Jumbobecher des Glücks

PloPP! macht es in meinem Herzen. PloPP in meinem Kopf! PloPP PloPP plOPP PLOPP PLOPP!

Aber von vorne:

Unsere kleine Geschichte beginnt wie immer im Bus.

Und Anna’s Versuch, ganz normal zu wirken und dabei zu scheitern :D

Ich schlage meine Kappe zurück – nachdem ich draußen ewig bibbernd gewartet habe – und sehe Bus Boy. Mit noch einem Typen.

Ich scanne die Sitze ab, aber sie sind besetzt. Ich winke nur und setze mich woanders hin. Soviel zum Thema connecten :D Aber hey, ich glaube ich habe auch ein gewisses Gefühl für Distanz und was okay ist und was vielleicht etwas übertrieben wäre. Deshalb habe ich mich gegen das „Ich stell mich jetzt vor euch hin“ entschieden.

Ich tippe auf meinem Handy rum und bekomme unfreiwillig das Gespräch mit:

Bus Boy:„Jetzt erstmal Taekwondo Training, ein paar Leute kicken.“

Ich spüre den Drang mich umzudrehen und zu lachen und den Kopf zu schütteln. Mache es aber nicht. Ich weiß nicht, ob er es gesagt hat, um frech zu sein (ich sitze ja auch da) oder um den anderen Typen zu imponieren.

Typ: „Dann kannst dich ja voll verteidigen und so.“

Bus Boy: „Neee….ist nichts für die Straße.“

Und damit hat er so ziemlich die aktuelle Diskussion zusammengefasst, die es um diesen Sport und generell Kampfsport gibt :D

Bus Boy steigt alleine aus und wartet auf mich.

„Na, auch wieder früher da?“ fragt er mich.

„Ja…..und ich erfriere….ich mag den Winter wirklich gar nicht… Bist du so ein Wintermensch?“

„Ich hasse den Winter.“

Wir lachen :D

In der Halle angekommen sind wir mal wieder die Ersten.

Ich sage „Willst du mal ein Video vom Turnier sehen?“

„JA! Klar!“

Bus Boy und ich teilen wirklich diese Leidenschaft, über das Training hinaus.

Als das Video einen Kämpfer zeigt, der einen anderen halb niederboxt, ruft er sofort:

„Aber das ist doch gar nicht erlaubt der Schlag!“

Als würde er oben auf der Tribüne sitzen. Bus Boy ist so begeistert wie ich und sagt noch:

„Boah, wäre ich nur mitgegangen!“

Ich muss lächeln. Es ist einfach schön mit jemand zu reden, der genauso Feuer und Flamme ist. Und ich bin wieder stolz, dass ich dort war und nun davon berichten kann.

„Ja, ich dachte auch zuerst…alleine hmmm…….aber dann habe ich es einfach gemacht“

Was auch immer er von mir denkt – das ist einfach die Wahrheit nun.

Wir reden noch ein bisschen und plötzlich kommt jemand, der schon im letzten Training bei uns in der Pausenhofrunde stand. Mit dem ich kurz geredet hatte und der sehr offen war. Das fällt natürlich auf in einem Kreis von Leuten, von denen die meisten tatsächlich ruhig sind :D

Ich nenne ihn Peter, weil…..es ist einfach so ein Peter, der z.B. Sachen organisiert und kommt zum Aufbau von Bänken, wenn der Verein jemanden braucht :D.

Es ist wirklich gut, mal ganz unverkrampft mit jemanden zu reden. Der Peter halt. Der ist auch schon Fortgeschritten, aber bildet sich nichts drauf ein:

Er: „Ja, die Urkunde nach der Prüfung darfst du dir dann an deine Ego-Wand hängen!“

Und ich:„Du meinst an meine leere Wand? :D Ich hab 0 Urkunden…höchstens von früher….TEILGENOMMEN.“

Er lacht und meint:„Ja, das kenne ich!“

Ich: „Und man war dann trotzdem soooo stolz drauf!“

Er: „Jaaa….ich hab eine Urkunde von der Faustball Meisterschaft!“

Ich: „Bitte was??“

Er:„3. Platz!“

Ich:„Ooooh das ist doch cool!“

Bus Boy:„3. Platz von wieviel?“

Er:„3.“

Wir lachen. Hach, das fängt gut an.

Dann kommt der Trainer und noch ein paar andere, aber es geht noch nicht los.

Dieses Mal bin ich aber schlauer. Ich sehe Bus Boy, der schon wieder hochmotiviert in die Matten boxt und fange dann ganz langsam an eine Runde zu gehen. Wegen dem blöden Fuß. Dass er sich dran gewöhnt.

Langsam kommen immer mehr Leute und ich laufe hier alleine, komme mir ein bisschen strange vor. Es sieht aus, als ob ich mit Niemand reden will, auch der Meister schaut mir zu. Keiner weiß, wieviel Schmerzen ich tatsächlich habe und dass es dann gaaaaar nicht gut ist, einfach von 0 auf 100 Usain Bolt zu spielen.

Es tut weh, aber es klappt. Das Joggen geht dann besser, als es plötzlich heißt:“Laufen!“

Heute sind wir nicht so viele. Zum Glück.

Irgendwie ist das cooler finde ich, denn es bei so vielen ist es gefühlt anonymer. Die Neue ist nicht dabei, vielleicht kommt sie ja nächstes Mal? Wahrscheinlich aber nicht.

Ich atme auf, als der Meister sich vor uns setzt. JAAAAA, endlich wieder er.

Kein Beast Mode heute, zuuuum Glück. Ich danke den 7 Winden (*Panflötenmelodie* ……was, bitte was??? O.o Sry, es ist schon spät.)

Viele von den Übungen habe ich jetzt schon ein paar Mal gemacht aber jedesmal aufs Neue denke ich mir:

„Werde ich jemals meine Beine so weit auseinanderkriegen? Werde ich jemals das können, was er da macht, gelenkig wie sonst was, als wäre es ein schöner Sonntagsspaziergang, nichts weiter?“

Ich versuche mich auch so zu dehnen aber muss jedesmal zurückrudern und feststellen: Noch hat sich da gefühlt nichts geändert. Aber von nichts kommt halt auch nichts. Wenn du in der Uni sitzt dann kannst du nicht nen Spagat üben und wenn du um Mitternacht heim kommst, dann bist du froh, wenn du nur noch liegen kannst :D Aber es ärgert mich schon, ich will doch besser werden. Ich will doch meinen Fuß höher kriegen, verdammt :D!

Jedes Training stellt sich die spannende Frage: mit wem trainiere ich heute?

Oft wird es dann so, wie wir gerade stehen, aber der Meister teilt auch zu.

Ich stehe heute Viola gegenüber, die schon 1 Grad weiter ist als ich.

Ich möchte unbedingt, dass auch sie ein gutes Training hat. Letztes Mal haben wir uns ja ein bisschen verzettelt mit den Anweisungen und Erklärungen.

Ich muss zugeben, ich bin immernoch komplett überfordert, wenn der Meister etwas vormacht. Diese blöden Kissen halten, es ist eine Kunst für sich!!! Argh!

Ich kann inzwischen aber etwas besser Multitasking damit und kriege so wenigstens endlich ein bisschen Technik bei den Kicks mit.

Viola kickt, es knallt, wie gehabt. Ich mag Viola.

Ich halte Viola die Polster (Pratzen) hin und stehe nun meine ich zumindest anders da, wie am 1. Tag und ja, ich zähle sogar ihre Kicks mit.

Das ist nämlich AUCH die Aufgabe vom „Kissenhalter“.

Wisst ihr, wie schwer es ist die zu halten UND zu zählen UND sich auf die Beinarbeit zu konzentrieren UND dann auch noch den Angriff zu starten UND darauf zu achten, dass man sie richtig hält UND dann auch noch abwechselt????

Diese Polster bringen mich noch um den Verstand :’D Einfach weil ich es nicht von Beginn an mitbekommen habe.

Aber wenigstens bei den einfachen Sachen, halte ich gut und selbstbewusst.

Dann bin ich dran mit kicken und Viola sagt danach:„Gut!“

Auch der Meister meint von weitem:“GUT!“

Es ist jedesmal sooooo ein schönes Gefühl, das zu hören.

Ich denke an gar nichts, außer hier mit Viola zu trainieren. Es ist Anstrengung und gleichzeitig komplett Entspannung, sich nicht auf 1000 Dinge im Alltag zu konzentrieren, sondern 1 Ziel zu haben: Dieses Polster zu treffen, am besten mit der richtigen Technik.

Wir üben eine Weile und natürlich werden die Kicks schwerer, da es nun um Kombinationen geht.

Gar nicht so einfach, Punch & Kick oder Drehung und dann nochmal Kick. Aber herrje, macht das Spaß!!

Ich weiß nicht was los ist, aber ich gebe Gas.

HA! HA! HA!

Und es fühlt sich viel stärker an.

Und dann, dann mache ich einen Side-Kick und der Meister sieht es.

Er ruft:“SEHR GUT!!! Auch schon besser geworden,….in kurzer Zeit!“

Er sieht mich an und dann Viola und sagt zu ihr:„Merkst du selbst oder?“

Und sie lächelt und sagt anerkenned in meine Richtung:„JA!“

PloPP! macht es in meinem Herzen. PloPP in meinem Kopf! PloPP PloPP plOPP PLOPP PLOPP!

Die Maiskörner springen nur so auf und du selbst sitzt nur davor und freust dich über diese Wundertüte, der Jumobecher des Glücks.

Und das witzige daran?

Du dachtest, dass Popcorn alle ist.

Dass es das nun war an Maisvorrat oder dass die meisten Körner verbrannt sind.

Aber nein, hier steht er, der Jumbobecher.

Und jedes PloPP ein „Gut!“ „Gut!“ „Sehr gut!“, welches in deinem Herzen wiederhallt.

Ich nur am komplett Durchdrehen innerlich, strahlend….dann schaue ich auf den Boden und sage „Freut mich!“ kicke dann weiter. 

Ich weiß nicht, warum ich mich nicht traue, den Meister anzuschauen.

PloPP PloPP PLOPP! macht es und ich stehe da und kann es echt nicht fassen, so glücklich bin ich.

Der Meister hat gerade gesagt, dass ich besser geworden bin!

Er hat gesehen, dass ich noch nicht so lange da bin und das betont!

Er sieht meine Anstrengung, sieht, dass ich alles gebe. Und auch Viola. Ich könnte HEULEN!!!

Auch als ich diese Zeilen tippe, werden meine Augen ganz wässrig und mein Lächeln ist so riesig wie….ich weiß nicht was…stellt euch einfach eine strahlende Anna vor….ja genau…DIE! :))))))))

Es ist ein Gefühl, was im Herz anfängt und sich dann innerhalb von Sekunden überall ausbreitet:

Gelobt zu werden. Anerkennung.

Das führt zu Selbstbewusstsein und noch viel mehr Motivation.

Wenn auch nur eine einzige Person an dich glaubt, dann kann man schon so viel erreichen.

Wir sollten meine ich viel öfters Menschen loben. Das was sie machen, wertschätzen und anerkennen.

Ob das in der Arbeitswelt ist oder in der Freizeit, unter Kolleginnen oder Freunden oder ja auch von Fortgeschrittene zu Anfängerin.

Nach dem absoluten Tiefpunkt im letzten Training stehe ich nun also vor diesem Jumbobecher, bei dem das Popcorn rausfällt, so oft hat es PLOPP gemacht. Ich könnte die Welt umarmen.

Ich renne glücklich zu Viola hin und sage „Das habe ich auch dir zu verdanken!“

Sie winkt ab, Viola eben.

Wir trainieren weiter. Es kommt noch ein Kombinationstrick.

Viola imitiert einen Gegner, der von links oder rechts angreifen kann. Man weiß also nicht, was kommt, kann nicht bereit stehen…

Leider habe ich es mal wieder nicht drauf, ich muss mich auf das Kissen halten konzentrieren und habe dann alles vergessen :D

….häää wie jetzt… wie… was zuerst?

Ich stehe also falsch. Müsste mich jetzt umdrehen, Füße ändern.

Denn es ist anatomisch gar nicht möglich, so jetzt den Kick auszuführen.
.

Nun folgt so eine Anwandlung von Wagemut, gemixt mit einem großen Lächeln und ja, auch ein bisschen Wahnsinn:

Also, was macht Anna, totally hyped?? Na???

Sie macht einfach einen ominösen Kick, der klappen könnte, totally nach Hollywood aussieht und super schwierig ist, den wir noch NIE hatten und den uns auch NIE jemand gezeigt hat. Weil es eben der einzige ist, der anatomisch hier klappen kann…ganz intuitiv. Auch wenn er natürlich zu schwer ist und ich es langsam ausführe, aber heyyyyy :D

Viola lacht.

Und wisst ihr, wer auch lacht, weil das einfach so völlig aus dem Nichts kam und ich den plötzlich als Anfängerin daher bringe?

Der Meister! Denn er hat es gesehen :D

Ich möchte hibbelig in der Halle rumlaufen und rufen:

„Ich habe ihn zum Lachen gebracht! Ich habe ihn zum Lachen gebracht!“

Dann kommt das Schattenkämpfen dran. Es geht nun langsam wirklich um alles hier und ich merke, wieviel mir immer noch fehlt. Wie sehr ich doch noch auf die anderen schaue.

Der Meister läuft rum und sagt „Heute muss ich streng sein.“

Er sieht wie ich stehe und sagt mir, wie es richtig geht. Ich verstehe es aber immernoch nicht. Irgendwas mit der Kniestellung ist falsch. Er kickt von weitem ganz leicht gegen meinen Innenschenkel, sodass ich weiß, dass ich das Knie beugen soll. Alleine in dieser anmutigen Bewegung liegt schon so viel Spannkraft, dass ich nur bewundernd denke: Wie kann man nur so gezielt kicken und jemand nicht weh tun dabei? Als wäre sein Fuß ein verlängerter Zeigestab.

Er nimmt mich nun wahr als ernstzunehmenden Prüfling und er denkt sich dabei bestimmt:“Bei ihr geht das nun.“

Diese vielleicht etwas verkrampfte Barriere zwischen zwei Fremden ist nun weg, wobei er jederzeit Distanz wahrt und ich finde das genau richtig so. Ich fühle mich in diesem Training generell sehr wohl und das, obwohl wir ja keine Geschlechtertrennung haben. Bisher habe ich noch keine einzige Situation erlebt, in der ich mich unwohl fühlen musste (außer natürlich beim Fitness Übertreib Programm letzte Woche).

Er macht dann wieder was vor für alle und es sind die besten Momente, wenn er seinen Humor herausholt, der ja immer nur ganz kurz durchscheint und völlig trocken daher kommt:

Wir sollen bei jedem Schritt nach vorne einen Punch machen, also im Prinzip….stellt euch vor, nach vorne zu „boxen“.

Denn es geht darum, gegen einen imaginären Gegner zu kämpfen.

„Nicht zeigen!“ Er meint damit, wir sollen nicht dem Prüfer dann etwas vorturnen oder tun, als wäre das hier Jazz Dance.

Er imitiert ein paar Punches und läuft nach vorne, als würde er tatsächlich eine Musikvideo Choreo machen und stapft dabei mit den Füßen.

Wir grinsen.

„Nicht zeigen! Schlagen!

Er schaut fokussiert – schlägt nach vorne, so schnell dass meine Augen nicht mitkommen, 1 Punch, 2, 3!!

Es ist als würde er die Luft mit einem Messer zerteilen.

In Lichtgeschwindigkeit.

WOW!

Wir sehen sonst nicht so viel von seinen Künsten. Er lässt das nie raushängen. Man sieht das nur zufällig, wie jetzt.

Ich bin mega beeindruckt und froh, dass er das angesprochen hat. Bisher habe ich es nämlich wirklich so gemacht wie in einem Musikvideo, stelle ich gerade fest und die anderen wahrscheinlich auch.

Dass man kämpfen soll, bei Schattenkampf, das muss man erstmal verinnerlichen, das ist schwerer, als man denkt!

Ich lasse heute mal die Fleißige dann allein üben aber viel habe ich nicht zum Wiederholen, denn ich weiß nicht, wie.

Dann sehe ich Bus Boy, der ebenfalls schon anfängt die Luft zu zerschneiden.

Da ist wirklich ein Gegner bei ihm. Dammit!

„Bus Boy?“ frage ich, „Kannst du mir das nochmal zeigen?“

Und er macht es. Ich bedanke mich. Hier bekommt man von jedem Tipps, wenn man nur fragt. Allerdings ist es halt auch so ne Sache, im Prinzip bräuchte ich das alles nochmal von 0 an, wofür eben im Training keine Zeit ist.

Dann gehen die Fleißige und ich nochmal alles durch aber ja…:D Anna kann es noch lange nicht.

Ich frage sie:„Hast du schon eigentlich einen Anzug?“

Sie meint :„Nein aber ich kann den Gürtel von Peter haben…du kannst doch Immerlächler fragen?“

Oh, das ist ne echt gute Idee!

Plötzlich sagt der Meister, dass sich die Fortgeschrittenen hinsetzen und wir Anfänger das alles einmal durchmachen sollen.

Juhuuu, Zuschauer!

Anna macht gaaaaanz oft was falsch. Mist.

Dann umgekehrt, wir schauen Viola, Peter und Immerlächler zu. Die machen es gut, finde ich.

Der Meister sagt dann zu ihnen: „Gut aber noch üben.“

Er dreht sich dann um und sagt zu uns „Seht ihr, die haben auch die Prüfung geschafft. Obwohl sie jetzt Fehler machen beim Gleichen. Es ist witzig, sie machen dasselbe…. aber Fehler, ich weiß nicht warum.“ Er lächelt und wie immer nach Kritik schiebt er noch einen motivierenden Satz hinterher, über den ich lange nachdenken muss:
„Am Anfang 30 Leute und jetzt….ihr 3.“ Er blickt zu der Gruppe.

Dann meint er noch in seiner ruhigen Art, weil wieder einer von uns Bedenken geäußert hat vorhin, ob er die Prüfung schafft:

„Ich will nicht zwingen zur Prüfung,….ist eure Entscheidung,….einfach überlegen,….will ich es machen…. und auch selbstbewusst sein, ich helfe euch, kein Problem, kein Problem.“

Ich sag ja, der Jumbobecher. Auch wenn ich natürlich nun nicht zu ihm rennen kann und 1h Privatunterricht fordern kann und er eben nur im Training bei Details helfen kann….ist es doch ein sehr schönes Gefühl, wenn der Trainer ehrlich, offen und motivierend zu uns spricht.

Wir verbeugen uns und die Stunde ist rum. Alle laufen schon weg. Meister redet noch ins Leere rein „Wenn noch Fragen sind….keine dann Tschüss“ Aaaah ich verpasse die Chance und frage ihn nicht die 1000 Fragen, die ich so habe. Vielleicht hätte er heute ja Zeit gehabt, eine davon zu beantworten.

Wenigstens rufe ich ihm „Tschü-hüss“ zu und er sagt auch „Tschü-hüss!“

Auch wenn er sonst so total in sich gekehrt ist und wirklich wie ein Rätsel.

Die Fleißige, Viola, Immerlächler, Peter und ich laufen zur Bahn.

Ich nehme all meinen Mut zusammen und frage Immerlächler nach dem Gürtel. Ob das geht und dass er mir dann einfach den Preis sagen soll.

Er lächelt (WAS SONST?) und sagt so ruhig, als würde man gerade eine Meditation CD hören:„Den habe ich geschenkt bekommen und ich würde ihn dann dir einfach weitergeben.“

Oh man Immerlächler – du bist zu gut für diese Welt? Ich glaube der Mensch hat Bambi erfunden.

Und weil es so gut läuft und wir gerade alleine zu zweit nebeneinander her laufen sage ich:

„OH man die Prüfung…Ich kann es nicht. Ich wollte schon einen von euch fragen ob ihr mit mir übt…so davor oder danach kurz…….aber ja oh man ich kann einfach nichts aber ich will auch nicht fragen, weil jeder muss ja selbst üben…“

Der Immerlächler meint: „Ach…also….können wir gerne machen.“

Immerlächler, oh Immerlächler, du gibst wahrscheinlich jedem die letzte im Wasser schwimmende Tür auf dem offenen Ozean, während du untergehst?

„Echt? Wirklich? Ich meine, ich will dich auch nicht durcheinander bringen oder dass du extra wegen mir…“

Immerlächler: „Nein nein, können wir doch so machen, das nächste Mal 10 Minuten früher und das durchgehen.“

HAHA, denke ich, 10 Minuten omg, das reicht nichtmal für 2 Bewegungen :D Aber ich bin dankbar. Und freue mich. Und sage das.

Denn er hat noch einen weiteren Anweg wie ich und ist immer ganz spät da, sodass er dann bestimmt eine 30min-früher-Bahn nehmen muss.

Dann trennen sich unsere Wege.

….Krass, bald also mit dem Immerlächler Training :D

Die Fleißige und ich laufen noch das letzte Stück.

Mit ihr reden wir auch über die beiden, sie sagt, dass sie ganz gechillt sind während sie selbst sich immer Stress macht und das ihr gut tut, die Gesellschaft. Ich finde es schön, dass sie so ehrlich ist. Ich versäume es ein bisschen, nachzuhaken aber will auch nicht zu direkt sein. Am Ende umarmen wir uns.

3 Wochen vorher, Anna: „Hallo bist du zum Taekwondo hier?“

Die Fleißige war meine erste Begegnung und sie war sofort positiv. Irgendwie haben wir dadurch eine besondere Verbindung.

Sie ist die Beste und ich die Schlechteste.

Und wir haben beide mit diesen Rollen zu kämpfen.

Vielleicht kann sie bei mir sie selbst sein und ich darf ich selbst sein.

Als ich dann alleine nach Hause fahre muss ich wieder an die Worte des Meisters denken: „Am Anfang 30, jetzt 3.“ Und mir wird bewusst, was das heißt.

Ich beginne zu begreifen, dass das hier alles auch etwas mit Durchhalten zu tun hat. Obwohl sich das nie so anfühlt. Natürlich auch, ob es einem Spaß macht. Aber es ist schon krass zu hören, dass es anfangs so viele sind und dann die Prüfung doch nicht jeder macht.

2 Mädels haben mir in der Halle gesagt:„Neee wir machen nicht die Prüfung. Extra dafür nen Anzug kaufen nur für 1x??? Neee!“

Ich sage:„Ja klar ist schon auch teuer, aber bei mir ist es so, ich will halt weitermachen.“ Für mich stand nie was anderes zur Debatte. Denn ich laufe jedesmal wie ein blubbernder Wasserfall aus der Halle und meine Augen glänzen.

Und ich habe sooooooooo unglaublich Bock diesen Anzug zu tragen, den ich mir nicht leisten kann (ja, auch nicht die Ebay Version :D). Fragt mich nicht, wie ich das machen soll.

Es wäre einfach eine Ehre für mich, das zu tragen.

Und Holy Moly, das sieht einfach nur so cool aus, stellt euch mal vor, ANNA in einem Dobok!

Ich glaube, das ist es, worum es geht. Diese Leidenschaft. Das Selbstbewusstsein. Der Stolz. Aber auch das Wissen, wo man gerade steht. Das Kämpfen, der innere Kampf, das Fokussieren, das Lernen, das Zuhören, das Fortschritte machen, das Schaffen von etwas, was für andere Leute klein wirkt aber für einen selbst groß ist.

„Schon besser geworden…in kurzer Zeit!“

Ich laufe durch die Nacht, die eiskalte Nacht, doch in mir drin, fühle ich mich so stark wie Katniss Everdeen.

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