1 Monat Ordnung auf Reisen – Von Hostel bis Luxus Hotel

Nach dem Aussortieren und Reduzieren fällt einem Ordnung zu Hause so viel leichter. Doch was ist, wenn man seine Sachen packt und wo ganz anders wohnt? Im Urlaub ist man plötzlich mit anderen Aufbewahrungssystemen konfrontiert, wie in den eigenen 4 Wänden und nicht immer, sind diese praktisch. Schrank ist nicht gleich Schrank, wie viele von uns inzwischen rausgefunden haben. Was also tun, wenn man kein Chaos auf Reisen will?

Für einen typischen Europa-Strandurlaub mit Koffer gibt es eine einfache Lösung: Man benutzt die Boxen, die man zu Hause auch stehen hat. Wenn man zwei Wochen im gleichen Hotel lebt, wohl die idealste Lösung.

Nun zieht es viele von uns, inklusive mich, an weit entferntere Orte, an denen man weder im Voraus irgendeine Unterkunft bucht noch einen Koffer mit sich hat. Ich war nun 1 Monat in Thailand mit Rucksack (schon zu 2.x in meinem Leben ;) )und meine Erfahrung zu den Unterkünften und der Ordnungsmöglichkeit dort, möchte ich gerne teilen :)

20170716_193232In allen Unterkünften, egal ob Bungalows oder günstiges Hotelzimmer, gab es irgendeine Form von Stell/Hängefläche, viele davon waren ein großer, einfacher Schrank.

Unpraktisch ist das erstmal, weil kein Backpacker Kleiderbügel dabei hat und mit den gestellten 2-4 Stück kann man dann nicht 2 Personen und ihre Kleidung im Rucksack versorgen. Das hohe und tiefe Fächer total unpraktisch sind, habe ich hier bereits beschrieben. Nun war ich aber wieder mit diesem System konfrontiert. Was also tun?

Die Lösung: Bier.

Nunja, Bierkartonverpackungen. Zuerst habe ich beim kleinen, familiären Resort nach einem Karton gefragt. Die Mitarbeiterin schaute etwas verdutzt, holte aber dann von hinten eine Tiger Beer Verpackung. Leider war die schon plattgetreten für den Müll (vorbildlich), aber dank unserer Tesa Rolle, war das kein Problem. Im Zimmer bastelte ich mir innerhalb 3 Minuten wieder eine Schachtel und voila – fertig war die Box! Da wir dort, im Gegensatz zu sonst, 1 Woche blieben, lohnte sich das auch.

 

Nicht schön ausgeschnitten, aber es ging ja nur um das System.

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Dann passte das auch mit den Kleiderbügeln – Kleider und Co wurden aufgehangen, es herrschte durchgehend Ordnung. 20170717_174734Keine Unterwäsche, die kreuz und quer lag, keine Shirts, die man suchen musste, keine knittrigen Kleider, weil man sie von einem Haufen zum nächsten gelegt hat.

Abstellflächen wie Stuhl und kleines Board, blieben frei für andere Dinge – so war der Überblick perfekt.

Das beste daran: Kein lästiges Suchen! Klarheit. Zeitersparnis. „Macht mir das Freude?“ – Allerdings.

Plus Punkt: Reste des Kartons wurden zum Dichtmachen von Löchern im Bad verwendet (Die Kakerlaken, die es ja gibt egal wo man ist, kamen plötzlich nicht mehr).

Und am Ende? Einfach Karton wieder auseinander gemacht. So musste ich auch keine Box mitschleppen oder irgendetwas neu kaufen -der Karton war ja sowieso für den Müll dort bestimmt.

Der Rest der Reise war geprägt von vielen Ortswechseln, sodass für 1-2 Tage sich so etwas nicht wieder gelohnt hat. Jedoch immer zu empfehlen, wenn man länger wo bleibt.

Hier mal weitere Systeme in den verschiedenen Unterkünften:

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Dieser Schrank wäre, wenn nicht voll von Staub und Insekten, wohl die ideale Lösung gewesen. Da wir auch nur eine Nacht blieben, räumte ich dort nicht viel ein.

Jedoch war ich sehr beeindruckt, da ich so einen Schrank bei uns noch nie gesehen habe (da gilt ja das Schrankmotto groß-größer-am größten).

Ideal von der Tiefe her und sogar mit Brett vorne, also ähnlich wie eine Box. Sehr schmal und auch nicht zu hoch – besser geht es kaum. Ein KonMari oder Minimalisten Traum.

Leute, die sich nicht so mit Ordnung und Platz beschäftigen, hätten es wahrscheinlich komplett als Regal benutzt (man kommt gar nicht auf die Idee, wenn man die Faltmethode nicht kennt, dort Kleidung rechts reinzumachen). Bei uns in Deutschland wäre so ein Schrank wohl ein Ladenhüter. Für mich: Schon nah an der Perfektion.

20170730_105802Manche andere Zimmer, hatten gar keinen Schrank im klassischen Sinn. Gerade hierfür sind selbst gebastelte Kartonboxen super (wir blieben auch hier nur 1 Nacht, deswegen habe ich das nicht gemacht). Aber auch wenn so eine offene Fläche irgendwie angenehmer ist als ein geschlossener Schrank – ich frage mich, wie oft hier wohl schon Gäste an ihrem eigenen Chaos verzweifelt sind.

Wie soll man bei so einer Fläche Ordnung halten, wenn man nicht gerade die kostbare Zeit dort mit aufwendigem Falten verbringen will?

Denn eines ist mir bei meiner Reise in Bezug darauf wichtig gewesen:

Ordnung ja, aber immer so, dass ich minimal Aufwand habe und maximal Zeit für andere Dinge  – nämlich den Urlaub an sich, der vor der Tür wartet!

Was ich nicht verstehe, sind die wenigen Kleiderbügel überall (ist sicher auch bei Europa Urlauben so). Was denken sich die Leute, die sich solche Konzepte überlegen? Was soll der Gast machen? Shirts, Unterwäsche, Socken, Hosen und Co im schiefen Turm von Pisa Style aufeinander legen?

Du fragst dich, warum man im Urlaub die Hälfte des Inhaltes normalerweise im Koffer/im Rucksack lässt? Man stellt nach 2 Tagen fest, dass man im Chaos versinkt (Kleider überall, hier das Strandtuch, da die Schuhe und wo war nochmal die Key Card für den Raum?….) Alles liegt durcheinander. Deshalb lässt man nach und nach immer mehr im Koffer/Rucksack. Oder schmeisst eben doch alles durcheinander. Das liegt nicht nur an dir, das liegt auch am Aufbewahrungssystem. Der Unterschied ist, dass man, im Gegensatz zu daheim hier eben nur ein Bruchteil seiner Sachen dabei hat, es also gar nicht so schlimm wie zu Hause werden kann. Vielleicht wohnen wir deswegen so gern im Hotel. Das Chaos besteht, aber nimmt nicht Überhand…

Antwort auf die Kleiderbügelfrage habe ich übrigens im manager Magazin bei einer Umfrage von 2016 gefunden gefunden. Kleiderbügel sind auf Platz 3 der meistgeklautesten Sachen im Hotel. Platz 1: Handtücher.

Kurzer Reminder: Ich ließ in Asien sogar 2 meiner Handtücher zurück, da ich daheim eh zuviel habe. Wieso klaut man solche Dinge? Welcher Gast, der sich einen Urlaub leisten kann, braucht schon ein Hotelhandtuch zu Hause? ….

20170802_154144.jpgGegen Ende unserer Reise waren wir dann wieder länger an einem Ort. Nicht nur das Zimmer war ein Traum (ein Hostel!) sondern die Aufbewahrung war auch klar. Kein Riesenschrank, der einen erdrückt, trotzdem noch genug Stauraum.

Sicher ist der kleine Nachttisch etwas niedrig für die Kleidung, jedoch sind kleine Fächer die schmal sind IMMER und ich meine wirklich IMMER besser für die Aufbewahrung. Denn auch hier gilt: Wer braucht schon Platz nach oben? So viel Shirts kann man gar nicht stapeln.

Hier noch ein Tipp generell für Nachttische/Kommoden im Urlaub: Alles was man nicht braucht (hier war es ein Glas, was dort stand), abräumen und aus Sichtweite verstauen. Es klingt merkwürdig aber ich glaube, viele Leute sind gehemmt so etwas zu machen. Wir waren in einer anderen Unterkunft, in der zwei Riesentablette mit Infokarten, Menükarte etc. die komplette Ablagefläche eingenommen haben. Da wir dort wieder nur 1 Nacht waren, habe auch ich das nicht weggeräumt. Fakt ist aber: Es ist Werbung/unnützes Zeug, das man gar nicht braucht. Jeder Gegenstand zuviel kann einen davon abhalten, was man endlich mal braucht: Abstand, Ruhe, wieder einen klaren Kopf bekommen. Und viele kleine Dinge können auch wieder Chaos erzeugen.

Zurück nochmal zu diesem Raum: auch die Garderobe war schön gelöst. Oben kam die Dreckwäsche hin (kann man in Thailand ja an jeder Ecke günstig waschen/bügeln lassen), das war so viel innovativer als unten einen Schrank zu haben. Möbel nehmen Platz weg, offene Lösungen sind viel schöner. Kein Wunder war dieses Zimmer lichtdurchflutet und wir haben uns hier so wohl gefühlt wie sonst nirgends!

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Wenn alles um dich herum seinen Platz hat, dann kannst du den Tisch auch dafür nutzen, für was er eigentlich gedacht ist. Schlüssel und Sonnenbrille (die meistgesuchstesten Items der Reise) waren immer greifbar. Auch Essen und Trinken, also Sachen, die man aufgrund von Ameisen und Hitze schnell aufbrauchen sollte, fanden hier ihren Platz und nicht überall verstreut.

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In einer der letzten Unterkünfte fand ich sowas wie meinen neuen Traumschrank. Obwohl ich rot nicht so mag, wirkte die Einrichtung auf mich total modern und nicht beengend. Zu Hause habe ich ja eine Kleiderstange, die ich sehr mag. Entgegen meiner Befürchtung, habe ich auch kein Staubproblem. Als ich jedoch den Schrank hier sah, war es um mich geschehen.

Denn die Stange daheim ist sehr breit und ich strebe sowieso an, noch weniger Klamotten zu haben. Er fragte: „Gibt es so ein System nicht fast genauso bei IKEA?“ Gibt es, jedoch nicht so schön wie hier. Es erinnert etwas an USA Umkleide College Turnhalle, ich weiß auch nicht warum. Vielleicht ist es das rot, vielleicht die Schuhablage – ich mag es einfach alleine vom Look her. Dass es nach oben geht, aber auch nicht zu hoch ist – rundet die Perfektion noch ab. Es würde nur eine Stange fehlen. Und klar, den Safe brauche ich nicht im Zimmer ;)

Einziger Nachtteil ist, dass das Ding sehr schwer ist und ich keine schweren Dinge mehr wollte, aus Holz/Plastik hat es aber eben den Effekt nicht.

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Leider war die Aufbewahrung nun für die Reise extrem schwierig. Wohin denn mit den Sachen, wenn es nichtmal eine Stange gibt? So schön es auch aussah, ich weiß nicht, was 20170806_115855man außer Handtücher und Badsachen unters Waschbecken stellen würde. Dinge, die man nicht jeden Tag braucht. Aber was ist mit all dem anderen? Gerade in einem Hostel ist Aufbewahrung ein großes Thema, manchmal glaube ich, die Unterkünfte werden heutzutage so konzipiert, dass man alles einfach irgendwohin stopfen/legen kann – egal wie. Sicher, viel Zeit soll man ja auch nicht drinnen verbringen und länger als 1-2 Nächte bleibt man dort auch oft nicht. Jedoch gerade dann wäre doch eine sinnvolle und praktische Unterbringung für die Sachen, die man aus dem Rucksack holt, sehr vorteilhaft. Ich erfreue mich an schönem Design, jedoch wird die Ästhetik ja dann doch total mit meinen Sachen zerstört, die überall rumliegen.

Am allerletzten Tag wollten wir uns in Bangkok etwas gönnen – aber so richtig. Noch nie hatte ich ein 5 Sterne Hotel betreten, geschweige denn dort gewohnt. Eines kann ich vorweg sagen: Man wird behandelt, wie ein Staatsoberhaupt ;) Das Zimmer selbst war etwas ganz besonderes. Die Aufbewahrung an größenwahnsinnige Schränke angepasst. Hier nur mal ein (!) Part davon:

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Klar gabs da Bademantel und ein Bügeleisen und links (nicht im Bild) sogar ein Nähset. Und klar, die Beleuchtung, sobald man die Tür aufmachte.

Aber auch hier: nur 4 Kleiderbügel.

In so einem Riesenschrank kann man sich ganz toll verstecken (probierten wir aus) aber wie ich Kleidung dort ordentlich aufbewahren sollte, ohne wieder diesen berühmten „Alles liegt auf allem Stapel“ zu haben, wusste ich nicht. Da es eh die letzte Nacht war und es eh eher ums packen ging, war das irrelevant.

Jedoch hat sich eines immer mehr bestätigt: Schränke sind, vor allem in dieser Ausführung, nicht nur daheim, sondern auch auf Reisen total unpraktisch.

Viele Leute möchten zu Hause, egal wie chaotisch es im Schrankinneren aussieht, die Türen des Schrankes zu machen und nach außen hin eine Scheinordnung wahren. Das kann man sich auf so einer langen Reise aber nicht erlauben, außer natürlich man mag es, ständig nach Sachen zu suchen oder umgefallene Shirtstapel. Sehr schnell wird deutlich, dass ein System nicht unbedingt besser ist, nur weil das Möbelstück riesig ist.

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Blick zum (Dschungel-)Meer in Ko Tao, Thailand

Gerade wenn du im Urlaub aus dem Fenster schaust und vielleicht sogar einen schönen Ausblick hast: das Meer, der Dschungel oder was auch immer – diese Weite nach der wir uns alle sehnen und die wir auf Reisen so schätzen – wenn du dich umdrehst und wieder zurück in das Zimmer schaust, was siehst du? Denn auch das ist DEIN Urlaub.

Möbel über Möbel mit Dingen voller Dingen? Chaos?

Laut Hamburger Abendblatt verbringen wir 76 Tage unseres Lebens mit „in der Tasche wühlen“. Für „Gegenstände im Zimmer/Haus suchen“ gibt es noch keine Statistik. Auch nicht für den Urlaub. Ich schätze die verschwendete Zeit aber auf sehr hoch ein.

Was siehst du, wenn du dich umdrehst?

Der Idealfall: Ein Zimmer, das deinen Urlaub vervollständigt. In dem alles seinen Platz hat, weil du ihn geschaffen hast. Weil du dir 5 Minuten Zeit genommen hast, die optimale Lösung zu finden und Dingen seinen Ort zuzuteilen. Egal ob Hostel oder Luxus Hotel. In dem nicht die Stühle vollhängen, die Tische nicht überladen sind – denn du hast dafür gesorgt. In dem du nicht deine Sachen suchst, was dich den letzten Nerv kostet. In dem du lebst und wohnst ohne dir Gedanken um Dinge oder Chaos zu machen.

Das alles hat nichts mit Zwang oder militärsmäßiger Ordnung zu tun – es ist im Gegenteil: ganz entspannt. Du rennst nicht wie verrückt im Zimmer rum und suchst nach irgendwelchen Dingen. Oder du kommst von einem langen Tag voller neuer Eindrücke und Reize zurück und findest ein klares, aufgeräumtes Zimmer vor. Ich glaube: Auch DAS gehört zum Urlaub, zur Entspannung dazu.

Und wenn das Abenteuer wieder lockt, dann musst du nicht in der Tasche wühlen – du gehst einfach los!

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Wie waren die Aufbewahrungsmöglichkeiten in deinem Urlaub?

Wie bist du mit Ordnung zurecht gekommen?

Geht es dir ähnlich wie mir oder hast du ganz andere Erfahrungen gemacht?

Ich freue mich über eure Kommentare :)


Weitere meiner Beiträge zum Stichwort „Unterwegs mit weniger“:

Alle meine Beiträge zu Ordnung, Minimalismus und KonMari findest du übrigens hier 


Hinweis: Der Urlaub wurde privat finanziert. Mein Blog ist nicht kommerziell. Bilder dienen der Präsentation von Ordnung in meinem Leben und meine Erfahrung damit.

5 Gedanken zu „1 Monat Ordnung auf Reisen – Von Hostel bis Luxus Hotel

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