Hochmut kommt vor dem Fall

Ich schaue auf den Boden. Totally frustrated. Wütend auf mich selbst. Die Traurigkeit kommt in mir hoch.

Das Versagen.

*Rückspulgeräusch*

Heute trage ich zum 2. x meinen Anzug und es fühlt sich okay an, als ich so in der Umkleide stehe. Ich fühle mich ein bisschen cool und ein bisschen offiziell-like und dann….doch wieder ein bisschen unsicher. Der Spiegel hängt zu hoch und ich kann mich nicht sehen. Dafür klappt das Gürtelbinden wie im Schlaf und ich bin etwas stolz auf mich.

Die Sympathische kommt rein und wir reden ein bisschen über den Ablauf der Prüfung, sprich, Anna löchert sie mit Fragen.

Mich interessiert ja z.B. auch brennend, was NACH der Prüfung passiert: Werden wir aufgerufen (JA!) ?. Ich bekomme ziemlich Panik, wenn ich dran denke, da ich nicht weiß, wie was wann wo ich mich z.B. verbeugen soll oder nicht und lauter solche offiziellen Dinge von denen man keine Ahnung hat. Vielleicht bin ich nämlich die Erste (Alphabet) und ich sehe mich schon wie ein Huhn ohne Kopf rumlaufen und strange Dinge machen und jeder lacht. Ich hasse es, unvorbereitet und ungewiss in solche Situationen zu gehen und alle, die das mit dem Namen kennen (die Erste!) werden mir wahrscheinlich zustimmen.

Wir setzen uns draußen hin und reden über unsere Anzüge. Sie mag meinen und sagt, dass er hochwertig aussieht und dass sie ihren schonmal nähen musste. Sie zeigt auf die Seite, „Da!“ und ich erstarre beim Gedanken, dass mal während dem Training meine Hose reissen könnte oder mein Oberteil aufgerissen wird. Durch mich selbst oder jm. anderes.

Der Grätscher kommt und hat nur Augen für mich, was mich etwas wundert aber dann wieder nicht. Er erklärt uns zwein mal wieder die Welt, obwohl die Sympathische den gleichen Grad hat wie er und auch ich diese Sachen weiß. Er scheint sehr angetan von mir und einer Unterhaltung mit mir, erzählt mir lehrerhaft irgendwelche Sachen und gibt nebenher auch noch an, was er alles sonst noch so kann. Ich seufze innerlich und schaue zur Seite. Bus Boy sitzt da und nickt mir zu und grinst, auch Core kommt auf uns zu und lächelt.

Ich frage die Sympathische nach Bruchttests und ja, auch sie muss das machen. Das finde ich cool, denn bisher habe ich nirgends Bretter gesehen und mich schon gefragt, ob das hier die „Low“ Variante ist und wir tatsächlich ohne diesen Test durchkommen. Aber nein, das wird dann alles so sein. Sogar einen Fight hat sie und zwar gegen den Grätscher. Na da bin ich mal gespannt :D

Sogar der Schweigsame kommt und schaut her. Ich lächle und er sagt „Hallo!“, von sich aus. Ich bin froh, denn das hatte ich ja letztes Mal genau so vorgehabt. Selbst der Grüngurt, der mich beim Fass treten beobachtet hat, kommt heute und sagt „Hallo“ zu mir. Ist das der Anzug?

Drinnen stellt der Grätscher seine Tasche genau neben meine, ich laufe schnell zur Fleißigen und wir umarmen uns. Dann geht es ans Joggen.

Zuerst komme ich gut mit aber das Tempo ist wirklich sehr hoch, ich rede nebenbei und dann irgendwann tauscht die Fleißige mit mir Plätze, da ich außen laufe und sie wohl merkt, dass das für mich noch Anstrengender ist. Wir hören dann irgendwann auf zu reden, da ich so sehr laut schnaufen muss, was mich natürlich nervt.

Ich merke wie ich langsam fast keine Luft mehr bekomme und mein Kopf ganz heiß wird, will jeden Moment abbrechen. …..

Da wir heute wieder selbst verantwortlich sind, möchte ich die erste Person (Bus Boy?) umarmen, als er aufhört mit Laufen und alle anderen dann auch.

Zum Glück!

In diesem Moment wird mir mal wieder bewusst, dass 2x 5min Laufen pro Woche einfach zu wenig für die Kondition ist.

Fast wie von alleine bildet sich wieder ein großer Kreis, was ich ja überhaupt nicht mag. Ich muss mal wieder meinen Anzug richten, da mein Gürtel rutscht und alles irgendwo hängt. Die ganzen Jungs stehen mir Gegenüber, verdammt.

Ich muss mich noch an diese Anzug Situation gewöhnen. Zupfe eben die ganze Zeit. Wenn ich mich runterbeuge, kann man in den Ausschnitt sehen (trotz weißem Tank Top und Sport Unterwäsche).

Ich versuche dann, mich auf mich zu konzentrieren und es klappt teils. Im Sitzen dehne ich meinen Fuß (aua!) dann schaue ich auf und Core tut dasselbe. Unsere Blicke treffen sich. Sowas ist immer total weird :D Auch mache ich ein paar Dinge doppelt, einfach dass ich nicht als erste aufstehen muss und mich jeder anschaut.

Der Meister sagt zu allen:„Ihr könnt schon anfangen.“ Wir sind eben doch noch alle angewiesen auf seine Kommandos, er sieht uns vielleicht mehr als eigenständige Kämpferinnen als wir selbst?

Die Fleißige und ich stehen da und wollen anfangen. Plötzlich kommt noch ein Typ dazu. Es ist einer, der vor ein paar Wochen mal gemeint hat zum Trainer „Prüfung…hmm vielleicht.“ und dann nie wieder kam.

Irgendwie kennen die Fleißige und er sich. Er macht bei uns also mit und ich komme total raus, da alles viel langsamer geht. Sofort erinnert er mich an mich. Ich ertappe mich, wie ich genervt bin und ungeduldig, da ICH üben will und muss und nicht so langsam machen kann. Ich versuche mich in seine Position zu versetzen und frage: „Machst du auch Prüfung?“

Er:„Nein…war zu spät dran.“

Ich: „Hm?“

Er:„Hab das Anmelden verpasst.“

Ich weiß nicht so recht, was das heißt oder ob er sich die Prüfung einfach nicht zutraut.

Wir sind noch nichtmal durch, da ruft der Meister uns Weißgürtel zusammen.

Wir sollen es ihm vormachen.

Innerlich fühle ich mich nun bereit genug, es hat einigermaßen geklappt und ich will zeigen, was ich kann.

Also bin ich mutig und stelle mich – ACHTUNG- in die 1. Reihe!

Ja, ihr habt richtig gelesen.

Ich habe mich immer versteckt, heute nicht mehr!

Vielleicht auch durch den Vergleich mit dem anderen Anfänger fühle ich mich plötzlich besser und „reif“ für die Sache.

Ich muss mich nicht mehr verstecken, ich bin jetzt auch bei den Guten dabei!

Hell yeah, der wird Augen machen.

Ich kann das!!!

Nein. Kann ich nicht.

Es klappt einigermaßen aber nicht wirklich. Zum ersten Mal sieht der Meister ganz genau was ich mache und korrigiert mich also mehr. Meine Hand dreht sich nicht ein, ich schaue runter und merke, dass ich da ganz schönen Quatsch fabriziere. Meine Stellung ist nicht richtig.

Wenigstens den Ablauf kann ich. Aber das ist nicht genug.

„Üben“ sagt er und schaut mich an. Ich nicke. Ich fühle mich plötzlich nicht mehr so mutig.

Ich übe dann nochmal mit der Fleißigen und es klappt gut. Ich sage:

„Äääähm machen wir dann zusammen die Prüfung?“

Sie: „Davon gehe ich doch aus!“

Ich:„Sehr gut! Weil ich weiß nicht zu wievielt wir das machen.“

Sie:„Zu zweit glaube ich….und wenn zu 3t dann halt zu 3t.“

Ich will nicht Jemand, der mich oder uns aus dem Konzept bringt. Vielleicht habe ich mich deshalb vorhin so mutig in die 1. Reihe gestellt um ja nicht irritiert zu werden.

Ich würde jetzt gerne noch mehr üben aber ich merke, dass die Fleißige keine Lust mehr hat. Sie kann das alles eben. Wir einigen uns darauf, dass wir jetzt erstmal bisschen kicken üben und dann später nochmal alles durchgehen.

Es macht Spaß mit ihr die Übungen zu machen. Ich weiß diesmal sogar meist, wie man die Polster hält (!).

(Bitte nun anerkennendes Klatschen von der Leserschaft, vielen Dank*)

Aber wenn ich kicke und sie mich lobt, kann ich das nie akzeptieren und muss immer einen anderen Kommentar dazu geben, der mich schlecht macht, wie:

„Ja, aber voll langsam“ oder „Ja aber Technik!“.

Kritisch mit sich selbst sein ist ja wichtig aber beim regulären Training rede ich nicht so viel und beschließe, beim nächsten Mal einfach zu kicken, statt ständig mich Kleinzureden.

Sie korrigiert mich und gibt mir Tipps, ich wünschte ich könnte das auch bei ihr machen aber mir fehlt einfach die Erfahrung. Ich merke, wie ständig loben ja auch nicht einen unbedingt weiter bringt.

Aber es stimmt ja bei ihr, sie kickt ja schon viel stärker und ich sage dann:
„Wenn du kämpfst will ich da nicht stehen!“

Sie lacht. Ich meine noch:

„Ich erzähle allen, da ist eine im Taekwondo, die kann so krass kicken.“

Was stimmt. Ihr könnt das bestätigen.

Wir machen dann wieder den ultra krassen Sprung vom nächsten Mal. Was heißt, sie macht ihn und ich faile. Irgendwie komme ich mir vor wie eine Ballerina (die es nicht kann) und treffe die Polster nicht. Irgendetwas ist off, die Technik stimmt einfach nicht. Es ist schon gut, dass normalerweise der Meister das Training macht und uns auch nicht überfordert. Sprünge machen wir bei ihm nie, auch wenn wir alle so heiß darauf sind und wollen, dass es COOL aussieht. Aber als Weißgurt musst du erstmal die Basics drauf haben. Was ich noch nicht habe. Vor allem links kicke ich noch sehr schlecht und falle meist halb um.

Irgendwer sieht uns zu,…. ich sehe es aus den Augenwinkeln aber ich weiß nicht wer. Ob es der Meister ist oder der Grätscher, die Person sagt auf jeden Fall nichts. Ich schaue nicht hin, ich muss mich fokussieren.

Vom ständen Springen bin ich total außer Puste, mein Puls ist oben und ich schnappe nach Luft. Da ruft der Meister:

„ALLE ZUSAMMEN.“

und ich denke NEEEEEEEEIN, da ich gerade einfach nicht kann. Und wir keine Zeit mehr hatten zum Üben und Nichts nochmal durchgegangen sind.

Oh Gott, nein. Ich kann nicht!

Wir setzen uns an die Wand und er sagt:

„Weißgürtel kleine Gruppe“

und keiner geht nach vorne.

Ich schaue auf den Boden und schnaufe und bete zu Gott, dass jemand anderes geht. Endlich stehen die Jungs auf.

Bus Boy, Core und der Schweigsame.

Core macht gleich zu Beginn einen Fehler, denselben, wie ich letztes Mal. Ich fühle mit ihm, hier ist eben auch komplette Stille und alle schauen zu, das ist nicht einfach.

Bus Boy macht es schon so, als wäre er 2 Grade höher. Schnell aber punktuiert. Niemand kann mir erzählen, dass Bus Boy nicht übt daheim.

Core macht dann ebenfalls ohne Fehler durch, aber die Fleißige meint:

„Der streckt immer seinen Fuß so“ und während sie das sagt, habe ich panische Angst, dass Core oder der Meister uns hört. Ich will nicht respektlos sein und sage leise:

„Bei mir ist das aber auch so.“

Der Schweigsame macht nicht mehr so Fehler und man merkt, dass auch er es jetzt wissen will.

Alle klatschen danach. Das war eine gute Leistung.

Dann sind wir dran und mir wird kurz schlecht. Mein Herz pocht wie wild und ich habe das Gefühl, nichts mehr zu wissen. Habe das Gefühl, das alles zu schnell geht….

Ich stell mich wieder (!) nach vorne. Es ist wichtig für mich das in dem Sinn alleine zu machen und ich will nicht auf jemand Anderes schauen. Ich will das Gefühl haben, Fleißige und ich alleine geben Tempo vor. Ich glaube, Olympia und Steffi sind hinter uns, bin mir aber nicht sicher.

Es läuft perfekt. Ich habe ein Hochgefühl.

Mittendrin denke ich:„Jaaaa genau!“

Fühle mich so sicher, so selbstbewusst.

Denke:„Ja, schaut ruhig zu wie ich jetzt alles kann und entschlossen bin!“

Und während ich das so denke, passiert es!

Ich gehe nach hinten, während alle anderen nach vorne gehen!

Das ist KOMPLETT falsch und der auffälligste Fehler, den man hier in der Gruppe machen kann.

Und das Schlimmste:

Jemand hinter mir, wahrscheinlich Steffi, macht es komplett falsch nach.

Der Meister sagt: „Nicht falsch nachmachen!“ und lacht dabei und alle anderen, inkl. ich auch. Dabei ist mir nicht nach Lachen.

Ich bin wütend auf mich selbst und ärgere mich zu Tode.

Wie konnte ich nur so selbstgefällig sein??

Wie konnte ich nur denken, dass ich mich easy hier in die 1. Reihe stelle und dann mittendrin schon denke, dass ich das Ding in der Tasche habe?

So überzeugt von mir selbst, dass ich ganz die Choreografie vergessen habe.

Hochmut kommt vor dem Fall.

Der Meister korrigiert nun auch noch zusätzlich meine Stellung. Ich verstehe nicht ganz, was falsch ist (so oft mache ich das alles ja doch noch nicht) und er zeigt es wieder und wieder. Währenddessen Stille und die Gruppe schaut zu mir.

„Was ist denn los heute?“ Verärgert schaut der Meister zu unserer Gruppe.

Er ist genervt, gestresst und verärgert. „Letzte Woche gut, heute…?“ Es ist klar, dass er mich meint, denn keiner sonst hier, macht Fehler.

Ich stütze meine Hände in die Hüften und schaue gleichzeitig frustriert auf den Boden.

„Aber….aber….ich muss doch noch lernen“ will ich sagen.

Mache es aber natürlich nicht.

Ich bleibe still und erinnere mich daran, meine Hände runterzunehmen. Hände in die Hüften ist nicht so gern gesehen, das hab ich online gelesen. Wahrscheinlich wegen der Körpersprache, vielleicht aber auch einfach kulturell.

„Bei der Prüfung kann man 1, 2 kleine Fehler machen schon ok aber wenn du es nicht kannst dann…“

Er imitiert mit seinen Fingern Beine,…. in der Luft,… die laufen…. Dann macht er eine Geste,….wie ein Besen der alles aufwischt,…wie ein Wind, der alles davon weht. Er schaut mich dabei an.

Es ist ein Bild, was sich in mein Gedächtnis brennt.

Es sind Beine, die aus der Halle laufen. Es heißt sowas wie „Du musst gehen“ und „Komm nicht wieder“.

Noch nie ist Jemand bei ihm Durchgefallen. Heute aber sagt er nicht „Kein Stress.“

Heute ist Stress.

Denn auch SEIN Name steht auf dem Spiel.

Und er hat nunmal Recht. Ich habe NICHT vorhin wie alle anderen genug geübt, nichtmal alleine. Ich habe Spaß-Kicken gemacht und Cool-Aussehen-Kicks.

Toll gemacht, Anna!

Dazu habe ich mich komplett überschätzt.

Dachte, ich bin schon weiter, als ich bin. Wenn du dich in die 1. Reihe stellst, dann musst du auch liefern. Dann hast du auch eine gewisse Verantwortung. Es stehen Leute hinter dir und die zählen auf deine Leistung.

Gerade im Taekwondo ist es ja tatsächlich so, dass Reihenfolge nicht wahllos ist.

Wenn du vorne bist, dann sei etwas und sei dir dessen bewusst. So sieht das aus.

Es ist ein langer Moment, wie wir hier alle stehen und mir eines klar wird:

Ab jetzt ist das kein Ponyhof mehr.

Ab jetzt zählt, ob du liefern kannst.

Und ich kann noch nicht.

Danach sagt er laut: „ÜBEN.“

Verhaltenes Klatschen für Looser folgt.

Ich laufe zurück und flüstere: „Verdammt.“ Mehr für die Anderen, die an der Wand sitzen und alle auf mich schauen, als für mich. Ich weiß nicht warum, aber auch sie sollen sehen, dass ich mich ärgere.

Wir setzen uns hin. Die Fleißige berührt kurz mein Knie so nach dem Motto „Ist schon gut.“

Ich flüstere verzweifelt: „Oh man! Es lief SO gut bis….“

Sie: „Generalprobe darf es schief gehen.“

Und dann erinnere ich mich an meinen Wunsch die letzten Tage. Ich wollte, dass es schief geht. So richtig. Ich finde es unheimlich, wenn bei der Probe alles gut geht. Aber SO schief? Verdammt.

Ich habe es mir so gewünscht. Aber jetzt, als es so ist, fühle ich mich ultra mies.

Als ich so dasitze merke ich auch noch, wie ich die Einzige bin, die falsch sitzt. Schnell gehe ich in den Schneidersitz, was total unbequem ist nun, denn alle sitzen zu eng. Ich habe keinen Platz und halte ihn halb in der Luft und zittere dabei, weil meine Muskeln sich so anstrengen.

Argh!!

Das ist und wird dann wohl wohl der zweitschwierigste Teil der Prüfung hier zu sitzen und nicht die Beine einschlafen zu lassen.

Jetzt kommen Viola, die Sympathische und der Grätscher. Er schreit dem Meister nicht genug. Es gibt kleinere Fehler und es nervt den Meister. Aber ist okay.

Immerlächler ist krank. Das ist nicht gut, denn ich will, dass er aufsteigt. Und außerdem brauche ich seinen Gürtel O.o

Am Ende macht der Grüngurt noch alleine und es sieht toll aus. Der Applaus ist dementsprechend.

Danach ist das Training auch schon um und wir laufen still in die Umkleide.

Keiner sagt was.

Ich versuche ein Gespräch anzufangen aber weiß nicht was.

„Warst du aufgeregt?“ fällt mir nur ein.

Fleißige: „Nein.“

Ich: „Ich schon…aber am Mittwoch wird das!“

Ich will mehr sie aufbauen als mich.

Ich will nicht, dass sie unsicher ist wegen mir.

Sie sagt nur schnell Tschüss und schaut nicht so glücklich.

Ich sehe Viola und Olympia im Gespräch. Sie fragen nach ihrem Namen. Nach 1 Jahr. Dann geht Olympia aber ruft nicht Tschüss zu mir. Olympia eben.

Viola wartet noch kurz auf mich und sieht zu, wie ich meinen Anzug in eine Tüte packe. Sie lacht.

Viola: „Jetzt hast du schon ne Mülltüte dabei!“

Sie meint damit, dass ich schon nach 2x meine Ansicht aufgegeben habe, den Anzug nach dem Training noch traditionell zusammenzulegen.

Ich lache und sage:

„Ja aber hey, wenigstens eine Tüte! Er soll nicht dreckig werden, vllt gibt es Krümel in meiner Tasche.“

Viola: „Wir sitzen damit auf dem Hallenboden!“

Ich:“ Du hast Recht :D!“

Als ich dann aber alleine nach Hause laufe, ist mir nicht mehr nach Lachen. Alles holt mich ein. Der Druck wird riesig. Ich schüttele immer wieder den Kopf über meine Fehler und fluche vor mich hin.

In meinem Zimmer will ich unbedingt alles nochmal durchgehen, so richtig verbissen üben bis zum Morgengrauen, wie in diesen Filmen…. aber die Power ist weg.

Ich denke immer wieder daran, wie angenervt er war und dass es zu 100% vorbei sein kann. Dass er immer meinte „kein Stress“ aber den jetzt hat, da ich die Erste sein könnte, die alles kaputt macht. Es ist auch sein Name, der auf dem Spiel steht.

Die Finger die laufen….

Er ist nicht zufrieden. Vor allem nicht mit mir.

Ich fahre mir mit den Händen durchs Haar. Laufe hin und her und weiß gar nichts mehr.

Ich setze mich auf mein Bett und könnte heulen.

Verdammt!….

Ich werde das nicht bestehen so!!!

….

Dann packt es mich und ich will wenigstens etwas ausprobieren, woran ich heute schon gedacht habe. Was sich im Laufe des Tages geformt hat….

Der Versuch lenkt mich ab und tut gut, ich bin plötzlich nicht mehr das Häufchen Elend sondern voller Elan.

Leiter, Schnur, Flasche, Wandhaken – ich mache es einfach.

Und dann hängt es da – mein persönlicher DIY Boxsack. Nur dass es eben eine Flasche ist. Wegen der Präzision.

Ich kicke total erfreut drauf und muss wieder lächeln. Nach ein paar Mal merke ich, dass es Zeit wird, Pause zu machen. Getrunken habe ich seit Stunden nichts mehr, auch nicht im Training

Als ich anfange, diesen Text zu schreiben, kann ich kaum mehr geradeaus sehen so müde bin ich plötzlich.

Ich schlafe halb auf dem Schreibtisch ein mit dem Gedanken:„Morgen MUSS ich üben.“

….

Am nächsten Tag wird mir schon Glück gewünscht.

„Natüüüürlich schaffst du das.“

Ich erzähle nichts vom Abend davor. Zu sehr hängt es wie eine Wolke über mir. Ich gehe alles durch und mache wieder Fehler. Die Routine fehlt mir. Die Detailarbeit bringt dann wieder alles Durcheinander.

Ich sitze hier und editiere den Text und frage mich ernsthaft, wie das morgen werden soll.

Neben mir trocknet der Anzug für den großen Tag.

Ich wünschte mir ich wäre 5 Jahre alt, wie in diesen ganzen Schulen immer die Kinder, die das lernen und die Prüfung machen (teils „irgendwie). Aber ich bin Erwachsen.

Beine die laufen. Der Wind, der sie davonträgt Richtung Tür.

Nichts ist gewiss, gar nichts.

Im Moment kann ich genauso gut durchfallen wie bestehen.

Nichts ist sicher.

Nur eines: Hochmut kommt vor dem Fall.

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