Alles auf Anfang – Vom Suchen und Finden des Stils

Es sollte doch gar nicht so schwer sein: Ich möchte gerne weniger Klamotten haben, dafür aber welche, die wirklich passen und zeitlos sind. Klassiker eben. Warum ist aber genau das so schwer? Wie schaffe ich es, genau den Stil zu haben, den ich eigentlich will? 

Ich glaube, viele von uns haben ein Stylingvorbild. Egal wie alt man ist. Jeder findet irgendwen gut, bei dem/der man denkt: „Genau so!“. Manchmal sind das mehrere Personen, mehrere Stile. Und das macht man sich dann zu eigen und vermischt es mit den eigenen Ideen. In der Theorie zumindest.

Praktisch umgesetzt ist das oft gar nicht so einfach.

  1. Ich habe nicht die Designer Boots
  2. Ich habe eine andere Figur und die Marke hat vergessen, meine Größe mit in ihr Sortiment aufzunehmen
  3. Vielleicht habe ich mich letztes Jahr von jemand anderen inspirieren lassen, die „Phase“ hängt noch im Kleiderschrank, sodass ich vor lauter Bäumen den Wald nicht sehe (-> Wie man das Chaos beseitigen kann, findest du hier)
  4. Ich kann nicht unterscheiden zwischen „schön anzusehen“ und „trage ich dann auch“

Seit dem Aussortieren im Januar habe ich natürlich viel weniger Klamotten. Trotzdem bin ich lange noch nicht da angekommen, wo ich wirklich hin will:

Meine Persönlichkeit mit Mode zu unterstreichen. Jedoch: ohne ständig Sachen neu zu kaufen und generell eher eine geringe Anzahl an Klamotten zu haben. Aber wie nur?

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Gerne, aber wie nur?

Machen wir es kurz: Die meisten von uns sind laut Modeindustrie kein Supermodel. Passende Größen zu finden oder eine perfekte Form ist ein Kapitel für sich.

Da ich nur noch so wenig in Klamottenläden bin, habe ich fast vergessen, wie schlimm das sein kann.

Ich machte mich auf in die Stadt, aber nach stundenlanger Suche und Abklappern so ziemlich jeden Shops ging es frustriert und dehydriert nach Hause.

Mit nichts.

Einkaufen bzw. Suchen kann einem den letzten Nerv kosten. Und Zeit.

Es musste eine andere Lösung her und so begab ich mich in die unendlichen Weiten des Online Shoppings. Ich mag das eigentlich nicht, mit dem ganzen zurückschicken und Co. Der ganze Aufwand. Aber ob ich verzweifelt durch Kaufhäuser renne oder daheim die Zeit dafür verbrauche, ist wohl gleich.

Der Preis war mir fast egal – es sollte ja z.B. DIE EINE Hose sein, die dann hoffentlich ewig halten würde. Auch das gestaltete sich als sehr schwierig, denn oftmals hielten mich negative Bewertungen vom Kauf ab. Sowas wie „Schöne Hose aber doch eher grau als schwarz“, oder „Geht nichtmal bis zum Knöchel, viel zu kurz“ usw. klangen nicht gerade nach DER EINEN Hose, die ich für 3 Jahreszeiten anziehen wollte.

Natürlich gibt es auch online nicht immer das, was man in dem Moment zu 100% will.

Trotzdem zeichnete sich das ab, was ich für mich als Look wollte, aber noch interessanter, was ich auf keinen Fall wollte: Man scrollt ja immer über ähnliche Dinge hinweg – vor allem bei den Accessoires. Ich habe schon immer sofort gewusst, was mir gefällt und was nicht, jedoch online, auf einem Fleck, zeichnete sich langsam ein Muster ab.

Ich weiß nun, dass mir auch die 30ste Handtasche mit Kette statt Riemen einfach nicht an mir gefällt, dass ich das nie tragen werde. Egal, wer das designt hat. Egal, wie schön das an anderen aussieht.

Erst vor ein paar Monaten habe ich so eine fancy Handtasche entsorgt, die ich mir mal für viel Geld im Urlaub gekauft hatte. Nie getragen lag sie daheim rum, bis ich sie dann zur Spende abgab. Nun weiß ich 3 Sachen:

  • ich trage keine bunten Taschen (auch wenn das trendgrün noch so toll aussieht)…
  • ich trage keine Taschen mit Kettenriemen
  • ich trage keine Taschen, die zu kantig und klobig vom Körper abstehen (im Gegensatz zu Rucksäcken…)

Es gab aber auch einige Taschen, die mir sehr gefielen. Ich hätte nicht gedacht, dass es so viele werden würden.

Langsam verstehe ich, warum manche Menschen so viele Handtaschen haben. Sie möchten und können sich in der Fülle des Angebotes einfach nicht entscheiden. Oder sie müssen ganz einfach nicht.

Für meinen Stil ganz allgemein erstellte ich mir eine Liste mit Schlagworten. Wie würde ich am liebsten da draußen in der Welt rumlaufen?

Obwohl ich mir der einzelnen Stilrichtungen sicher war, brauchte ich ein paar Versuche um sie auf Papier in die richtige Anordnung zu bringen.

Ich selbst als ein Mensch, mit nichts. Sozusagen als Schaufensterpuppe oder SIMS Avatar. Was würde ich kaufen, wenn ich nochmal von neuem anfangen könnte?

ALLES AUF ANFANG.

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Nicht, dass ich jetzt alles weggegeben habe oder das vorhabe. Jedoch kann man sich gedanklich so einfach auch mal kurz lösen von bereits gekauften Dingen. Ähnlich wie bei einem Gedankenexperiment. Ein leeres Blatt Papier – eine Chance, die im Bezug auf Kleidung jeder von uns hat – wie würde ich es füllen?

Schnell kristallisierte sich eines heraus: Meine Wunschvorstellungen könnte ich mit ein paar wenigen Kleidungsstücken erreichen. So unterschiedlich die Kategorien doch waren. Alles andere, etwas ausgefallenere, könnte ich mir als bloßes Accessoire wie z.B. Schmuck/Haarschmuck zulegen.

Die Wunschliste bei Online Shops sind ganz hilfreich. Nicht, um es gleich zu kaufen, sondern um vergleichen zu können.

Meine alte Handtasche hatte ich 10 Jahre (!) getragen, bis sie völlig zerfleddert quasi unbrauchbar wurde. Schweren Herzens sortiere ich sie dieses Jahr aus und hatte erstmal keine. Auch mein Rucksack, ebenfalls ein paar Jahre Tragezeit, war nicht mehr angenehm zu tragen (schlechte Qualität).

Mit Absicht suchte ich nun nach einer etwas höheren Qualität zu sonst, war aber überrascht, wie hochwertig manche Sachen doch sind (oder zumindest wirkten), wenn man ein bisschen mehr ausgibt. Und auf Kleiderkreisel/Ebay Kleinanzeigen etc. gab es manche Artikel ja auch.

Sicher, nicht immer heißt teurer auch besser. Das kann dann wahrscheinlich nur der Real-Life-Test feststellen. Ob der Rucksack den Anforderungen (Wasserflasche, Block etc.) stand hält oder nicht.

Nun war ich aber nach wie vor erschlagen von der Zahl der Möglichkeiten.

Sich auf 2 Rucksäcke festzulegen, das geht. Aber 1?

Also stellte ich mir wieder Fragen: Was sollte er sein / Was können? Da gab es schon einige an Anforderungen, die mir so im Laden gar nicht eingefallen wären. Man kommt sich auch merkwürdig vor, ewig lang vor etwas zu stehen und zu überlegen. Weil ja alles in der Konsumwelt auf schnell getrimmt ist.

Zu Hause hatte ich den Stress nicht. Ich habe mich gefragt: Was muss der Rucksack alles können? Soll er einfach nur schön aussehen oder würde ich darin auch was unterbringen? Was für eine Größe brauche ich?

DSC07172 2b.jpgNach so einer Auflistung stellt man fest, dass man von einem Gegenstand allein auch nicht zu viel erwarten kann. Einen Rucksack, den ich in Thailand zum Strand tragen würde und in Deutschland zur Uni? Ein Rucksack, der sowohl modisch meinen Ansprüchen entspricht aber eine Funktionalität hat die rückenschonend, wasserabweisend und leicht zu reinigen ist? Ganz, ganz schwierig. Wohl unmöglich.

Menschen, die ihren Kleiderschrank so reduziert haben (oder komplett weggegeben wie ich), müssen und wollen vorausschauend denken. Man macht sich mehr Gedanken bei einem Neukauf. Ist ja eigentlich positiv. Aber kann auch sehr anstrengend sein.

Deshalb ein Tipp: Screenshot der Artikel machen und Collage erstellen!  So nebeneinander kann man das viel besser beurteilen und auch nochmal am nächsten Tag draufschauen.

Fun Fact: Auch meine heißbeliebte alte Handtasche fand ich auf Kleiderkreisel wieder, dort noch wie neu. Sollte ich sie mir einfach wieder kaufen? Sie hatte sich ja als sehr robust erwiesen. Letztendlich entschied ich mich dagegen, da sie mich jetzt, wo ich sie hätte haben können, auch nicht mehr vom Hocker riss. Alternativen gab es ja nun auch genug. Doch werde ich mich je entscheiden können?….

Heute schaute ich mir wieder die Wunschliste an. Eine Tasche davon, war nun über Nacht ausverkauft.

Schlimm? Keinesfalls. Denn schon gleichzeitig dafür rückten 10 andere nach.

Man darf sich nicht verrückt machen lassen.

Denn die Suche nach dem eigenen Stil kann man jeden Tag beginnen.

Mit einem leeren Blatt Papier.


 

Hier gehts zu Teil 2

…und hier zu Teil 3

14 Gedanken zu „Alles auf Anfang – Vom Suchen und Finden des Stils

  1. Sehr coole Idee! Ich hatte vor einigen Wochen auch meinen Kleiderschrank mal wieder aufgeräumt, und gemerkt wie oft sich mein Stil in den letzten Jahren geändert hat und sich daher höchstwahrscheinlich noch oft ändern wird . Das mit dem Aufschreiben werde ich direkt mal ausprobieren! :)

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    1. Freut mich sehr, dass ich dich inspirieren konnte :)! Ja, ich kann es dir nur empfehlen, so führt man sich vor Augen, wohin man eigentlich will was Mode angeht. Wie du schon schreibst kann sich das ja durchaus auch was ändern im Laufe der Zeit ;). Und gedanklich hilft es einem bei Entscheidungen, gerade wenn man was neues braucht was aber länger als 1 Saison im Schrank hängen soll :)

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    1. Kann es wirklich nur empfehlen. Alternativ: Alles auf die Wunschliste speichern und dann nach 1 Woche nochmal drauf schauen. Geduld zahlt sich aus, gerade wenn man den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht :)

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