Frauen belegt Beispielsweise sind in der Shadowrun Runde, die ich seit ein paar Jahren leite, 2 Frauen und neben mir als Spielleiter, 3 Männer. Die eine spielt eine 1,90 große muskulöse Scharfschützen-Elfe, die andere eine Katzen-Schamanin mit Hang zur Pyromanie. Beide erfüllen die von dir erwähnten Klischeerollen nicht.
    Als ich ein paar Jahre in Berlin wohnte, hatte ich sogar eine recht lang gehende Runde, in der 4 Frauen und neben mir noch ein Mann spielte und die Spielleiterin ebenfalls eine Frau war. Auch hier kam es nicht zu Klischeerollen.

    Jedoch ist das ja nur meine subjektive Erfahrung und ich denke, ich habe ein großes Glück, in so einem Teil der Szene zu existieren.

    Die andere Seite kenne ich aber auch, sei es aus Erzählungen oder aus Situationen, wo man als Beobachter dabei stand. Da gab es Spielleiter, die (grade jungen) Frauen aus ihrer Runde ihre sexuellen Fantasien aufzwingen wollten, abfällige Bemerkungen darüber, dass Frauen ja im Rollenspiel nur ihren Deko-Fetisch ausleben wollen, Frauen grundsätzlich keine Ahnung von den Regeln hätten, man dann sich ja plötzlich mit Moral beschäftigen müsse und so weiter. Im Live-Rollenspiel gab es da auch so Bemerkungen wie „Wenn du das anziehst, muss du dich ja nicht wundern, dass…“ oder „Besorg dir doch mal nen Freund, damit der die Typen abschreckt“ oder auch soweit wie „Wie weit muss man eine Vergewaltigung denn ausspielen?“.

    Von daher kenne ich diese dunkle Seite, wie bereits gesagt, leider auch. Ich denke (und kann mit eigenen, zwar anekdotischen, aber dennoch zumindest ein Stück weit repräsentativen Erfahrungen nachweisen), dass der Anteil keinesfalls bei der immens hohen Zahl liegt, die sich dir hier aufgedrängt hat und auch nicht in der Schwere.

    Der Grund dafür ist, dass grade im Internet blumig gesprochen die Scheiße immer oben schwimmt. Grade bei Twitter (durch die Nachrichtenkürze gestütz) wird extrem viel polarisiert, genau wie bei anderen Social Media Plattformen und es wird vor allem von Leuten genutzt, die extreme Meinungen haben und mit dieser Meinung sehr laut sind. Das lässt sich nicht nur bei Rollenspielern, sondern bei so vielen anderen Gruppen oder Themen beobachten. Vor allem weil das Internet auch eine regressfreie Basis bietet, mit einer Distanz zu denen, die man angreift.
    Und die wenigsten Leute, die auch nur eine halbwegs neutrale oder positive Einstellung haben, die ich so kenne, beschäftigen sich mit Twitter oder Social Media Diskussionen. Ergo bekräftigt das auch wiederum die „Scheiße“.

    Zusammengefasst will ich also sagen: Ja, es gibt Sexismus jeglicher Art in der Rollenspielszene, sei es wenn es um Geschlechterbilder geht oder um Klischeerollen. Aber ich würde behaupten, dass der Anteil ein ganzes Stück unter dem, was du erlebt hast liegt. Zwar kann ich mir vorstellen, dass er ein Stück höher, als in anderen Bereichen liegt, eben weil das Hobby vor 20 Jahren noch als fast absolute Männerdomäne stand und eben auch oft sozial-seltsame/inepte Menschen dort ein Zuhause fanden, aber ich denke, dass sich auch dies langsam aber sicher verwachsen wird.
    Dennoch ist ein Artikel wie deiner in meinen Augen wichtig, da er zumindest zum Nachdenken anregt (wenn man sich nicht grade in seiner Männlichkeit auf den Schlipps getreten fühlt und zum großen Gegenangriff ausholt) und solange er zumindest ein paar Leute zu besserem Verhalten angeregt hat, dann war er es wert.

    LG,
    Tim

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    1. Lieber Tim, vielen Dank für das Teilen deiner Erfahrung! Es ist gut zu sehen, dass es auch ganz anders geht und ich bin froh, dass du dich in einer Szene bewegst, die nach „wohl fühlen“ klingt, für alle Beteiligten :)!

      Ich glaube auch, dass es in der Szene die eine wie die andere Seite gibt.

      Trotzdem ist 1 schlechte Erfahrung natürlich 1 zuviel und wenn sich dies dann wiederholt (z.B. Neuling, Einsteigerin wie ich) dann hat man eventuell weniger Lust, sich mit diesem Hobby noch weiter zu beschäftigen. Wie bereits erwähnt will ich nicht auch noch in meiner Freizeit dann genau das negativ von dir angesprochene erleben. Und wenn ich das dann erlebe, wie reagieren die Mitspieler und der SL, wenn ich sage „Ich will das nicht!“ ?

      Es gibt sicher einen Grund, warum SL jungen Spielerinnen ihre Fantasien aufzwängen wollen und dem sollte man nachgehen, das hat meines Erachtens dann nichts mehr mit Spaß zu tun. Das Umfeld sollte dementsprechend reagieren, was aber oft schwer ist, zumindest klingt das bei vielen Erfahrungsberichten so raus. Viele Mitspieler die sagen wir mal Beobachter von Belästigung gegenüber Mitspielerinnen sind, sind evtl. seit vielen Jahren Freude des SL, spüren, dass das Verhalten falsch ist, aber trauen sich nicht oder halten die „Bro“ Verpflichtung aufrecht, statt offen und ehrlich den SL (oder wer auch immer das ausführt) auf das Fehlverhalten aufmerksam zu machen.

      Ich hoffe, dass man das aus dem Artikel mitnehmen kann, dieses Nachdenken von dem du schreibst über dieses doch sehr große Thema. Vielen Dank, dass du die Szene noch ein Stück besser machen willst Tim! LG Anna

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  14. Hmm. Regt auch jeden Fall zum nachdenken an. Ich glaube Du hast in vielen Punkten einfach recht, so traurig es sein mag. Ich denke Du wirst hier auch einige weniger schöne Kommentare bekommen, denn keiner mag es wenn man einen Spiegel vorgehalten bekommt und dann eine Fratze zurückblickt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich auch schon sexistische Äußerungen beim Spielen gemacht habe. Das mag eventuell zu der Situation im Spiel gepasst haben, aber nach dem Lesen des Artikels denkt man trotzdem darüber nach.
    Ich habe das Glück in in mehreren Runden mit weiblicher Beteiligung zu spielen. In eine Runde haben wir gerade noch einem neuen Spieler gesucht, und eine Spielerin bekommen. Hat uns sehr gefreut, da eine andere Mitspielerin wegen Nachwuchs aufgehört hatte.
    In der anderen Runde spielen Frau und Tochter eines anderen Spielers mit.
    Und obwohl zumindest in einer Runde von der Spielerin eine Heilerin/Nahkämpferin gespielt wird, habe ich trotzdem das Gefühl, dass sich die Spielerinnen in den Gruppen wohlfühlen. Ich werde aber nach diesem Artikel dem Thema in unseren Gruppe etwas mehr Aufmerksamkeit schenken.
    Falls Du Pathfinder spielst, es gibt eine recht nette deutsche Community im Organized Play Bereich, wo ich die Atmosphäre bisher sehr gut fand (Egal welches Geschlecht die/der SL hatte), vielleicht horchst Du da mal rein.
    Und auf Englisch gibt dort bei The Island (Englisch) einige Runden.
    Da die Szenarien meistens für einen Abend ausgelegt sind, sind diese Termine gut geeignet mal reinzuschnuppern.
    Zum Ende: Nimm Dir Zeit mit der Spielersuche und Du wirst nette Leute finden, mit denen Du gerne spielen möchtest.

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    1. Lieber Alarith (cooler Name übrigens), vielen Dank fürs Kommentieren und Teilen deiner Erfahrung :)! Was du schreibst,….dem kann ich nur zustimmen. Veränderung fängt immer bei einem selbst an, ein paar Menschen möchten die Szene leider nicht diverser und sicherer gestalten, was natürlich schade ist. Trotzdem freue ich mich, dass es auch ganz anders geht.

      Wenn ich sehe, dass du schonmal ein gutes Gefühl hast bei deiner Runde, aber trotzdem nochmal darauf achten willst – da geht mir das Herz auf. Genauso sollte es laufen: sich ständig fragen, weiterentwickeln, wissen, dass jeder in der Runde Spaß haben soll, jeder sich wohl fühlen soll.

      Ich danke dir, dass du diese Motivation hast und den Artikel als Anstoß nimmst, bei dir selbst genau hinzuschauen (oder bei anderen). Viele liebe Grüße, Anna :)

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  15. Sehr spannender Artikel.
    Aber auch in vielen Punkten nicht überraschend.
    Ich hatte sehr sehr viele Gute Erfahrungen im Rollenspiel, auch mit Fremden.
    Aber ich habe genügend Erfahrungen gehabt die dafür gesorgt haben das ich nicht mehr mit Fremden spiele, beziehungsweise mich nur noch selten im Internet über Rollenspiele austausche.
    Ich weiß. Eigentlich ist es der falsche Weg sich still und leise zurückzuziehen. Aber die betroffenen wollen nicht lernen.
    Und ich habe mehr als oft gehört „Problem mit Sexismus? Ich seh hier kein Problem mit Sexismus.“.
    Und das tut weh.
    Aber für meine Pappenheimer muss ich mal eine Lanze brechen. Auch wenn wir zwei sehr männliche Nerdige Kerle dabei haben, und noch eine weitere Person die sich nicht als männlich (aber auch nicht direkt als weiblich) definiert, ist es eine sehr schöne Runde und ein tolles Spielklima. Danke dafür.
    Aber das ist vieleicht auch ein Indiz warum man uns als Spielerinnen so selten findet. Es ist schwer sich aus unseren sicheren Gruppen herauszutrauen, wo man trotzdem teilweise mit Klauen und Zähnen dafür kämpfen musste das die meißten weiblichen Klischees aus den Köpfen verbannt wurden.
    (Glaub mir, wenn ich nocheinmal einen Kerl sehe der eine Femme-Fatale mit Rape-Hintergrund spielt, die nur durch ihre Aussehen an ihre Ziele kommt, ohne das er nen verdammt guten Grund dafür hat, oder es als problematisches Charakterkonzept rüberbringt, spring ich im Dreieck und reiß ihm den Kopf ab)

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    1. Hallo liebe rike, vielen Dank für deinen wertvollen Erfahrungsbericht. Es ist interessant aber auch erschreckend, was du erlebst. Man kann sehen, dass auch dir sehr oft nicht zugehört wurde oder das von dir angesprochene Problem als keines abgefertigt wurde. Kein Wunder, tut das weh und man fragt sich vllt, warum man das alles noch macht. Umso mehr freue ich mich, dass du nun so eine coole Spielrunde gefunden hast!

      Ich finde es einfach echt schade, dass man für diese Norm – keine Diskriminierung, keine Belästigung ingame/outgame- so sehr kämpfen und rumdiskutieren muss. Dabei will man doch einfach dasselbe wie alle: sich wohlfühlen.

      Aber ich bin froh, dass anscheinend nun viele Menschen anfangen, über all das nachzudenken, dass du und ich und alle in diesem tollen Hobby gerne bleiben :) Und achja: dein letzter Satz hat mich echt zum Lachen gebracht, wie wahr, wie wahr ;)

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  16. Hi
    Das was du hier gefunden hast ist kein Problem der Szene sondern ein Problem unserer Gesellschaft.
    Ich habe ein eigenes Regelwerk entwickelt, weil ich gerne in Literaturwelten, oder in frei erfundenen Welten Spiele. Und stelle meine Spieler Regelmässig vor Moralische und Ethische Entscheidungen. Deshalb gehört alle abartigkeit der Menschen in diese Spielwelten. Aber trotzdem wurde in den 22 Jahren in denen ich Leite nur ein Mal ein weiblicher Karakter vergewaltigt.
    Die waren zu zweit in Fremden Gelände unterwegs. Haben ein Riesen Feuer gemacht. Haben dann noch drei eindeutig Suspeckte Kerle an Ihr Lager eingeladen um dann ohne Wache Schlafen zu gehen. Beide Karakter sind Mittlerweile nicht mehr Spielbar. Obwohl sie noch Lebt. Sie wird nun von den Noiniten (DSA) gepflegt.
    Alle meine Spieler wissen mittlerweile das ich ihre Chars Gnadenlos Rippe wenn sie mir eine gute Möglichkeit dazu geben. Ich spiele auch Regelmässig an Conventions. Da passiert es mir regelmässig das ich Sexistische, Rasistische oder Spezistische, Mordlustige und ähnliche Karakter im Spiel habe. Der Umgang mit diesen ist einfach. Ich lasse das Umfeld entsprechend ihrer Moralischen Vorstellungs reagieren. Es hat nämlich Wirkung, wenn die Aussage von den Helden abgelehnt aber von denen die man bekämpft bekräftigt wird.
    Und zur Karakter Erschaffung, meine Erfahrung zeigt: der erste Karakter den man erschafft ist sich selbst im entsprechenden Universum. Und erst mit fortschreitender Erfahrung werden von seinen eigenen Ansichten abweichende Karakter Profile erschaffen.
    Und was den Umgang mit den Spieler betrifft. Da empfehle ich dir Paranoia zu Leiten. Dieses Spiel hat eine Heilende Wirkung auf Spielleiter.
    Ich wünsch dir noch viele spannende Runden.
    Kurt

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  17. Liebe Anna,
    vielen Dank für diesen Artikel. Er hat mich nachdenklich gestimmt und liefert eine mir vorher nicht bewusst gewordene Antwort, auf die Frage warum die Frauen aus unserer festen Runde nicht mehr mit auf Wochenend-Cons kommen.

    Ich liebe unsere feste Freitagsrunde. Ich habe mich vor über 6 Jahren bewusst für diese Runde entschieden, mit zwei Spielerinnen, weil es ein ganz anderes Spielgefühl liefert. Der Input, der von den beiden Spielerinnen kommt geht über das reine Spielen hinaus. In dieser Runde wird „natürlich“ auch manches Problem mit dem Schwert gelöst, aber Gewalt und Kampf haben nicht mal im Ansatz den Stellenwert, wie in reinen Männer-Runden, an denen ich Teilnehme.

    Ob Bewusst oder nicht ich selber, wie auch die anderen männlichen Spieler, verhalte mich in gegenwart weiblicher Mitspielerinnen anders und das tut dem Erzählen einer gemeinsamen Geschichte gut.

    Ich möchte als Zusatz erwähnen, dass sich diese Runde auch vor ihrer Gründung schon kannte und nicht ich mich alleine Bewusst für diese Mitspieler/innen entschieden habe, sondern sich alle gegenseitig nach vielen Jahren ausgesucht haben.

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    1. Hallo lieber Ingwer, vielen Dank, dass du deine Gedanken und Erfahrungen hier teilst. Dass die Spielerinnen nicht mehr auf Cons mitkommen ist sehr schade, leider sind sie damit auch kein Einzelfall, wie ich bisherigen Berichten entnommen habe. Und auch ich persönlich hätte keine Lust, Geld und Zeit in etwas zu investieren, voller Freude hinzugehen, um dann solche Dinge zu erleben. Damit sich all das ändert, ist es wichtig, dass jeder für sich selbst über sein Verhalten nachdenkt, genauso wie du es machst. Sich zu fragen „Ist das so okay für alle?“ ist ein Grundbaustein davon. Und dann natürlich die anderen Spieler/innen direkt fragen.

      Ich freue mich, dass du in solch einer Runde spielst und dazu beiträgst, dass alle Spaß haben und sich wohl fühlen, Danke! :)

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  18. Hallo Anna,
    ich spiele seit 1985. Tatsächlich gerade in der Anfangszeit meist ohne Frauen in unseren Runden. Vielleicht lag es damals auch am Alter, mit 13 hatte ich noch wenig Selbstbewusstsein und insgesamt wenig Kontakt zu Frauen.

    Mittlerweile spielen auch Frauen in unseren Gruppen mit, meine Frau spielt auch regelmäßig mit.
    Tatsächlich sind es jedoch über die Jahrzehnte betracht recht wenig Frauen.
    Ich selber gehöre zu den Spielern, welcher andere Spieler und Spielerinnen manchmal ins Wort fällt, das wurde besonders auch von Frauen kritisiert, bemühe mich aber das nicht (mehr) zu machen. Vielleicht haben Männer und Frauen auch eine etwas andere Kommunikationsform? Vielleicht sind Frauen oft höflicher und deswegen auch zurückhaltender?
    Ich finde es Schade, dass Du so negative Erfahrungen mit Deinem Aufruf mit Instregram gemacht hast. Ich überlege woran das liegt.
    Tatsächlich gibt es in unsere Gesellschaft Sexismus und auch Rassismus. Die Wahrnehmung von Sexismus hat sich glaube ich auch geändert,
    Ich denke, dass auch Rollenverhalten und Rollenklisches eine große Rolle spielen, sowohl was das Auftreten von Spielern gegenüber Frauen, als auch was die Wahl des Hobbys betrifft. Dieses Rollenerwartungen sind nach wie vor sehr stark in der Gesellschaft verankert, dazu muss man sich nur mal die Kinderbekleidung ansehen (nur blau und rosa) .
    Letztlich glaube ich auch, und das ist keine Entschuldigung für sexsistisches, rassistische oder homophobes Verhalten innerhalb der PnP Gemeinschaft, solche Phänomene leider in vielen gesellschaftlichen Gruppen verbreitet sind.

    Lass Dir Dein Hobby nicht vermissen und ich hoffe und glaube doch, dass es genug nette Menschen unter der Rollenspieler und Rollenspielerinne gibt.

    In diesem Sinne
    Viel Glück

    Georg

    PS Ist spät und am Handy getippt, da sind bestimmt eigene Tippfehler drin.

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    1. Hallo lieber Georg, Danke, dass du deine Erfahrungen hier teilst. Ich finde es sehr gut, wie du offen und ehrlich zugibst, an was du noch arbeiten willst. Genau diese Selbsterkenntnis ist wichtig. Auch deine Motivation allein Mitspieler/innen einen schönen Abend zu gestalten, klingt durch, behalte dir das bei!

      Ich stimme dir zu in deinen Beobachtungen, gerade was auch dieses rosa/blau Klischee angeht, was im Endeffekt nur den Firmen etwas bringt (z.B. Kunden kaufen dann Sachen doppelt bei 1 Tochter und 1 Sohn).

      Wegen deiner Überlegung: Ich bin fest davon überzeugt, dass viele Menschen ein Kommunikationsproblem generell haben (egal welchen Geschlechts) und z.B. Erwachsene als Kinder behandeln oder sogar als komplett unmündig. Machtspiele, Bevormundung und Intoleranz haben in einer guten Pen and Paper Runde nichts verloren. Genausowenig Sexismus, Rassismus und Homophobie. Ich bin froh, dass wir uns da einig sind :)!

      Ich habe zum Glück bereits gesehen, dass es auch ganz anders geht und bin sehr froh, dass viele Menschen nun an sich arbeiten möchten :)

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      1. Hallo Anna,
        Daumen hoch, dafür das Du Dir die Zeit nimmst, jeden Kommentar zu beantworten. Hoffentlich hat Deine Arbeit etwas bewirkt.
        Weiterhin viel Spaß beim Rollenspiel.
        Georg

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      2. Hallo lieber Georg, ich möchte dir danken, dass du das ansprichst.

        Ich bemerke heutzutage von manchen Menschen eine Erwartungshaltung an einen nicht kommerziellen Privatblog, die sehr unreflektiert von statten geht.

        Umso schöner ist es, wenn dann jemand wie du Georg, einfach mal sich Zeit nimmt und das alles wertschätzt, was man da macht.

        Ich bin dankbar über jeden, der den Weg zu meinem Blog gefunden hat und dadurch irgendwie den Austausch mit mir sucht, statt sich auf andere Plattformen über mich lustig zu machen oder meine Person anzugreifen und meine Intention. Deshalb wollte ich jeden Kommentar so gut es geht in Zeit und Ruhe beantworten. Durch den Ansturm von allen Seiten hat das nun tatsächlich 1 Woche gedauert, oft saß ich bis 2 Uhr nachts da, um mir diese Zeit zu nehmen. Natürlich unbezahlt.

        Aber die Diskussion darf ja nicht mit meinem Artikel enden, es gibt so viel zu besprechen und auf Antworten einzugehen.

        Ich möchte dir deshalb nochmal danken, dass du inne hälst und das alles anerkennst. Danke :)! Liebe Grüße, Anna

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  19. Ich würde gerne von mir glauben, dass ich nicht so bin. Aber ich befürchte, dass spätestens in den mittleren bis tiefen Bewußtseinsschichten Dinge lauern, die ich als „normal“ ansehe, die es aber nicht sein sollten. Danke für den Beitrag – er hat mich zum Nachdenken angeregt und ich werde auch weiterhin mein Verhalten gegenüber unserer weiblichen Mitspielerin in der Runde hinterfragen.

    Danke auch für den wichtigen Gesprächsbeitrag zum Thema Sexismus im Rollenspiel allgemein. Eine Diskussion darüber ist längst überfällig.

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    1. Hallo lieber Schreiber :) Ich freue mich sehr über deinen Beitrag und vor allem auch darüber, dass du in dich gehst und reflektierst. Genau das ist ein super Beginn, angesprochene Probleme des Artikels zu verhindern. Danke, dass du dieser Szene damit etwas so großes gibst: Vielfalt und Akzeptanz. Danke ! :)

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  20. Also… ja und nein :>
    Ich bin Spielerin und Spielleiterin seit… vielen Jahren. Und ich habe einiges von dem aus dem Artikel schon erlebt. Anderes auch genau im Gegenteil kennengelernt.

    Zum einen: Ja, die Art des RPs unterscheidet sich, wenn die Runde gemischt ist (von reinen Männergruppen kann ich natürlich nicht sprechen) oder wenn eine Frau oder ein Mann leitet. Und das mag ich! Muss natürlich nicht immer so passiere, aber ich sehe da feine Unterschiede, dass man eine Runde vielleicht einmal eher handlungslastig und einmal eher taktisch und planend betrachtet.

    Warum kommen Frauen gar nicht zum RP? Tja, wer macht sie drauf aufmerksam? Ich habe schon mit einigen (früher in der Schule, heute im Arbeitsumkreis) gesprochen, ob sie es nicht probieren möchten. Von „ich habe dafür wohl nicht genug Fantasie“ über „Ich glaube, das ist nichts für mich.“ hin zu „Ach, für so was habe ich doch keine Zeit, Arbeit, Familie, Freunde treffen…“ Habe ich alles schon erlebt. Sie versuchen es oft nicht einmal. Deswegen antworten natürlich zum einen weniger auf so eine Anfrage.

    Etwas anderes ist: Melde ich mich als Frau, wenn ich zu fremden Leuten gehen muss und da vielleicht die einzige Frau bin? In meiner Vorstellung war das lange kein Problem, aber dann gab es in jeder Runde immer wieder Avancen, die ich abgewiesen habe und damit wurde ich nicht mehr eingeladen. Ja, ganz oft wurde ich eben nicht als Mitspieler betrachtet, sondern als „eh, die hat noch keinen Freund.“

    Sehe ich heute noch online, wenn ich anonym dort spiele: Mal männliche, mal weibliche Charaktere. Mit weiblichen wird man viel mehr ‚beharkt‘, in eine Beziehung zu treten – als männlicher Char muss man oft aktiv werden, um in der Hinsicht wahrgenommen zu werden. Es gibt Klischees, die in Köpfen festsitzen – ausbrechen ist manchmal schwierig.

    Mittlerweile habe ich gut gemischte Gruppen. Oft überwiegt sogar der Frauenanteil. Ich bin sehr zufrieden damit, weil ich oft dabei bin. Aber ich höre auch manchmal „Das hier ist eine reine Männergruppe, da sind keine Frauen dabei.“ oder, wenn ich zu einer Runde aufrufe: „Ach, macht ihr mal eure Frauenrunde.“ Ich respektiere, wenn man mich nicht dabeihaben will – aber wenn ich eine Runde auf die Beine stelle, will ich jeden, der Lust hat, dabei haben. Wenn sich die Kerle aber dann alle rausziehen, weil sich erst drei Frauen gemeldet haben, finde ich es skurril.

    Zu den Freundinnen im RP kann ich sagen, dass ich selbst gute wie schlechte Erfahrungen gemacht habe. Eben je nach Persönlichkeit. Manchmal sticht die Freundin, wenn man sie etwas einbindet, so gut hervor, dass man sie nicht mehr gehen lassen will, manchmal ist die Freundin nur da, weil sie nicht erträgt, dass der Mann nun mit anderen an einem Tisch sitzt und Spaß hat. Die spielen dann für gewöhnlich auch die Partnerinnen ihrer Männer und sind beleidigt, wenn sie nicht durchgehend die Aufmerksamkeit des Spielers und des Charakters gleichermaßen haben. Also auch hier: Ausprobieren, manchmal passt es, manchmal nicht.

    Ich kann mich glücklich schätzen, eine gute Runde zu haben, in der verstanden wird, dass es Geschlechter gibt, aber beide eben auch akzeptiert werden – in der Männer und Frauen auch Freunde sein können. Aber ich habe auch viel Gegenteiliges erlebt ;)

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    1. Liebe Leilah, hallo und erstmal Sorry! Irgendwas ist mit den Kommentaren schief gelaufen und du hast evtl. 5x eine Antwort bekommen, die gar nicht an dich gerichtet war. Entschuldigung dafür, mein Blog ist wohl auch technisch in diesen Tagen an seine Belastbarkeitsgrenze gekommen. Ich hoffe, dass du nun diesen hier bekommst :)

      Es war für mich sehr interessant, deine Erfahrungen und Gedanken zu lesen und ich finde es erstmal schade, was du alles erleben musstest. Auch ich finde das Verhalten sehr skurril von manchen Menschen, umso wichtiger ist es, über diese Themen aufzuklären und miteinander zu sprechen. Deutlich zu machen, dass es okay sein muss, wenn ich keine Lust auf ständige Anmachen ingame/outgame habe. Dass ich als Spielerin gleichwertig bin und nicht als Schablone für alles mögliche benutzt werden kann. Dass ich eine selbstbestimmte Spielerin bin, die wertvoll ist und ihre Zeit nicht mit Leuten verbringen will, die das nicht einsehen.

      Ich freue mich, dass du nun so eine gute Runde gefunden hast und hoffe, dass nun immer mehr Menschen sehen, um was es uns eigentlich geht. Liebe Grüße :) Anna

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  21. Danke für den Ausführlichen Erfahrungsbericht. In unserer Runde haben wir eine 50/50 Quote, die wir auch bewusst so gewählt haben. Leider ist es auch bei uns so, dass es schwierige Sachen gibt. Z.B. dominieren ich und die anderen Typen manchmal sehr mit nervigen Regeldiskussionen, oder wollen die Welt erklären. Aber wir versuchen uns glaub ich auch zu reflektieren und zu verändern. Ist ja eigentlich auch selbstverständlich. Ich finde jedenfalls gut, dass du das Problem klar benennst und hoffe du lässt dich nicht von negativen oder relativierenden Antworten abschrecken :-)

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    1. Huhu Queery :) Ich danke dir, dass du mir Mut zusprichst :) Das Problem klar benennen stösst bei manchen natürlich auf Ablehnung, ist aber tatsächlich meiner Meinung nach der Schlüssel zum Erfolg, sprich ein pen and paper in dem alle Spaß haben.

      Dann finde ich es super, dass du und ihr an euch arbeiten wollt, das ist die beste Vorgehensweise.

      Bleibt motiviert, dieses Wohlfühllevel in eurer Gruppe hochzuhalten und hört einander zu :) Ich wünsche dir das Allerbeste :)!

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  22. Hallo Anna,
    ein durchaus interessantes Statement. Ich finde deinen Stil für mich nicht immer ganz einfach zu konsumieren, aber das soll niemanden davon abhalten, seine Meinung zu sagen. Tatsächlich fehlen mir in Sachen Sexismus vergleichbare eigene Erfahrung, aber meine Frau würde dazu wohl sagen: Ist doch klar, Rollenspieler sind alle komisch. Und sie muss es wissen, sie ist mit einem verheiratet und sieht mehrmals im Monat welche in den Keller wandern.
    Ich habe nicht vor, mich durch den Wust von Kommentaren zu wühlen, aber dein Artikel hat wohl einen Nerv der Zeit getroffen. Dazu also Glückwunsch, auch wenn das vermutlich für dich nicht abzusehen war. Ich finde es gut, wenn weiter darüber gesprochen wird. Ich hoffe ja immer noch, dass meine drei Töchter sich vielleicht auch mal irgendwann für Papas liebstes Hobby begeistern, in sofern bin ich sehr daran interessiert, wie P&P auch für Frauen/Mädchen attraktiv werden kann. Es wäre schön, wenn du die Szene mit weiteren Eindrücken bereicherst und dich keinesfalls von den allgegenwärtigen Idioten abschrecken lässt.
    Mir fehlt leider in der Debatte allzu oft das Konkrete. Zumindest wenn wir uns in der Subkultur der Rollenspieler bewegen. Das was du zumindest andeutest ist schon mal konkret eklig genug um mir Würgreiz zu verursachen. Ich befürchte allerdings, dass Rollenspieler keine übermäßig privilegierte/besondere Gruppe in dieser Sache sind. Sexismus, Rassismus und Gewalt sind leider viel zu oft an der Tagesordnung. Sozusagen erschreckende Realität. Ich habe auch kein Patentrezept, aber darüber reden ist sicher schon mal ein guter Anfang. In diesem Sinne also alles Gute und weiter so!

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    1. Hallo lieber Schreiber, erstmal schön, dass du den Weg hier hergefunden hast und deine Erfahrungen und Gedanken mit mir teilst!

      Ich finde es super, dass du die Motivation hast, auch für deine Töchter das pnp spielen interessant zu gestalten, sodass sie evtl. mal Lust haben, mit dir in diese kreative Welt einzutauchen, vllt sogar ihre ganz eigene Runde gründen.

      Ich glaube, es ist wie du sagst: darüber reden ist ein Anfang und ich finde sogar ein sehr guter :)!

      Ein Patentrezept habe ich auch nicht, aber ich habe mir schon ein paar Ideen überlegt, die vielleicht dem einen oder anderen dabei helfen könnten, Spielerinnen fürs pnp zu begeistern und auch für sich selbst eine diversere Welt zu erschaffen :) Dazu mehr im nächsten Beitrag, denn das würde hier den Rahmen sprengen.

      Behalte dir auf jeden Fall die Motivation bei, Spieler/innen einen Abend gestalten zu wollen, bei dem sich alle wohl fühlen, damit ist schon so viel getan, Beste Grüße, Anna

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    2. Hallo Krassling! :) Du nun auch hier! Anscheinend hat Annas Blog eine gewisse Gravitation entwickelt. :) Vielleicht sehen wir uns ja das nächste Mal wirklich bei Ulrich zum Spielewochenende, und hoffentlich bringst Du Deine Töchter mit! (Wusste noch gar nicht, dass Du mittlerweile welche hast.) Dann ist meinen beiden auch nicht so langweilig. … Aber ach, das liegt doch ohnehin ganz nah bei Anna! Anna, dann kommste auch mit! :) (Ulrich sollte da eigtl mitziehen.) Wir werden an dem Wochenende aber „nur“ Brettspiele machen und über die Welt tratschen.

      Davon abgesehen zum Thema: Ich habe keine so negative Sicht auf die Rollo-Szene wie Krassling. Ich halte es für ein Klischee. Viel eher ist es so, dass Übergewicht ein Thema ist! :) Aber um das große S und das große R zu erleben, muss ich mich nicht erst mit Mit-Rollos treffen. Das heißt natürlich nicht, dass das nicht ein Thema wäre. Aber es ist nicht DAS Thema. In diesem Sinne erachte ich Deine Beiträge auch als recht kräftig in ihrer Annahme, ohne nun im Gegenteil behaupten zu wollen, dass es falsche Annahmen oder gar Beobachtungen sind. In jedem Fall find ich’s supi, dass hier so ein reger Austausch entstanden ist, selbst auf dem Facebookschen Schlachtfeld. (Das ich aber nie besuche.) Im weiteren Verlauf wäre es, da bin ich in Krasslings Nähe, Folgeartikel zu schreiben. Dort ließe sich auf Basis des Erlebten und Diskutierten, auf Basis der Rückmeldungen, ein nochmals differenziertes Bild zeichnen. Was auch immer es dann zeigen mag.

      Vergiss aber nicht, auch mal wieder was anderes übers Rollo-Thema zu schreiben! :)

      Habe ich schon diesen Metablog erwähnt? Wie hieß er noch? rp… oder rs…? rsp-dingens.de!?

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  23. Hab hier noch einen interessanten Beitrag gesehen, eine Anzeige für D&D aus der Frühzeit:
    https://twitter.com/ZweihanderRPG/status/1030862075449536514 Der gelb markierte Bereich zeigt einen zwar schräg formulierte, aber wichtigen Hinweis: Das Spiel richtet sich auch an Frauen. Wenn man bedenkt, dass die Anzeige von 1976 oder 77 sein muss (der Dragon ist nicht lange zweimonatlich gewesen), und die fette Überschrift auf das quasi ausschließlich männliche Publikum bei Wargames hinweis, ist das schon eine deutliche Aussage. Heute klingt das sonderbar rückwärtsgewandt, wenn Frauen „equally with men“ spielen können. Für damals, vor 40 Jahren, konnte man das noch als progessiv werten. Es zeigt aber auch, dass das Problem keineswegs neu ist, sondern das Hobby von Anfang an begleitet.

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    1. Vielen Dank für diesen interessanten Beitrag! Erstmal wusste ich gar nicht, dass es D&D schon so lange gibt und dann ist die Anzeige natürlich echt krass. Ich stimme dir zu, für damals wohl bestimmt eines der wenigen Spiele, die Frauen als potentielle Spielerinnen sahen… wenn wahrscheinlich auch eher aus Verkaufszwecken. Oder um die aufkommende women empowerment Bewegung zu dieser Zeit „abzufangen“. So oder so: Super Beitrag, kann man schön einige Dinge sehen, die noch heute so gelten leider, Danke dir! :)

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