„Pen and Paper – wie geht das? Bin Anfänger/in“

„Ja Anna, was du schreibst klingt spannend, aber ich habe keeeeeine Ahnung, wie das gehen soll mit den Würfeln und all dem. Und ich habe nur ganz normale Würfel. Und sind die Regeln kompliziert? Ich will ehrlich gesagt nur spielen, nicht stundenlang Regeln durchlesen. Meinst du, pen and paper ist trotzdem was für mich? An sich finde ich das Thema irgendwie spannend, habe aber 0 Erfahrung. Und ich will auch nichts extra kaufen.“

So oder ähnlich mag man vielleicht denken, wenn man meine letzten Beiträge verfolgt hat. Ich habe erfahren, dass viele Leute – genauso wie ich – von der Idee ein pen and paper zu spielen angetan sind, aber es trotzdem nie versuchen, da man sich nicht auskennt und es zu viele offene Fragen gibt.

Ich versuche heute, euch eine Anleitung zu geben, wie man in 1h ein pen and paper vorbereiten kann, als absolute/r Anfänger/in.

  1. Muss ich etwas für das Spiel kaufen?

Nein. Eine Person sollte aber einen Drucker haben. Und 1-2 normale Würfel.

2. Aber ich habe nicht diese speziellen Würfel?

Das brauchst du auch nicht. In der ersten Session hatten wir nur die ganz normalen Würfel und es ging super. Alles andere ist Zusatz.

Wem das Spiel zusagt und wer noch tiefer einsteigen will, kann Apps runterladen oder auf Pages gehen, die einen Zufallswurf generieren (oder kauft sich dann die Würfel).

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2. Wieviel Mitspieler brauche ich?

Man muss für sich persönlich die ideale Größe finden, bei mir sind das im Moment 2-3 Mitspieler.

Es gibt aber auch runden mit 7 Spielern und ja, sogar ein pen and paper mit nur 1 Mitspieler  (was beides eine Herausforderung ist).

3. Was für ein setting interessiert dich und deine Gruppe?

Es gibt heutzutage ganz verschiedene fiktive „Orte“ in denen dann das Spiel spielt.

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  • Klassisch: Fantasy.

Denk einfach an Herr der Ringe. Positiv: Fantasy mögen viele und Magie usw. sowie alte Legenden, Monster usw.. Das ist etwas, was eben weit weg von der Realität ist und somit einfach Spaß machen kann. Herausforderung: Nicht jeder fühlt sich in mittelalterlichen Zeiten zu Hause. Es gibt manche Dinge nicht, der Fortschritt ist nicht so weit. Eine Reise dauert z.B. auch mal. Auch die Sprache ist etwas anders, z.B. reden dann die Charaktere und Spieler so „Wer seid IHR? Ich habe EUCH doch schon einmal gesehen…“ (Muss aber nicht so sein). Typische Orte: Wald, Taverne, Burgen, Berge, ….

  • Sci-Fi

Positiv: Crazy Erfindungen, Technik ist weit fortgeschritten, eventuell space Thematik, Aliens, Planeten usw. Herausforderung: Schreiten die Spieler/innen durch eine hypermoderne Raumstation aus dem Jahr 5069, ist das eventuell schwieriger zu beschreiben als Dinge, die man schon kennt wie z.B. den Wald in Fantasy.

  • Apokalypse

Positiv: Wenn man The Walking Dead mag, wird man das hier lieben. Einfache Ortbeschreibungen, da man viel aus unserer Gegenwart kennt (Häuser, Fabriken usw.). Technik oft lahmgelegt. Gutes, vorgegebenes Ziel: z.B. Heilmittel finden. Herausforderung: Es ist nicht einfach, jeden Ort nicht gleich aussehen zu lassen. „Haus ist zerfallen“ wird nach der 3. Beschreibung sicher langweilig. Und ein Zombie bleibt eben ein Zombie, außer man wird kreativ.

Es gibt noch viiiiiiiele weitere, z.B. Horror, Wild West, Victorian Age, Piraten, Gegenwart wie Krimi pnp etc. Einfach mal im Internet stöbern, was euch gefallen könnte. Manche Spielsysteme sind sogar universell, d.h. ihr lest euch durch wie es funktioniert und könnt dann easy die Welten austauschen.

4. Und jetzt kommen die Regeln, richtig?

Es gibt viele Regeln von anderen Gesellschaftsspielen, die ich persönlich komplizierter finde – also keine Sorge. Ich bin auch eine Person die für solche Sachen gar keine Zeit und Muse hat, es gibt wirklich spannendere Dinge für mich als die Regelhefte von neuen Spielen, ich bekomme die Krise bei: „Zieh 2 Karten, wenn….“ „Wenn ein Spieler nicht ablegen kann, dann muss er….“. Ich will mich nicht ewig in ein Spiel reinlesen und dann spielt man es doch nur 1x im Jahr. Kennt ihr das ? :)

Wenn ja, keine Angst. Pen and Paper läuft so nicht.

Ihr müsst euch das mal so vorstellen: Ich hatte 0 Ahnung und lag im Bett, es war Nacht, als ich ein Spiel für meine Freunde gesucht habe. Wie kompliziert kann dann ein pen and paper sein, wenn ich nach 3h fast alles draufhatte, nur alleine von einer anderen Gruppe online zuschauen, wie sie das spielen? Ich glaube, dass man manche pen and paper in 10 Minuten lernen kann (manche sind sogar genau darauf ausgelegt!).

Ich habe es so erlebt, dass es statt Regeln eher Abläufe gibt, die man sich merkt. Es gibt keine Spielkarten, kein Brett (das sind andere rpg Spiele!), es ist alles sehr frei und unstressig. In manchen pnp geht es reihum, in vielen ist es ein hin und her zwischen Spieleleiter und Spieler/innen, in manchen ist quasi alles gleichzeitig. Man muss also nur wissen, wie es in dem Spiel abläuft, was man sich rausgesucht hat.

Sicher gibt es zu vielen Spielen 500-Seiten Bücher, ja, tatsächlich. Aber das ist wirklich alles nur Zusatz, wenn man das Spiel komplett ausschöpfen will.

5. Wie jetzt, keine Vorgaben?

2018-07-22-04-51-57-1.jpgDa ein pen and paper von Fiktion lebt, gibt es kein festes Ziel, kein von A nach B, es gibt höchstens Einschränkungen wie: „Charakter A kann im Moment nicht zaubern.“

Was ein Charakter kann, das bestimmt das Charakterblatt. (was ihr dann ausdruckt). Bei manchen ist das sehr minimalistisch, man hat im Prinzip nur eine Art Lebensenergieanzeige, bei manchen ist das ausgefallen von wegen „Was hat mein C bei sich? Was kann er, was andere nicht können“? Usw. Diese Sachen sind am Anfang aber gar nicht so wichtig, wichtiger ist eher die Geschichte des Charakters.

  • Wie sieht er aus?
  • Was sind seine Ansichten?
  • Wie steht er zu den anderen Spielern?

Das sind Dinge, die der Spieler kreativ entscheidet.

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Festgelegt vom Spiel sind einfach so Sachen wie „Wenn mein Charakter zuschlägt, wie hart trifft es den Gegner?“ das sind dann Punkte oder oft diese speziellen Würfel. Zum Beispiel eine Magierin kann zwar top zaubern, ist aber eben nicht so stark wie eine Kämpferin und macht dann nicht so Hau-Drauf-Schaden, aber eventuell cleveren Schaden wie „Betäuben“ usw.

Um zu verstehen, wie so etwas überhaupt von statten geht: Einfach mal bei YouTube nach Spielerunden suchen und reinschauen. Man kriegt schon nach kurzer Zeit ein Gespür dafür, was ein pen and paper überhaupt ist.

6. Und was macht dann die Spieleleiterin/der Spieleleiter?

2018-07-22-04-55-49-1.jpgIn eurer Gruppe sollten alle kreativ sein. Die Spieleleiterin/der Spieleleiter aber vielleicht noch ein bisschen mehr, denn sie/er kreeirt die Monster, Gegner, Welten zum größten Teil.

Ich bevorzuge Systeme, in denen so gut es geht alle an der Erschaffung der Welt mitwirken, aber natürlich kann man nicht von den Spielern erwarten, dass sie das Abenteuer durchschreiten und dann auch noch gleichzeitig sozusagen das Spieledesign übernehmen.

Keine Panik: Man muss keine Karten zeichnen und sich 1000 Dinge vorher überlegen, vieles passiert NACH dem Spiel. Fluss, Wald, Sumpf und Berg im Bild kamen in der 1. Session vor, die Burg in der 2 Session. Erst danach entstand dieses Bild. Auch muss man gar nicht zeichnen können (siehe ich ^^).

Wenn du dich für die Position der Leiterin/des Leiters entscheidest, dann hast du z.B. in Dungeon World folgende Aufgaben:

  • Charakterblätter ausdrucken und erklären können
  • Dafür sorgen, dass das Spiel zum Abenteuer wird (keiner will einfach nur durchs Mittelalter spazieren und alles geht gut….) und zwar so, dass auch DU daran Spaß hast.
  • Kreativ sein (Wer lebt in Stadt XY? Wen treffen die Spieler?) Das kann ganz spontan kommen, braucht aber etwas Übung. Wer will, kann sich auch ein paar Sachen vorher grob ausdenken. Auf keinen Fall sollte man sich zuviel fest überlegen, da im Moment des Spiels die Welt miterschaffen werden soll.
  • Spannend/anschaulich erzählen können, witzig, unterhaltend, tragisch usw.
  • Die Spieler manchmal an Dinge erinnern, wie „Du willst also zuschlagen aber vorhin hast du doch dein Schwert abgegeben? Das ist also nicht möglich…aber vielleicht hast du eine andere Idee?“
  • Die Spieler Schritt für Schritt mit Einschränkungen/Herausforderungen/Chancen konfrontieren, wie z.B. „Ihr habt ein Lager aufgeschlagen, d.h. ihr verbraucht 1 Essensration.“ PS: Solche „Regeln“ sind dafür da, damit nicht jeder alles kann am Anfang und es spannend ist. Auch, weil es realistischer ist. Wenn man ein Lager macht und über Nacht bleibt, isst man nunmal bestimmt auch was. Gar nicht so schwer also. Zur Anschaulichkeit: Bei Dungeon World sind diese regeln 2 Seiten und sehr einfach zu verstehen.
  • Entscheidungen treffen
  • Spieler gleichermaßen ins Spotlight setzen
  • Auch Monster haben eine Geschichte und sind nicht nur Blöcke im Weg, Was ist ihr Instinkt, was horten sie? Auch hier gibt es viele Hilfestellungen und sogar schon vorgegebene Monster, online und kostenlos, sodass man nur noch aussuchen muss.
  • Einen Kampf leiten, sagen, wann der Gegner down ist. Auch das gibt’s online, sind meist Punkte wie z.B. 10 Lebenspunkte. Die Spieler/innen versuchen, den Gegner zu treffen indem sie würfeln und ihre Fähigkeiten einsetzen.
  • Merken, wann alle eine Pause brauchen/wann es ein gutes Ende für die Session ist

Vor allem, wenn ihr mit euren Freunden spielt, ist es vollkommen okay, nicht alles zu wissen oder auch online mal was nachzuschauen. Man lernt dazu und das wissen die Spieler. Die sind meist ja einfach dankbar, dass du ihnen die Gelegenheit bietest, so ein Abenteuer zu machen – also nur kein Druck.

Wenn du lieber die Welt erkunden magst als Spieler, dann fühle dich nicht verpflichtet Leiter/in zu sein. Es muss aber 1 Person geben, die das ausführt (und zwar gerne), vielleicht gibt es jemand in deiner Runde?

7. Wie lange geht so ein Spiel?

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  • Für Anfänger plane auf jeden Fall 1h für die Charaktererschaffung und Erklärung vom Spiel ein.

Man kann auch einen Charakter in 10 Minuten erschaffen, aber mehr Spaß macht es, wenn man sich Zeit lässt. Aufgrund der vielen neuen Informationen ist es manchmal auch ratsam, Dinge wegzulassen oder dann erst bei der nächsten Session mit dem echten Spiel zu beginnen.

  • Es gibt sogenannte One-Shots, die man innerhalb von 2-4h durchhat.
  • Dann gibt es Spielsysteme, die man sozusagen unendlich spielen kann und nach 2-3h oder so aufhört um dann nächstes Mal ohne Probleme weiterzumachen

8. Wo spielt man?

Das ist das schöne: Daheim oder draußen, ein pen and paper kann man überall spielen. Ein Tisch ist von Vorteil oder zumindest eine Ablage fürs Würfeln.

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Schauplatz unserer 2. Session: Park mit Aussicht. Leider regnete es dann, aber kein Problem: Drinnen gings weiter.

Für die C Erstellung zu Beginn empfehle ich auf jeden Fall Tische und Stühle, da man da noch mehr schreibt. Später kann alles ganz lose sein, da auch die Spieler/innen dann von ihrem C Dinge schon auswendig kennen.

9. Was brauche ich?

  • genug Bleistifte
  • radierer
  • Charakterbögen
  • evlt. Unterlagen zum Schreiben
  • 2 Würfel

Außerdem noch bei Bedarf

  • Spezialwürfel oder App
  • Regelbuch oder Online Hilfe bei z.B. Monstern, krassen Spielzügen
  • Block, zum aufmalen von Runen, Karten usw und für eigene Notizen
  • Notizen über selbst erschaffene Städte, Figuren, Probleme
  • Dinge, die den Spielern das fiktive erleichtern: Deko, Requisiten usw.
  • bei folgenden Sessions entsprechend Musik

10. Wo finde ich kostenlose pnp und was ist das richtige für mich?

  • Suche dir einfache pnp, einfache regeln
  • Es gibt im Internet Listen über Spiele, die man kostenlos downloaden kann uns sofort loslegen kann.
  • Auch wenn man gut Englisch kann, vielleicht können die Mitspieler/innen das nicht so gut wie du, also lieber anfangen mit deutschen oder übersetzten pnp
  • Ein guter Anhaltspunkt sind pen and paper, bei denen man einfach nur Charakterbögen braucht und 1-2 Seiten für die Leiterin/den Leiter für Zusatzdinge
  • Oft sind die klassischen, ganz großen pen and paper für Anfänger schwer. Zumindest ging es mir so. Davon nicht entmutigen lassen und vielleicht einfach mal Indie Pen and Paper ausprobieren.

Da ich auf meinem Blog keine Marken nennen und auch keine Werbung machen will, kann ich euch keine Spiele verlinken. Ihr könnt mir aber gern privat schreiben :)

Berichten kann ich nur über 1 pen and paper: Dungeon World. Das ist meine Erfahrung und darüber darf ich hoffentlich schreiben, es gibt aber wie gesagt so viele andere und so viel mehr. Das setting ist dabei wirklich wichtig und dass sich alle wohlfühlen und Spaß haben.

Noch besser als ein Spielsystem zu übernehmen ist natürlich, sich selbst eines zu überlegen :)

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Habe ich deine Fragen beantworten können? Kannst du dir eine runde pnp nun besser vorstellen? Ich bin gespannt auf Antworten :)

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Erfahrene Spieler dürfen gerne in den Kommentaren über pnp berichten (bitte ohne links, keine Eigenwerbung), die sie für geeignet/ungeeignet für Anfänger halten und warum :)

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Ein Gedanke zu „„Pen and Paper – wie geht das? Bin Anfänger/in“

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